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Zedler: Bücher-Vorrath, Bibliotheck [7] HIS-Data
5028-4-1803-4-07
Titel: Bücher-Vorrath, Bibliotheck [7]
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 4 Sp. 1830
Jahr: 1733
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 4 S. 930
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Hinweise:
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Stichworte Text   Quellenangaben und Anmerkungen
Bibliotheken Deutschland A - G In Teutschland findet man fast in allen Städten Bibliothecken ohne daß man die, so Privat-Leute zu gehören, rechnen darf. Wir wollen hier, weil alle zu erzehlen unmöglich, die vornehmsten nahmhafft machen:  
 
1) die Vniversitaets Bibliotheck zu Altdorf wurde 1508 von Georgio Sigelio gestifftet. Sie wird noch täglich vermehret, und besitzet auch Syrische und Ebräische MSta. Von ihr haben Dan. Magno Omeis in Gloria Academiae Altdorffinae … und Jo. Jac. Baier in Beschreibung der Nürnbergischen Vinversitaets Stadt Altdorff gehandelt.
Struve l.c.
 
2) In Annaberg. Es ist dieselbe bey der Schule. Ihr Stiffter war Matthaeus Klingeissen Medicinae Doctor zu Zeiten Hertzogs Georgii. Nach der Hand ist dieselbe vermehret worden. Es befinden sich daselbst ungedruckte Briefe Lutheri Hussi und anderer. D. Georg. Henr. Gotze hat sie in dissert. Epistol. … beschrieben. Diese Epistel ist in denen novis Litter. Germ. 1703. … zu finden.
Struv. l.c.
 
3) zu Arnstadt sind zwey Bibliothecken anzutreffen.
 
 
 
a) Fürstliche. Bey welcher, ehedem ein vortrefliches Müntz-Cabinet gewesen, welches nach Gotha verkauffet worden.
Colerus in Anali ad Struvii Introd.
 
 
  Bey der Kirchen.
siehe ll. cc.
 
4) Die Raths-Bibliotheck zu Augspurg. Ihren ältesten Zustand findet man in Chronico Augustano Ecclesiastico, welches in Tom. I. Prozorii gedruckt ist … Hernach hat der Rath jährlich 50 Gulden zu ihrer Vermehrung verordnet, und dißfalls die Sorge dem Xysto Betulejo welcher an..547 gelebet, aufgetragen. 1545 sind von den Corcygischen Bischoffe Antonio Epercho die meisten Griechischen Manuscripta derer alten Auctorum um 800 Ducaten zu Venedig erkaufft worden. Es hat Antonius Reiserus den Indicem MStorum Bibliothecae Augustanae Augsp. 1675 herausgegeben. Die Msta Theologica sind von Spitrelio in sacro Bibliothecarum arcanis retenctio angeführet worden. Ingleichen hat Elias Chinger auch den gantzen Catalogum. Augspurg 1633 herausgegeben.
siehe von dieser Bibliotheck.
  • Mabillon. in Itiner. Germ. …
  • Pipping. de Bibl. Thom. Lips. … ap. Schmidium
  • Struve l.c.
 
5.) zu Bautzen ist eine Bibliotheck bey der Schule. Der Stiffter war Gregorius Maetligius, D. Medicinae, welcher so wohl seine Bibliotheck zum Grunde geleget, als ein Jährliches Einkommen von 30 rthl. darzu vermacht hat. An. 1673 ist Jo. Lofae Synein von Breßlau Bibliotheck darzu erkaufft worden. Hiervon findet man in Rosenbergii Programmate de Bibliothecis in fine Nachricht
Struv. l.c.
 
Ferner ist auch die Gersdorffische Bibliotheck daselbst zu finden, welche sonderlich einen schönen Vorrath an Mathematischen Instrumenten ehedem besitzet, aber durch Brand ziemlich mitgenommen worden.
 
 
6) zu Berlin ist die Königliche
 
  {Sp. 1831|S. 931}  
 
Bibliotheck. Churfürst Friedrich Wilhelm ist derselben Stiffter. Man findet in derselben ein Griechisches Testamentum Nouum in 2en Voluminibus sine accentibus, ingleichen eine von denen ältesten vulgatis, deren sich Erasmus bedienet, wie auch den Florum, Terentium und andere MSta. Tollius hat hiervon in Epistola Itineraria … gehandelt. Die Ordnung dieser Bibliotheck ist insonderheit Betrachtungs-würdig. Von ihr hat man sonst Consilium et occasio … accedit Epistola denuo recusa Christoph. Hendreichii de modo memoratae Bibliothecae incunabilis. Berlin 1725. in 4. Die Autores sind J.E. Bergerus M.V. la Croze. J.C. Beemannus. Sie bestehet nach Hendreichs Bericht aus 1618. Mostis 20600. Voluminibus und 90000. Büchern. Von dem dabey sich befindenden Cabinet hat Begerus in Thesauro Brandenburgico … gehandelt.
Struu. l.c. … et Colerum in Analect. ib.
 
7.) Zu Bremen hat der Rath des Goldasti Bibliotheck nach seinem Tode an sich gekauft. Es sind ausser denen MStis die zu denen Sachen von Deutschland gehören, noch andere von gutem Werthe darinnen vorhanden. Doch hat diese Bibliotheck etliche 30. Coelices Mos. welche an die Königin Christina gesendet worden, A. 1650. verlohren,
  • Schneiders Beschr. des alten Sachs. Landes …
  • Struue l.c. … Hat den von Gerhardo von Mastricht an ihm wegen der Nachricht von dieser Bibliotheck gesendeten Brief daselbst mit eindrucken lassen.
 
8.) Zu Breßlau sind zwey Bibliothecken. Die 1ste ist die Mario-Magdalena. Sie bestehet sonderlich aus Juristischen Büchern. Ihr Anfang ist von unterschiedlichen Vermächtnissen gewesen, hernachmahls ist sie durch des Grafen von Zerotin und Wirben, ingleichen durch die Schillingis. Cretschmeris. Döringis. und Colerischen Bücher vermehret worden. 1644. wurde sie dem gemeinen Nutzen gewidmet, worbey Colerus Orationem auspicalem … Vratislauiae 1609. in 4to.
 
 
Die andere ist die Elisabethana Rhedigeriana. Der Stiffter ist Thom. Rhedigerus de Schlisa gewesen. A. 1680 ist sie durch die Sebische Bibliotheck um die Helffte vermehret worden. Sie besitzet 400. Codices MStos. Von ihr hat man Intimationem apertuae … A. 1661. Jo Gebhardi Encaeniae … Breßlau in 4. Jo. Dan. Majoris Desiderium de Rhedigerianis.
 
 
Von beyden handeln Nic. Henelius in Silesiographia renouata … und Noua Litteraria Germaniae 1703. …
Struue. l.c. … et Coler. in Annal. ib.
 
Endlich ist auch noch eine öffentl. Bibliotheck in der Neustadt. Unter denen Priuat-Bibliothecken ist die Bergische auserlesen
 
 
9) Zu Cassel ist eine ansehnliche Bibliotheck unter denen raren Codicibus ist einer litteris cuficis, und einer litteris glagoliticis geschrieben. Das dabey befindliche Müntz-Cabinet ist gleichfalls merckwürdig.
Struue l.c.
 
10.) Von der Bibliotheck des Gymnasii zu Coburg findet man Nachricht in D. Gottfried Ludovici Ehre des Hochfürstl. Casimirani Academici in Coburg. Fränckische Acta Eru-
 
  {Sp. 1432}  
 
dita, 2. Sammlung n. 8. neue Zeitungen von gelehrten Sachen. Leipz. 1726. 37.
Struu. in Suppl.
 
11) Zu Darmstadt ist gleichfalls eine Bibliotheck, welche aber nicht allzu zahlreich an Büchern ist.
Struue l.c.
 
12.) Zu Dreßden findet man erstlich die Churfürstl. Bibliotheck. Der Churfürst Augustus hat hierzu den Grund geleget, und ist dieselbe von dem höchstsel. Könige unter andern insonderheit durch die angekauffte Bibliotheck des geschwinden Kriegs-Raths von Hessen um ein grosses vermehret worden.
Es haben von derselben
  • Tollius in Epist. Itin. 3.
  • Ant. Wecke Beschreib. der Stadt Dreßden …
  • Zeiller in Itinerario
  • und endlich Augustus Beyer in Ep. de Bibliothecis Dresdensibus … Dresdae 1731. in 4.
gehandelt.
 
Ausser dieser ist auch bey der Creutz-Schule eine Bibliotheck befindlich, welche ungefehr von 12. Jahren durch ein Vermächtniß von 600. Stück Büchern eines aus dem Ober-Consistorio daselbst vermehret worden, von denen Priuat-Bibliothecken aber sind die Bünauische, Marpergerische, Löschersche, Gleichische, Engelschallische, Haußische und Woogische merckwürdig.
  • Struu. l.c. …
  • Gelehrte Zeitungen. 1731. …
 
13.) Von denen Bibliothecken zu Eisenach handelt Christian Juncker in der Historischen Nachricht von der öffentl. Bibliothec des Fürstl. Gymnasii zu Eisenach, nebst einem besondern Discours von einigen in denen Chur- und Fürstl. Sächsischen Ländern befindlichen öffentlichen Bibliothecken. Eisenach 1709 in 4. Man findet daselbst
 
 
 
a.) die Fürstliche Bibliotheck, in welcher sich einige neuere MSta, sonderlich von Hortledern, befinden.
 
 
 
b.) die andre ist bey der Kirche S. Georgii, und bestehet meistentheils aus Theologischen Schrifften, und einigen zur Eisenachischen Kirchen-Historie gehörigen MStis.
 
 
 
c.) Die dritte ist bey dem Gymnasio. Valent. Weinrichius hat dieselbe nach dem Berichte Christiani Francisci Paullini Annal. Jsenac. … A. 1586. gestifftet: hernachmahls ist sie durch unterschiedene Vermächtnisse angewachsen. Juncker hat in gedachter Schrifft den Catalogum derselben drucken lassen.
 
 
 
d.) [1] Die vierte ist bey dem Seminario Theologico, sie hat. A. 1704 ihren Anfang genommen.
Struu. l.c. ...
[1] HIS-Data: korrigiert aus: 3.)
 
14.) Die Universität Erfurt besitzet zwey Bibliothecken. Die eine haben die Catholischen, welche aber ohne Ordnung, und gar nicht auserlesen ist: Doch befinden sich in derselben viele MSta. Die andre ist bey denen Lutherischen, sie bestehet meistentheils aus neuern Büchern, doch ist unter ihren MStis der Codex Orationum Ciceronis merckwürdig.
Struu. l.c.
 
Colerus in Analectis ad l.c. setzet, daß die Boiniburgiana zu denen Erfurtischen gekommen wären: Struu. l.c. … hingegen berichtet, daß dieselbe sich zu Mayntz befinde. Ingleichen sind bey der Lutheris. Augustiner-Kirche in Erfurt einige MSta Ebraica, sonderl. ein Codex Membranaceus Forma Augusta Bibliorum, wobey die Masora unter allerhand Figuren von Thieren verborgen, anzutreffen, von welchem Tenzel monatl. Unterredung 1692 gehandelt.
Struu. …
 
15.) Zu Franckfurt am Mayn ist die Bibliotheck bey dem Gymnasio. Sie ist schon längstens gestifftet, und hernachmahls durch die von dem Rathe erkaufte Bibliotheck des Maximiliani zum Jungen vermehret worden. Ihre Ordnung
 
  {Sp. 1833|S. 932}  
 
ist nicht nach dem Format, sondern nach denen Materien. Sie bestehet meistentheils aus gedruckten Büchern, doch sind auch MSta, welche zur Teutschen Historie gehören, vorhanden. Den Catalogum MStorum findet man in Tenzels Monatl. Unterredungen 1698[1] … Sonst war die Privat Bibliot. des[2] von Uffenbach sehr berühmt, davon der Catalogus gedruckt ist, nunmehro aber ist sie durch eine Auction vereinzelt worden.
Conf. Struv. l.c. … et ad eum Colerus.
[1] HIS-Data: korrigiert aus: 1998
[2] HIS-Data: korrigiert aus: das
 
16) von der Vniversitaets-Bibliotheck zu Franckfurth an der Oder haben wir Jo. Christophori Becmanni Catalogum zu des Wolfgang Justi Chronico dieser Stadt gedruckt, Franckfurt 1676. 4to, welcher Franckfurt 1706. fol. wieder aufgeleget worden.
Struv. l.c.
 
Von der Schul Biblioth. hat Christian Schöttgen in dem Teutschen Programmate von der Franckfurtischen Schul-Bibliotheck Franckfurt 1719. 4to gehandelt
  • Gelehrte Zeitungen 1719 …
  • Falster de Bibliothecis Scholasticis
 
17 zu Fulda ist auch eine schöne Bibliotheck, welche um so viel mehr zu mercken, weil in derselben noch von dem Stil Bonifacio eigenhändig geschriebene Sachen vorhanden.
  • Schneiders Beschreib. des alt. Sachs. Land. …
  • Zeillers Itiner. Germ. …
 
18) Von der Bibliotheck zu Giessen finden wir keine genaue Nachricht.
 
 
19) zu Gotha befindet sich die Fürstliche Bibliotheck. Ernestus Pius ist derselben Stiffter gewesen, und sind zu derselben Dietrici Pflug, Jo. Ernest. Gerhardti, Henrici Fergenii Superint. in Gotha, und J. Henr. Feuskingii auserlesene Bibliothecken gekommen. Die Anzahl derer Codicum MStorum ist 531. wovon Cyprianus, unter dessen Ober-Aufsicht die Bibliotheck stehet, einen Catalogum Leipzig 1714. 4 herausgegeben. Von gedruckten Büchern sind sonderlich einige Tomi Jacobi de Strada, worinnen von denen Römischen Müntzen gehandelt wird, merckwürdig. Hiernächst befindet sich auch hierbey ein berühmtes Müntz Cabinet.
Siehe von dieser Bibliotheck
  • Iunckerum in Bibl. Sax. …
  • Struv. l.c. et ad eum Colerus.
 
20) Jn Hollstein ist zu Gottorp die Hertzogliche Bibliotheck. Sie wurde 1606 von Hertzog Jo. Adolph, von dessen Sohne und Enckel vermehret, und insonderheit durch den Zugang derer Bibliothecken des Jo. Wouweri, und Andreae Vlkenii verstärcket. Es sind unterschiedene MSta derer alten Lateinischen und Griechischen Autorum in derselben enthalten, wovon wir unterschiedliche bey dem Morhof. Polyh. … nahmhafft gemacht finden. Sie hat auch jederzeit berühmte Vorsteher gehabt, als Nathanem Chrytraeum, Henr. Lindenbrogium, Adamum Olearium, Marquardum Gudium, und Jo. Mic. Rechinum. Eine kurtze Beschreibung derselben hat Moller in Isagoge … Das dabey befindliche Naturalien und Kunst-Cabinet ist von Adamo Olearia in der Gottorpischen Kunst-Cammer, Schleßwig 1666. in 4 und vermehrter 1674 in 4 beschrieben worden. Die Bibliotheca Gudiana wurde von dem Morhof in Polyhist. l.c. … wegen der Anzahl derer MStorum vor die Königin aller Privat Bibliothecken ausgegeben: Sie ist aber 1706. zu Hamburg verauctioniret worden. Man kan den daselbst herausgekommenen Catalogum deswegen annoch brauchen, weil viele MSta in die Wolfenbüttelische Bibliotheck gekommen sind.
Siehe von dieser Bibliotheck Schurtzfleisch in Epistolis
  {Sp. 1834}  
 
 
Sonst ist auch in Hollstein die Ranzauische Bibliothec auf dem Schloße Bredenburg berühmt gewesen, von welcher Lohmeierapud Schmidium handelt.
Struve l.c. … et ad eum Coler.
     

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Stand: 12. Januar 2013 © Hans-Walter Pries