HIS-Data
Home | Suche
Zedler: Erdboden, Erde, Erdreich HIS-Data
5028-8-1531-2
Titel: Erdboden, Erde, Erdreich
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 8 Sp. 1531
Jahr: 1735
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 8 S. 797
Vorheriger Artikel: Erd-Birnen
Folgender Artikel: Erd-Boden
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel

  Text  
  Erdboden, Erde, Erdreich, darunter wird der obere und Frucht-tragende Theil oder Fläche der Erden, worein man zu säen und zu pflantzen pfleget, verstanden.  
  Es ist aber der Erdboden hauptsächlich dreyerley Art: Nemlich,  
 
  • entweder von purer und lautern Erden;
  • oder von purem Sand,
  • oder aber von Erden und Sand vermengt, und dahero auch vermischter Art.
 
  Des Erdbodens, welcher aus lauter Erde bestehet, ist wiederum mancherley:  
 
  • Denn einer ist wärmer als der andere;
  • Der hoch liegt, und dabey leimigt ist, hat eine warme und sehr fruchtbare Eigenschafft, dergleichen auch die gar schwartzen Äcker zu seyn pflegen;
  • Da hingegen derjenige, so niedrig liegt, viel kälterer Eigenschafft und nicht so fruchtbar ist, wie jener.
 
  Der sandigte Erdboden ist von hitziger Art, und trägt, wenn er allzuhoch lieget, gar wenig Frucht, denn die Hitze ist Sommers-Zeit auf demselben zu groß, und brennet alles aus, welcher aber niedrig, und auf Wassern und Quellen lieget, ist nicht so sehr hitzig, weil von dem Wasser gleichsam eine kleine Feuchtigkeit über sich steiget, und den Sand abkühlet. In dergleichen sandigten Boden wachset wohl noch etwas, iedoch von keinem besondern Uberschuß.  
  Wo aber ein gemengter Erdboden, als die dritte Haupt-art ist, so muß man wohl Achtung darauf haben: welches Theil, ob die Erde oder der Sand? die Oberhand habe, nemlich wessen am meisten sey? denn dasselbe Theil hat auch an der Eigenschafft den Vorzug, und wird also der Boden auch umso viel besser, oder umso viel schlimmer seyn.  
  Ausser diesen dreyen Haupt-Arten hat man noch eine besondere Abtheilung: Denn da findet man  
 
1) schwartze Erde;
 
 
2) grüne Erde;
 
 
3) gelb- und leimigten Erdboden;
 
 
4) rothes Erdreich;
 
 
5) steinigte Felder;
 
 
6) sandigten Boden;
 
 
7) dohnigten Boden;
 
 
8 rothen und zugleich leimigten
 
 
9) grau und sandigten- und dann auch noch
 
 
10) stein- und sandigten Boden.
 
  Was nun  
 
1) die schwartze Erde betrifft, so weiß man aus der Erfahrung, daß darinnen, wegen der mit sich führenden Fettigkeit, allerley Getraid, wie es Nahmen hat, auch alles Saamen-Werck wohl wachse, und dieselbe nicht so starck, wie ein anderer hungeriger Boden, gedünget werden dürffe; wobey aber
 
  {Sp. 1532}  
 
  zu mercken, daß dergleichen schwartze Felder mit dem Pfluge wohl durcharbeitet, und tieff und lucker geackert seyn wollen, sonderlich, da man bey dieser Art eines guten Bodens in die grosse Tieffe versichert ist, und nicht besorgen darff, daß man durch den tieffgesteckten Pflug einige wilde Erde mit in die Höhe bringe. So mag man auch auf solchen schwartzen Boden den Saamen wohl dick aussäen, und die Hand voll Körner nehmen, weil er die Stärcke hat zu treiben. Doch haben diese Felder auch die Art an sich, daß sie bald naß, und auch wieder bald feste werden, dahero man in derselben Bestellung die Mittelzeit wohl in obacht nehmen muß.
 
 
2) Der graue Boden, so ein wenig fahl, und wie Mergel aussiehet, ist gleichfalls ein herrliches Erdreich im Wachsthum, welches sich fein lauter hält, und nicht feste zu pflügen ist, auch nicht offt gedünget werden darff, dahero auch das Getraide lauter und rein darinnen wächset.
 
 
3) Der gelbe und leimigte Erdboden ist zwar der beste nicht, doch auch nicht der schlimmste, sondern mittelmäßig, und will scharff gedünget seyn, wornach aber gemeiniglich schwehr Korn, auch Gersten, Haber, Erbsen und absonderlich der Flachs gerne wächset.
 
 
4) Das rothe Erdreich ist fast das geringste, auch böse zu arbeiten, und will wohl gedünget und gewartet seyn, da denn noch ziemlich Getraide, ausser dem Weitzen, darinnen wächset.
 
 
5) Die steinigten Felder sind unterschiedlich, und führen theils gute Erde oder Leimen mit sich, welchen Falls sie vor mittelmäßig zu achten, und mehrentheils Korn und Haber tragen; diejenigen Felder aber, worauf neben den Steinen rothe Erde und Sand gefunden wird, sind sehr geringe, also daß selten etwas anders, als Sommer-Korn und Haber darauf fortkommt, worbey sie noch überdiß eine ungemein saure Arbeit und recht gute Düngung erfordern.
 
 
6) Der sandigte Boden ist auch unterschiedlich: Denn der mit Erde vermengte ist gut, und wächset rein und schönes Korn und ander Getraide darinnen. Sandigt und leimigter Acker ist auch noch gut, denn diese werden nicht leichte zu naß, noch auch zu dürre. Sandigte und steinigte Felder bringen bey nassen Jahren gut Korn, in trockenen dürren Jahren aber verscheinet das Korn gemeiniglich, das ist: Es bekommt dünne Körner, die noch darzu ein sehr grau und fahligtes Mehl geben. In schwartzen und sandigten Feldern pfleget alles Getraidig wohl zu wachsen.
 
 
7) Der Dohnigte Boden ist auch meisten theils zugleich ein saurer Boden, weil er viel Nässe an sich ziehet und langsam trocken wird; Dahero auch in solchem Boden viel Trespen mit unter dem Korn wächset. Weitzen und Gerste will gar nicht darinnen arten: Weil auch der Dohn durch die Nässe den Dünger scharff auszuziehen pflegt, so wollen solche dohnigte Felder sonderlich gut gedünget, und denn so wohl mit dem Pflügen und Eggen, als auch mit der Säe-Zeit wohl getroffen seyn; Denn säet man zu zeitig, so erkältet der Saamen in der Erden; will man es aber lassen trocken werden, so fließt das Erdreich, wie Tafeln, zusammen, und werden denn durch das Pflügen grosse Stücken, und gantze Zeilen erbrochen; dahero ein Hauswirth vorhero wissen soll, ob seyn dohnigtes Feld kalt oder warm liege? Ist es kaltes Land, so muß er es desto zeitlicher bestellen, damit es auch
 
  {Sp. 1531|S. 798}  
 
  umso eher herfür kommen, und sich vor dem rauhen Winter schützen möge; ist das Land aber warm, so muß es desto längsamer bestellet werden, damit es sich nicht überwachse, und wenn ja solches geschiehet, so ist es besser, daß man solches mit den matten Jährlingen und Lämmern übertreiben, und dieselben sich darauf erholen lasse, als daß es von den rauhen Winden abgewehet werde.
 
 
8) Roth und leimigter, zuweilen mit etwas grauer Erde vermischter, Boden ist von der Mittel-Gattung, und wächset Weitzen, Dünckel, Korn, Gerste, Haber, Erbsen und Wicken darinnen, doch muß ihm mit fleißiger und der Lands-Art gemäßer Wart- und Düngung geholffen werden.
 
 
9) Im grauen und sandigten Feld, wenn selbiges Feld gedünget wird, wächset das Getreide zwar mehrentheils dünne, doch aber auch frisches und gutes.
 
 
10) Steinigt-sandigte Äcker, welche sehr hitzig sind, geben zwar auch rein- aber gleichfalls dünnes, und mit etwas Treßpen vermengtes Getraidig.
 
  Wie sonsten der Erdboden oder das Erdreich zu allen Arten des Getraides und der Hülsen-Früchte, ingleichen der Gärten, Weinberge, Hopffen-Gärten etc. beschaffen seyn solle, und wie solcher zu düngen und zu verbessern, ist bey ihren allerseitigen Special-Benennungen aparte zu finden.  
  So kan auch hierzu das Wort Düngung nachgeschlagen werden.  
     

HIS-Data 5028-8-1531-2: Zedler: Erdboden, Erde, Erdreich HIS-Data Home
Stand: 13. Dezember 2012 © Hans-Walter Pries