Titel:Rescript, von Combinirung derer Rathhäußlichen Collegiorum und Einrichtung des neuen Magistrats in Berlin, Cölln, Friderichs-Werder, Dorotheen- und Friderichs-Stadt  
Urheber:Friedrich, König in Preußen 
Datum:17. Januar 1709 
Quelle: Mylius Corpus 1737 5. Th., 1. Abth., IV. Cap., Nr. XVII, Sp. 383 
Hinweise:In der Quelle in lateinischer Schrift gesetzte Buchstaben werden in der Übertragung kursiv geschrieben. Spaltenwechsel in der Vorlage sind in geschweifte Klammern gesetzt, z.B. {Sp. 384}. 

  VOn GOttes Gnaden, Friderich, König in Preussen, etc.  
  Unsern Gruß zuvor, liebe Getreue: Nachdem Wir, wie bereits bekannt ist, die Combinir ung aller in Unsern hiesigen Residentzien befindlichen {Sp. 384} Rathhäußlichen Collegiorum durch gewisse darzu verordnete Commissari en erwegen, und deren Vorschläge, monita und Erinnerungen euch communicir en, auch Uns eure darauf gebrachte Nothdurfft allerunterthänigst vortragen lassen [1], so haben Wir {Sp. 385} nach reifflicher Deliberation der Sachen resolvi ret, und geht Unsere allergnädigste Intention dahin, daß
[1] HIS-Data: Reg. Urk. Berlin 1500-1815 Nr. 1512-1515
  1. Von nun an und hinführo in Unsern hiesigen Residentzien, Berlin, Cölln, Friderichswerder, Dorotheen- und Friderichs-Stadt, und allen deren Vorstädten, nur ein Stadt-Rath seyn, und von einer gleichen Anzahl, aus beyderseitigen Evangelischen, Reformirten und Lutherischen Religions-Verwandten bestehen, solche Parität auch, oder wenigstens eine Alternation bey denen übrigen Rathhäußlichen Bedienungen beobachtet werden solle, wozu Wir auf dieses Jahr nachfolgende Personen, benahmentlich Sebastian Friederich Striepe, Joachim Friederich Kornmesser, Ludewig Senning, Andream Libertum Müller zu Bürgermeistere, Johann Heinrich Schlüter, und Ludewig Gause, zu Syndicis, Werner Thieling zu Oeconomie-Directorem, Wilhelm Westarff, zum Oeconomie-Einnehmer, und Johann Vollrath Happach, zum Oeconomie-Controlleur, Ernst Casimir Wentzlow, Ernst Gottlieb von Bergen, Christian Friederich Müller, Andreas Barth, Balthasar Gottfried Krahmer, Christian Koppen, Siegmund Michaelis, Theodorum Thülmeyer, Salomon Strauch, und Ernst Leberecht Kiesewitter zu Raths-Verwandten, aus Landes-Fürstlicher Hoheit hiemit und Krafft dieses bestätiget, auch wollen und verordnen, daß sie die Administration aller vorbenannter Unserer Residentzien, so hinführo sämtlich den Nahmen von Berlin tragen sollen, auf ein Jahr unweigerlich über sich nehmen, des Rathhauses und gemeinem Stadt-Nutzen und Besten befordern, Schaden und Nachtheil dahingegen verhüten und abwenden, und allen demjenigen ein Genüge leisten sollen, was ihnen ihr Eyd und Pflichte auferlegen.  
  2. Nächstdem soll, der bißherigen Observantz nach, alle Jahre Unsere Confirmation eingeholet, und die sonst gewöhnliche Versetzung zum ewigen Andencken hinführo allezeit der 18. hujus, als den Tag Unserer Crönung, vorgenommen werden.  
  3. Und ob Uns zwar bekannt ist, daß die Stadt Berlin in einen und andern, zumahlen aber in Zusammenkünfften einige Praerogativen gehabt; So wollen Wir dennoch selbige hiemit und Krafft dieses aufgehoben, und aus denen sämtlichen Residentzien ein Corpus formiret, auch verordnet haben, daß der von Uns neu gesetzte Magistrat seine Zusammenkunfft auf dem Rathhause allhier in Cölln haben solle, anerwogen selbiges nicht allein in der Mitte der übrigen Städte, sondern auch bey Unserm Residentz-Schloß gelegen ist.  
  4. Dem Magistrat bleibet nach wie vor die Administration, Respicirung und Verwaltung in Justitz- Policey- Kirchen- Schul- Hospital- und allen denen Sachen, so wie sie solche vorhin gehabt, und durch speciale Verordnungen nicht geändert, oder zumahlen in Policey-Sachen mit und nebst Dero Hof- und Steuer-Rath Grohmann, zu respiciren, oder diesem allein zu beobachten aufgetragen worden.  
  5. Und damit der Magistrat desto mehr Autorität haben möge, so wollen Wir, daß die Bürger- {Sp. 386} meister immediate vor Unsern Commissariats- Steuer- Jagd- Marinen- und Titular-Rathen, die Cämmerer und Raths-Verwandten aber, immediate vor denen Geheimen Krieges- und Lehns-Catzellisten den Rang haben sollen. Sonsten hat der von Uns neu- confirmirte Magistrat, was ein jedes Membrum von ihnen insbesondere respiciren und dessen Amt seyn solle, biß zu Unserer allergnädigsten Approbation und Confirmation unter sich zu reguliren und einzurichten, die vorige Raths-Personen, so offt und viel es nöthig, mit zu zu ziehen, und von demjenigen worüber sie sich nicht vereinigen, oder weshalb sonsten Schwürigkeiten entstehen möchten, zu Unserer allergnädigsten Decision allerunterthänigsten Bericht abzustatten, damit alles in eine ordentliche Verfassung gebracht werden möge.  
  6. Gestalt Wir dann zu mehrerer Facilitirung des Wercks allergnädigst resolviret, daß ausser dem von Uns confirmirten Magistrat alle diejenige, welche bey einem oder andern Rathhause in Diensten sich finden, und würckliche Salaria, oder Gehalt geniessen, beybehalten und ihnen ihre Salaria nebst allen vorhin gehabten Immunitäten und Freyheiten ad dies vitae verbleiben, sie aber dahingegen auch schuldig und gehalten seyn sollen, zu Rathhause, zumahlen auf Erfordern des neuen Magistrats, mit zu erscheinen, selbigen mit Rath und That zu assistiren, und einige Verrichtungen mit zu übernehmen, und zwar bey Verlust sothaner Freyheiten und ihres Gehalts, insbesondere aber hat der neue Magistrat nicht allein bey Verfertigung der Brodt- und Fleisch- Taxe, wie ingleichen, was die regulirung der Victualien und dergleichen Policey-Sachen anlanget, Unsern Küch-Meister Meyer, mit zu zu ziehen, und ihm solches aufzutragen, sondern auch, wann etwas auf dem Friederichswerder, der Friederichs- und Dorotheen-Stadt veranlasset wird, vorhero jedesmahl mit denen daselbst gewesenen Raths-Membris daraus zu communiciren und sie darüber zu vernehmen, damit Unordnung verhütet und alles denen dortigen Verfassungen gemäß eingerichtet werden möge.  
  7. Dafern jemand von denen Personen aus dem alten Rath abgehet, soll dessen Besoldung nach verflossenen Gnaden Jahr, als weshalb es bey der bisherigen observantz verbleibet, dem neuen Magistrat zwar accresciren, Uns aber jedesmahl vorher davon, wie imgleichen, welchergestalt die Einnahmen des Rathhauses vermehret und die Besoldungen dadurch verbessert werden können, allerunterthänigster Bericht abgestattet, und Unsere allergnädigste Verordnung darüber eingeholet werden. Gestalt denn damit Wir darunter eine desto bessere Einrichtung machen mögen, ihr Uns eine accurate designation von denen Einkünfften aller Residentzien, und was ein jeder für Besoldung hat, innerhalb sechs Wochen nach Empfang dieses allerunterthänigst einsehen.  
  8. Im übrigen halten Wir dafür, daß bey diesem neuen Raths- Collegio ein Secretarius, ein Registrator, und ein Copiist, die Nothdurfft zu bestellen, sufficient seyn werden, und haben dannenhero Johann Friedrich Stucken zum Secretario, Johann Christian von Bergen, zum Registra- {Sp. 387} torem, und - - - - zum Copiisten allergnädigst denominiret.  
  Solte aber hiernächst sich äussern, daß durch sie die Arbeit nicht allein bestellet werden könnte, so wollen Wir so dann dem Befinden nach Uns deshalb ferner erklähren.  
  9. Schließlich lassen Wir ein neues Sigillum verfertigen, dessen sich der neue confirmirte Magistrat hinführo zu bedienen haben wird.  
  10. Dafern auch einige Sachen zwischen Teutschen und Frantzosen, oder von solcher Bewandniß, daß jemand von der Frantzösischen Nation dabey mit nöthig wäre, vorkommen möchten; So habt ihr in solchen fällen Unsern Hoff- und Legations-Rath, auch Frantzösischen Ober-Richter, Ancillon, mit zu zu ziehen, welcher Unserer, an ihn deshalb ergangenen Verordnung zufolge, auf euer Erfordern sich bey euch einfinden wird.  
  11. Wie nun vorgesetztermassen, so viel die Umstände der Sachen leiden wollen, dem Rathhäußlichen Wesen prospiciret worden, also erfordert die Nothdurfft, daß nicht weniger Vorsorge für das Justitz-Wesen, als woran der gemeinen Bürgerschafft am meisten gelegen ist, Sorge getragen werde, und halten Wir dafür, daß vorerst die in jeder Stadt bestellete Richter zu lassen, und dahin anzuweisen seyn, ihr Amt und Verrichtung, nach wie vor, zu versehen, und die causas levioris momenti et celerrimae expeditionis zu schlichten, die übri- {Sp. 388} gen aber, so denen ordentlichen Gerichten zukommen, an selbige zu verweisen seyn, von welchem es, der Appellation halber, nach der bisherigen observantz gehalten wird.  
  12. Zu denen Stadt-Gerichten in allen Residentzien aber, haben Wir nachfolgende Personen benennet und zu introduciren verordnet: Ludewig Sennig, Matthäum Simonis, Johann Andream Schultesium, Johann Philipp Walschmidt, Ernst Casimir Wentzlow, Ernst Hermann Wippermann, Johann Moritz, Christian Müller, Jacob Höppner, Christian Vögelchen, Gabriel Ludolff Majus, und Andreas Altendorff, welchemnach Wir Uns dann zu ihnen sambt und sonders versehen, daß sie die ihnen hierdurch angetragene Ämter und Verrichtungen willig und gerne über sich nehmen, Unsere zum Flor, Aufnehmen und Wachsthum Unserer alhiesigen Residentzien abzielende intention, so viel an ihnen ist, befördern helffen, und Uns dadurch Gelegenheit gegeben werden, sie allerseits Unsere Huld und Gnade verspühren zu lassen, mit welcher Wir euch wohl zugethan verbleiben. Gegeben Cölln an der Spree, den 17. Januarii 1709.  
  Friderich.  
  v. Wartenberg.  
  An die Magistraete in hiesigen Residentzien, confimatio des neuen Magistrats in Berlin.  

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Stand: 11. Juli 2016 © Hans-Walter Pries