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Zedler: Philosophisches Lexicon HIS-Data
5028-27-2137-5
Titel: Philosophisches Lexicon
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 27 Sp. 2137
Jahr: 1741
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 27 S. 1086
Vorheriger Artikel: Philosophische Lehrart
Folgender Artikel: Philosophische Mahlzeiten
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen
  • Transkribierter griechischer Text der Vorlage

  Text Quellenangaben
  Philosophisches Lexicon, Philosophisches Wörterbuch, Lexicon Philosophicum, ist nichts anders als ein Inbegriff lauter Erklärungen von philosophischen Kunst-Wörtern, die in alphabetischer Ordnung aufeinander folgen.  
  Nun kan ein ieder, dem bekannt ist, daß Erklärungen deutliche Begriffe sind, alsbald ersehen, daß in denen philosophischen Wörter- Büchern nichts als deutliche Begriffe von den in der Weltweißheit vorkommenden Kunst-Wörtern nebst dem, was zu ihrer Erläuterung dienet, dürffe enthalten seyn. Hieraus ist Sonnenklar, daß von dem Nutzen solcher Schrifften alles dasjenige gelten müsse, was von dem Gebrauche so wohl der deutlichen Begriffe überhaupt, als auch ins besondere der Erklärungen gerühmet werden kan.  
  Weiter, weil die philosophischen Lexica nur philosophische Kunst-Wörter erklären, so kommt ihnen auch ferner derjenige Nutzen zu, welche man von den philosophischen Wörtern sich versprechen kan.  
  Noch ein Nutzen ist nicht zu verschweigen, der zumal Büchern dieser Art gantz alleine zukommet: Es ist schwer von einer Sache einen deutlichen Begriff zu erlangen; gleichwol sind selbige in Wissenschafften, da man von allen den Grund geben soll, gantz unentbehrlich.  
  Damit man also die kostbare Zeit nicht darauf verwenden möchte, daß man deutliche Begriffe von solchen Dingen allererst suche, die von andern bereits sind deutlich erkläret worden, und folglich gehindert werde das Reich der Wahrheit je mehr und mehr zu erweitern, welches uns doch zu thun oblieget; so ist man eben daher auch verpflichtet, sich in den Schrifften der Philosophen umzusehen, ob etwan wo diejenigen deutlichen Begriffe oder Erklärungen, die wir zum Beweiß dieses oder jenes Satzes nöthig haben, schon sind gegeben worden.  
  Hier eignet sich nun eine grosse Schwierigkeit. Denn in dem Büchern, in welchen eine Wissenschafft auf gehörige Art vorgetragen wird, und in welchen man also vornemlich deutliche Begriffe zu suchen hat, werden die Erklärungen zwischen die Sätze an denen Orten eingeschaltet, wo uns die Ordnung im Nachdencken zu selbigen leitet, so daß sie ziemlich zerstreuet und bald hier eine vorkommet, bald da eine. Dahero wird mancher, zumal wenn er der philosophischen Lehrart nicht sonderlich gewohnet ist oder noch keine hinlängliche Erkänntniß der Regeln im Nachdencken besitzet; mehr als eine Stelle einer Schrifft aufschlagen und die verlangte Erklärung, wenn sie auch in dem Buche enthalten ist, dennoch nicht finden.  
  Zu geschweigen, daß, wenn selbige Sache gar nicht darinne solte erkläret worden seyn, alle angewendete Mühe endlich schlech-  
  {Sp. 2138}  
  terdinges vergeblich seyn würde.  
  Weil nun in einem philosophischen Wörter-Buche die Kunst-Wörter nach alphabetischer Ordnung gestellet sind; so wird man dadurch geschickt gemachet, alle und iede in selbigem befindliche Erklärungen, deren etliche ihrem Erfinder den Kopf ziemlich zerbrochen, und ihm manchen Tropffen sauren Schweisses ausgepresset haben, nur durch eine geringe Handanlegung sofort zu Gesichte zu bekommen. Wer wolte demnach zweiffeln, daß die philosophischen Wörter-Bücher ein dergleichen vortreffliches Mittel wären, so den Wissenschafften als höchst vortheilhafft zu rühmen ist.  
  Dieses eintzige könnte hier iemand einwenden, daß man durch ein vollständiges Register eines guten philosophischen Lehr-Begriffs (Systematis Philosophici) eben diesen Nutzen erhalten könnte, und man dieserwegen nicht nöthig hätte, besondere Bücher mit Erklärungen anzufüllen. Hierauf ist die Antwort, daß ein vollständiges Register eine sehr selten vorkommende Sache sey, und wenn sie auch häuffiger anzutreffen wären, so ist doch wenigstens ein ausführlicher Lehr-Begriff in verschiedene Bände vertheilet, denen also auch jedem ins besondere ein Register beygefüget ist, da man denn in Aufsuchung einer Erklärung von einem zu dem andern seine Zuflucht nehmen muß; zu geschweigen, daß, wenn man auch das Wort im Register gefunden hat, alsdenn erst den angeführten § aufschlagen und solchen, wenn er mehrere Sätze in sich fasset, gantz durchlesen muß.  
  Allen diesen Beschwerlichkeiten wird durch ein philosophisches Wörter-Buch abgeholfen. Es wäre also zu wünschen, daß man ein vollständiges philosophisches Lexicon hätte. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß man von allen Zeiten her so manches und in vielerley Sprachen abgefaßtes Wörter-Buch aufweisen könne: allein es ist zu besorgen, daß bey genauer Untersuchung die Ausführung nicht mit dem Titel überein stimme. Es wird nicht undienlich seyn, solches hier etwas ausführlicher zu entdecken.  
  Wir wollen an die gantz alten nicht gedencken, von denen wir ohnedem nichts weiter als ihre Aufschrifft wissen, sondern nur die, welche noch vorhanden sind, in etwas beleuchten. Sie können alle gar füglich in zwey Classen eingetheilet werden. Denn ihre Verfasser haben entweder die philosophischen Kunst-Wörter nur mit andern Worten beschrieben, oder sie haben von selbigen verschiedener Philosophen Erklärungen angeführet, auch zugleich die mit selbigen verknüpffte Lehr-Sätze und deren historische Umstände mit berühret.  
  Wie aber jene zu wenig, so haben diese zu viel gethan. Beydes zu erweisen ist nicht schwer. Die, welche die Kunst-Wörter nur mit andern Worten klärer zu machen gesuchet haben, wenn sie es hoch gebracht, haben weiter nichts geleistet, als daß der Leser von der Sache, davon er gar keinen Begriff hatte, doch einen dunckeln Begriff überkommen, weil es leicht geschehen konnte, daß in den Umschreibungen ein Wort mit untergelaufen, welches ein Merckmahl der Sache, deren Wort sie ihren Gedancken nach erklärten, wenigstens zu  
  {Sp. 2139|S. 1087}  
  einer Zeit und unter gewissen Umständen zukommet, andeutet. Da aber eine Erklärung nicht allein hinlängliche, sondern wesentliche Merckmahle erfordert, so kan ein jeder von sich selbst erachten, daß man in solchen Büchern keine Erklärungen zu suchen habe, die doch zu einem philosophischen Lexico erfordert werden.  
  Hingegen diejenigen, welcher unter jedem Worte verschiedener Philosophen Erklärungen anführen, die damit verbundenen Wahrheiten berühren, und dieser so wohl als jener historischer Umstände erzählen; thun mehr als sie sollen, weil ein philosophisches Lexicon nichts anders ist als ein Inbegriff lauter Erklärungen philosophischer Wörter: folglich sind ihre Schrifften nicht so wohl Lexica als Bücher zu nennen. Und zu dieser Classe gehöret des Herrn Johann Georg Walchs Philosophisches Lexicon. Ein mehrers von Philosophischen Lexicis hat Carl Günther Ludovici in der Vorrede zu Heinrich Adam Meißners Philosophischem Lexico aus den Schrifften Wolffens, beygebracht, als welche gantze Vorrede von dieser Materie handelt.
  Schlüßlichen müssen wir noch der verschiedenen Philosophischen Wörter-Bücher gedencken. Photius gedencket in seiner Bibliothec, daß Timäus, der jüngere, ein kurtzes Lexicon peri tōn para Platōni lexeōn aufgesetzet, und bald darauf führet er des Boethi synagōgen lexeōn Plantonikōn an, die auch nach der Ordnung des Alphabets, folglich nach der Form eines Lexicons abgefaßt gewesen, und ein grösseres Lob als die vorher angeführte Schrifft erhalten.  
  Bey Suida kommt Harpocration für, daß wie er den Lehrsätzen des Plato beypflichtet, also habe er nicht nur über dessen Schrifften weitläufftige Erklärungen gemachet, sondern auch zwey Bücher von denen Platonischen Wörtern verfertiget; einiger anderer Schrifften zu geschweigen, davon man dasjenige, was Ägidius Menagius ad Diog. Laert. ... und Fabricius Bibl. Gr. ... aufgezeichnet, lesen kan.
  Von solchen Büchern ist nichts mehr übrig, die auch, wenn sie noch vorhanden wären, uns nicht so wohl in den philosophischen Wissenschafften selbst, als vielmehr zum Verstand der Schrifften von den alten Weltweisen einigen Vorschub thun würden.  
  Zu den neuern Zeiten hat man auch viele philosophischen Lexica erhalten. Des Johann Baptistä Bernardini Werck, so den Titel führet: Seminarium, sive Lexicon triplex ..., und zu Venedig 1582 heraus kommen, auch sonst wieder gedrucket worden; ingleichen des Peter Petiri, der ein Lexicon vocum Aristotelicarum herauszugeben willens gewesen, nicht zu gedencken: so haben wir  
 
  • des Johann Micrälii Lexicon Philosophicum, so zu Jena 1653 in 4. heraus kommen;
  • des Rudolph Goclenii, des ältern, Lexicon Philosophicum 1633.
 
  Es ist auch Johann Heinrich Alstedii Compendium Lexici Philosophici, Herborn 1626 bekannt, und wie Lipenius Bibl. Philosoph. ... noch verschiedene anführet, als  
 
  • Nicol.
 
  {Sp. 2140}  
 
  Burchardi Repertorum Philosophicum, Leipzig 1610,
 
 
  • Peter Godartii Lexicon et Summam Philosophiae, Par. 1666,
  • Heinr. Volckmars Dictionarium Philosophicum, Giess. 1673:
 
  also ist unter allen diesen als das vornehmste Werck des Stephan Chauvins Lexicon Philosophicum anzusehen, welches 1692 zum ersten mahl heraus kommen und im Jahr 1713 zu Leuwarden weit vollständiger und verbesserter wieder aufgeleget worden.  
  Die beyden neuesten philosophischen Lexica sind des berühmten Johann George Walchs Philosophisches Lexicon, Leipzig in Groß-Octav 1726 zum ersten mahle und 1733 zum andern mahle, welche letztere Auflage nicht nur verbessert, sondern auch mit den Leben alter und neuer Philosophen vermehret ist, und des gelehrten Heinrich Adam Meißners philosophisches Lexicon aus den Schrifften Christian Wolffens, Bayreuth und Hof 1737 in 8.  
     

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Stand: 7. April 2013 © Hans-Walter Pries