HIS-Data
Home | Suche
Zedler: Exempel HIS-Data
5028-8-2328-4
Titel: Exempel
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 8 Sp. 2328
Jahr: 1735
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 8 S. 1195
Vorheriger Artikel: Exelodunum
Folgender Artikel: Exemplar
Siehe auch:
Hinweise:

  Text Quellenangaben
  Exempel, dieses Wort wird in unterschiedener Absicht gebraucht.  
  In der Logic wird es mit zu denen Vernunfft-Schlüssen gezählet. Es gehöret dieser Schluß zur ersten Figur, und nimmt man in demselben Stat eines Haupt-Satzes einen Satz, dessen Subjectum ein Indiuiduum, oder eine eintzelne Sache ist, und bejahet oder verneinet etwas von demselben, welches von der Specie, darunter das Indiuiduum gehöret, überhaupt oder allgemein geschehen kan. Z.E. wenn Gläubige also schlüssen:  
  Die Schrifft sagt: Abraham ist gerechtfertiget worden, durch den Glauben an Christum; also werden wir auch gerechtfertiget.  
  So hat dieser Schluß seine gute Richtigkeit, denn sie und Abraham stehen unter einer Specie nemlich derer Gläubigen, welchen allen das Praedicatum der Rechtfertigung zukömmt. Es ist dahero eben das als wenn die Schrifft sagte:  
  Die Gläubigen werden durch den Glauben an Christum gerechtfertiget; Wir sind Gläubige; E. werden wir gerechtfertiget.  
  Die Richtigkeit also zu schlüssen beruhet darauf, daß diejenige Sache, worauf wir schlüssen, mit dem Exempel, nach dem wir schlüssen, übereinstimmen müsse. Wo aber dergleichen Übereinstimmung nicht ist, da läst sich auch nicht schlüssen. Als wenn einer sagen wolte:  
  Alexander hat die Soldaten mit Trutz vom Aufruhr aufgehalten; Also soll ein jeder Feld-Herr ein gleiches thun.  
  Denn als Kayser Galba dieses unternehmen wollte, verlohr er sein Leben darüber. Die Krafft des Schlusses liegt eigentlich nicht in dem Exempel: und da dasselbe vielen Sophistereyen unterworffen ist, so muß man solches nur sparsam gebrauchen.
  • Scheubler IV. … oper. Logic.
  • Donatus de Arte Syllogistica
  • Ridiger Sensu Veri et Falsi
  Gleichfalls wird dieses Wort in der Moral gebraucht. Man redet darinne von dem Nutzen und Schaden derer Exempel und hält sie vor ein Mittel, wodurch der menschliche Wille Theils verbessert, Theils verschlimmert werden kan. Die Exempel sind entweder wahrhafftige oder erdichtete; von denen erdichteten wird unter dem Titel Fabel zu reden seyn. Hier handeln wir von denen wahrhafftigen.  
  Der Nutzen, der  
  {Sp. 2329|S. 1196}  
  durch die Exempel hervorgebracht wird, ist bekannt. Er erstreckt sich entweder auf den Verstand oder auf den Willen. Auf Seiten des Willens dienen sie dazu, daß durch ihre Vorstellungen das Gemüthe sich leichte einnehmen und bewegen läst. Der Wille folgt dem Verstande, und je lebhaffter die Vorstellungen desselben sind, je mehr bewegen sie den Willen.  
  Da nun die Exempel als gantz leicht zu begreiffende Dinge die Imagination einnehmen können: so kan man daraus die Krafft, welche die Exempel über das menschliche Gemüthe haben, schlüssen. Seneca sagt: longum iter est per praecepta, breue et efficax per exempla; welcher Ausspruch in Ansehung dererjenigen Stat findet, die eine starcke und zwar sinnliche Einbildungs-Krafft haben. Bey Leuten aber die ihre Beurtheilungs-Krafft geschärffet, richtet man mehr mit theoretischen Exempeln aus.  
  Die Menschen sind zur Nachahmung anderer geneigt. Quintilianus Inst. Orator. spricht: [sieben Zeilen lateinischer Text]. Diese Neigung rühret aus nichts anders her, als aus der verderbten Ordnung der Natur, da man an Stat weiter nachzudencken, sogleich ohne Grund das ergreiffet, worinne man andre glücklich siehet.  
  Die Alten haben die Krafft derer Exempel gar wohl gewust, weswegen sie also geschrieben:  
  Cicero pro Archia 6. [6 Zeilen lateinischer Text].  
  Plinius in Panegyr. 45. [3 Zeilen lateinischer Text].  
  Seneca Ep. 11. [3 Zeilen lateinischer Text].  
  Um der Kürtze des menschlichen Lebens, welche uns nur wenig Exempel vorstellet, zu Hülffe zu kommen, so ist der Fleiß dererjenigen nicht zu tadeln, welche die vergangenen Exempel in ihren Schrifften aufgezeichnet haben. Wir haben dreyerley Schrifften in dieser Art.  
  Die erste haben das Leben andrer, ohne auf etwas weiters zu sehen, beschrieben. Geschiehet dieses mit Wahrheit und Vernunfft, so ist solches ein Werck von grosser Wichtigkeit.  
  Andre haben nach gewissen Classen derer Tugenden Exempel zusammen gelesen, wie solches bey denen Alten Valerius Maximus gethan. Welchen hernach wieder gefolget  
 
  • Balthas. Exnerius in 9. Büchern Dictorum factorumque memorabilium.
  • Baptista Fulgosus in 9. Büchern Factorum Dictorumque memorabilium ex omni historia veteri et recenti.
  • Antonius Cocceius Sabellicus in 10. Büchern exemplorum.
  • J. Baptista Egnatius in 9. Büchern de exemplis …
  • Jo. Scheffer in Memorabilibus exemplis Suecicae gentis.
 
  Die  
  {Sp. 2330}  
  dritten haben ihre Moral durch Exempel tractirt, als  
 
  • Simon Goulartius in Morum philosophia Histor.
  • Jo. Conrad Durrius in Ethica paradigmat.
  • Brochmandus in specimine Ethices Historicae.
 
  Es ist diese Methode, wenn sie recht angewendet wird nicht ohne Nutzen. Ein Moraliste kan die Historie nützlicher und annehmlicher machen, wenn er die moralischen Principia hinzusetzt. Und ein Historicus zeiget hinwiederum durch die Exempel, daß die moralischen Sätze nicht leere Grillen sind.  
  Haben die Exempel einen so grossen Eindruck und zwar sonderlich bey denenjenigen, welche auf keine andere als sinnliche Art zu schlüssen vermögend sind: so folget, daß diejenigen, welche vor andern erhaben sind, und also mehr in die Augen fallen, andere durch ihr gutes Exempel ermuntern müssen. Marius saget also bey dem Sallustio in Jugurtha 85. gantz recht: [7 Zeilen lateinischer Text].  
  Selbst die heilige Schrifft befiehlet denen Gläubigen, daß sie ihr Licht leuchten sollen lassen vor denen Leuten, damit ihre gute Wercke gesehen, und der Vater im Himmel gepreiset werden möge. Matth. 5, 16.
  Es ist also eine besondere Pflicht dererjenigen, welche im Ansehen stehen, zu welchen sonderlich Fürsten, Lehrer und die Eltern gehören, durch ihre Exempel, denen welche ihnen folgen, gute und richtige Lebens-Regeln beyzubringen. Plinius hat dieses in der angeführten Stelle von denen Fürsten beygebracht, und Plutarchus erfordert solches von denen Eltern, in dem Buche, welches er von der Erziehung derer Kinder geschrieben 15.  
  Es ist hiebey noch die Frage, wie man sich andrer Exempel müsse zu Nutze machen? Dasjenige, wodurch andre uns ein Exempel geben, sind ihre Reden und würckliche Thaten. Diese erkennen wir entweder auf eine gemeine oder aber auf eine gelehrte Art. Die gemeine Art siehet nur auf dasjenige, was unmittelbar in die Sinne fällt: die gelehrte Art ist mit einem Nachdencken verknüpfft, und untersucht zugleich den Grund von dererjenigen Handlung, welche wir uns als ein Exempel vorstellen.  
  Bey dieser letztern Art der Erkenntniß ist der Nutzen weit grösser, als bey der erstern. Man kan leichte beurtheilen, was nachzuahmen und was zu verwerffen sey. Man kan auf diese Art aus denen allerschlimmsten Exempeln einen Vortheil ziehen, und endlich kan man die Adplication leichter auf sich machen, welches hingegen bey der gemeinen Erkenntniß nicht so angehet, und dahero bey vielen eintrifft, was Horatius sagt. O imitatorum stultum pecus! Es ist also gut, fleißig historische Bücher zu lesen, und erbare Gesellschafften zu besuchen, welches letztere wenigstens in Ansehung des Wohlstands, der sich auf die eingeführte Gewohnheit geschickter Leute gründet, unentbehrlich ist.  
  Von dieser Materie können ferner nachgelesen werden,
  • Bosius de comparanda Prudentia et Eloquentia ciuili.
  • Boecler. in Historia Schola Principum,
  • Casaubous in der Vorrede des Polybii.
  • Paschius de variis modis moralia tradendi …
  • Cellarius in Program. p.
  {Sp. 2331|S. 1197}  
 
  38.
  Endlich wird dieses Wort in der Didactic oder Unterweisungs-Kunst gebrauchet. Man erläutert nemlich eine abstracte Regel, wenn man sie auf das sinnliche, oder auf Exempel zurücke führet.  
  Dieses ist gleichfalls der Gebrauch von dem Exempel in der Rede-Kunst. Man hat nichts mehr dabey zu mercken als das, da das Exempel eine Erläuterung seyn soll, man nicht entweder ungewisser, das ist solcher, die nicht unter die Regel gewiß gehören, oder dunckler, die schwerer zu begreiffen als die Haupt-Sache selber sind, sich bedienet.  
     

HIS-Data 5028-8-2328-4: Zedler: Exempel HIS-Data Home
Stand: 5. April 2013 © Hans-Walter Pries