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Zedler: Rhein HIS-Data
5028-31-1104-1
Titel: Rhein
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 31 Sp. 1104
Jahr: 1742
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 31 S. 565
Vorheriger Artikel: Rheims
Folgender Artikel: Rhein, il Rhen
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen

Stichworte Text   Quellenangaben
  Rhein,  
 
  • Rhin,
  • Rhein-Strom,
  • Lat. Rhenus,
  • Frantz. le Rhin oder Rhyn,
  • Ital. Rheno,
 
  einer der edelsten, fürnehmsten und wichtigsten Ströme in Europa, massen er nächst der Donau in der Ordnung das andere Haupt-Wasser in Deutschland vorstellet, und daher von Marq. Freher in Orig. Palat. Part. II. c. 3. der Donau Bruder genennet wird.  
  Eben aus diesem Grunde hat man nebst andern auf folgende Verse auf ihn gedichtet:  
  Ister cunctorum fluviorum jure vocatur
Conjux, cui Rhenus jure Maritus erit.
 
  das ist:  
  Wenn aller Wässer Frau der Donau-Strom soll seyn,
So ist mit allem Recht ihr Mann der edle Rhein.
 
  ingleichen:  
  Praecipuas inter Germanica flumina partes
Ortus ab Alpino vertice Rhenus habet.
 
  Die uralten Deutschen hielten ihn für einen Gott und Numen Patrium, weswegen der Poet Martialis lib. X Epigr. 7 von ihm also singet:  
  Nympharum Pater amniumque Rhenus.  
  Von den Heyden, vornehmlich aber von den Römern, wurde er vor alten Zeiten nebst andern Ströhmen und Brunnen göttlich verehret; daher sie ihm auch gewisse Tempel, Altäre und Bilder aufrichteten, wie denn noch heutiges Tages zu Rom in dem Pallast Belvedere der Nilus und die Tyber, bey dem dasigen Capitolio aber der Rhein in Gestalt grosser, alter, liegender Männer, von weissem Marmor verfertiget, zu sehen sind.  
Verlauf Er entspringt auf den Graubündtischen Alpen, und hat drey Quellen, (wiewohl einige zwey, andere vier Quellen angeben,) worunter  
 
  • die erstere des Vorder-Rheins, auf dem Berge Crispalt,
  • die andere des mittleren, auf dem Lucmännier- oder St. Barnaber-Berge sich findet, welche letztere erstlich Fredda genennet wird, und sich bey Disentis mit dem vordern vereiniget;
  • die dritte des Hintern-Rheins ist auf dem Vogel- oder St. Bernhardini-Berg,
 
  und vereiniget sich mit dem vördern bey Rätzung 2 Stunden oberhalb Chur, von dannen er denn weiter das Schweitzerland von dem Reich scheidet, hernach in den Bodensee, und gleich unter Constantz in den Unter- oder Zeller-See kommt, hierauf aber nach Schafhausen und Basel läufft. Von dar gehet er nach Brisach, läufft nicht weit von Straßburg vorbey, nimmt viel andere grosse Flüsse zu sich, und bewässert Philippsburg, Speyer, Worms, Mayntz, Cölln, nebst unterschiedlichen andern Städten.  
  Endlich zertheilet er sich unweit Schenckenschantz in 2 Ströhme, unter welchen einer die Waal genennet wird, nach Niemägen, Tiel und Bommel läufft, sich mit der Maaß vermischet, und so dann seinen Namen verliehret. Der andere Strom gehet mit seinem Lauff Nordwärts fast bis nach  
  {Sp. 1105|S. 566}  
  Arnheim, und zertheilet sich daselbst in 2 Arme. Einer davon die Yssel genannt, gehet nach Doesburg und Zütphen, und ergeust sich in die Süder-See; der andere Arm, welcher seit 860 durch die Überschwemmung der See einen neuen Weg bekommen, wird der Lech genennet, und läufft nicht mehr bey Utrecht und Leyden vorbey, wie damahls, sondern gehet nach Wyck, Culemburg und Nieport zu, und ergeust sich endlich in die Merwe, von dar aber in die See.  
Rheinfälle Monconis bemerckt von den jählingen Abfällen des Rheins, daß dieser Fluß sehr breit sey, aber nicht sonderlich zwischen denen Bergen hinlauffe, und nahe bey Schaffhausen in der Schweitz beym Schloß Lauffen von den Felsen in einen neuen Canal, der ungefähr 60 Schuhe tieffer ist, als der vorige, falle, und zwar in 5 Strömen, unter welchen der mittelste zwischen 2 engen und hohen Felsen hinläufft. Mitten in dem ersten Canal sind gleichsam 2 grosse Pfeiler zu sehen, die aber gantz verfallen sind. Dieser Abfall des Rheins macht ein groß Geräusche, und kan hier kein Schiff weder leer noch beladen herunter gebracht, sondern es müssen die Güter auf der Achse durch Schaffhausen geführet, und unterhalb der Stadt wieder in Schiffe geladen werden. Es ist dieser Rheinfall der gröste und sehenswürdig.  
  Noch 2 Rheinfälle ereignen sich bey den beyden Waldstädten Lauffenburg und Rheinfelden, welche aber so groß u. ungestüm nicht sind, als jener; denn bey Lauffenburg können die Schiffe leer von dem Felsen mit Seilen herunter gelassen werden; bey Rheinfelden aber an einem Ort, welchen die Schiffer im Hellhacken nennen, giebt es noch zwischen den Felsen einen schmalen Weg und kleine Tieffe, daß man auch zur Noth mit beladenen Schiffen durchfahren kan.  
  Ein dergleichen, jedoch etwas geringerer Wasserfall ereignet sich auch zwischen Zurzach und dem Schweitzerischen Dorf Coblentz, wo die Natur von Felsen, jedoch ohne Ordnung, quer durch den Rhein hinüber gleichsam einen Damm gemacht, der aber in der Mitten eine Lücke hat, dadurch zweene Wäydling neben einander fahren können, und wenn der Rhein klein ist, der gantze Strom scheust, daß wenn Bretter über selbigen auf beyde Felsen geleget werden, mein trocknes Fußes von der Schwaben- auf die Schweitzer-Seite gehen kan. Im Sommer aber, wenn der Rhein groß ist, wächst er dergestalt an, daß er den Felsen Damm übersteiget und sich über den gantzen Felsen herunter ergüsset, da denn niemand, wegen der verborgenen Klippen, hindurch schiffen kan, und werden dahero die meisten Waaren oberhalb desselben ausgeladen.  
  Hieher gehöret auch das so genannte Bingerloch, welches man unweit der Stadt Bingen mitten im Rheine etwas weiter hinunter, wo sich die Nahe in den Rhein begiebt, gewahr wird. Es ist solches wegen der verborgenen Felsen und Klippen für die Schiffleute ein gefährlicher Ort. Bey hoher Fluth ist es nicht wohl zu beobachten, allein bey warmen Hundstagen, siehet man deutlich, wie sich das Rhein-Wasser an der Nordlichen Seite des Mäusethurms, welcher auf einem Felsen stehet, mit einem starcken Getöse gleichsam Staffelweise nach und  
  {Sp. 1106}  
  nach gerade unter sich sencket, und nicht anders scheinet, als ob das Schiff, worinnen man fährt, etliche Staffeln hinunter zu steigen hätte.  
  An sich ist der Fall etwan 50 Fuß breit, und viele sagen, daß sich in dieser Gegend ein Theil des Wassers würcklich unter die Erde verliehre; wiewohl diese Meynung ungegründet ist, weil die erforderlichen Eigenschafften eines Schlunds allhier gar nicht zu finden seyn. Es ist vielmehr zu mercken, daß von dem Mäusethurm an bis gegen die Ecke des Berges, worauf das alte verfallene Schloß Ehrenfels stehet, die Felsen gleichsam in Form eines Dammes, etliche theils über, theils unter dem Wasser verborgen liegen, wovon der Rheinstrom so zu sagen aufgeschwellet wird.  
  Gegen das Ufer zu findet sich eine sichere und tieffe Öffnung ohngefehr funffzig Schritte weit, durch welche alle Schiffe, wenn sie anders sicher fahren wollen, nothwendig durch müssen. Und diese Öffnung wird eigentlich das Bingerloch genannt, weil auch das Wasser mit einer starcken Gewalt hindurch dringet, und über die zur Seiten liegenden Felsen hinüber fällt, so erregt es gewaltige Wellen, und ein fürchterliches Geräusche. In der That aber ist die Gefahr im hinunter fahren so groß nicht, als man insgemein dafür hält, indem das Wasser den rechten Weg von selbst zeiget. Jedoch wird bey grossen und schwer beladenen Schiffen ein guter Steuermann zu dieser Durchfarth erfordert.  
  Endlich mercken wir noch den bekannten Strudel oder Rheinfall oberhalb St. Goarshausen, welcher insgemein die Banck oder Werb genennet wird, obwohl die beyden Namen ihrer Bedeutung nach unterschieden sind. Denn wenn man den Rhein hinunter oder zu Thal (wie die Schiffleute reden) fährt, so wird gesagt, daß man durch die Werb, den Rhein hinauf aber (oder zu Berg) durch die Banck fahre. Es befindet sich nemlich nahe am Ufer des Rheins ein grosser Felsen, den man bey kleinem Wasser deutlich sehen kan, dieser führet eigentlich den Namen Banck, wie denn alle dergleichen gefährlichen Steine im Rhein zum Unterschied bey den Schiffleuten meistens ihre besondere Namen haben. Doch kan auch diese Benennung daher entstanden seyn, weil der felßigte Boden an dem Ufer, gleichsam wie hintereinander liegende Bäncke zu betrachten ist. Der Name Werb, oder wie die Alten gesagt, Gewerr kommt von den vielen durch einander lauffenden Wellen, Wirbeln und dem starcken Geräusche her, welches nicht anders als ein rechtes Gewerre anzusehen ist, wie denn auch von diesem Gewerr die Stadt St. Goar ihren Namen soll geerbet haben.  
  Sonst wird noch von diesem Fluß angemercket, daß er ehemals gegen Mitternacht die Gräntze des Röm. Reichs und allezeit den Römern ein Terminus Fatalis gewesen sey. Wie er denn auch noch heut zu Tage die äusserste Gräntze des Deutschen Reichs und gleichsam dessen Schutz und lebendige Vormauer ist.  
Brücken Unter den alten Weltbeherrschern soll. C. Julius Cäsar der erste gewesen seyn, der diesem Fluß mit einer bewundernswürdigen höltzernen Brücke in der Gegend Andernach, oder wie andere wollen, nicht weit von Mülheim, im Jahr der Welt 3896  
  {Sp. 1107|S. 567}  
  oder 52 vor Christi Geburt beleget habe, und zwar damahls, als er willens gewesen die Catten oder Hessen zu bekriegen, allein er wurde zwey mahl gezwungen, unverrichteter Dinge sich wieder zurück über den Rhein in Gallien zu zühen. Es hat auch besagter C. Julius Cäsar den Rheinstrom samt dem Nil u. Rhodan aus Gold verfertiget, im Triumph zu Rom eingeführet. Carl der grosse bauete auch eine überaus schöne höltzerne Brücke über diesen Fluß bey Mayntz, welche 500 Schuhe lang war, und durch ein ungefehr entstandenes Feuer etwa ein Jahr vor seinem Tode ruiniret worden. So fieng auch Constantinus der grosse an eine Brücke über diesen Fluß bey Cöln zu bauen, um den Francken einen Schrecken einzujagen.  
  Uberhaupt wurden insgemein im vorigen Jahrhundert 12 Rheinbrücken, ohne die zu Constantz, gezählet, worunter  
 
  • die erste bey der Stadt Stein,
  • die zweyte zu Diessenhoffen,
  • die Dritte zu Schaffhausen, so die allerstärckste und von Quaterstücken erbauet ist,
  • die vierte bey dem Benedictiner-Kloster Rheinau,
  • die fünffte bey Eglisau,
  • die sechste zu Kayserstuhl,
  • die siebende zu Lauffenburg,
  • die achte zu Seckingen, so doppelt und zwar die eine von Steinen und die andere von Holtz,
  • die neundte zu Rheinfelden, so die meiste Verwunderung verdienet, indem sie von einem Felsen zum andern gebauet ist,
  • die zehende zu Basel, woran die eine Hälffte von Stein, die andere Hälffte von Fichtenholtz gemacht ist,
  • die eilfte zu Breysach, so aber nur aus Schiffen bestehet,
  • und die zwölffte zu Kehl, welche als die allerlängste zum theil auf Schiffen liegt, übrigens aber und zwar größtentheils von Holtzwerck zusammen geschlagen ist.
 
  Nach der Zeit ist ihre Anzahl vermehret worden, denn ohne die, so zu Fort-Louis über den Rhein gehet, zählet man noch vier Schiffbrücken, und befindet sich also  
 
  • die dreyzehende zu Mannheim,
  • die vierzehende zu Mayntz,
  • die funffzehende zu Niederwesel,
  • und die sechzehende zu Arnheim.
 
  Es werden auch hier und dar unterschiedliche flügende Brücken auf diesem Fluß wahrgenommen, als  
 
  • zu Philippsburg,
  • zu Oppenheim,
  • zu Rheinfels,
  • zu Coblenz,
  • zu Bonn,
  • zu Cölln,
  • zu Düsseldorff,
  • Rheinberg,
  • Kayserswerth,
  • u.a.m.
 
  Es müssen aber diese, wie auch die Schiffbrücken, Winterszeit wegen des Eisganges in Sicherheit gebracht werden.  
  Es führet dieser Strom ein klares, lauteres und blaulichtes Wasser, so nicht allein zum trincken und baden sehr gesund, sondern auch zum kochen, waschen etc. nicht undienlich ist. Ausserdem hat er ein weiches Wasser, welches nicht allein gar leichtlich im Winter durch die Kälte bezwungen wird, sondern auch bey weiten nicht eine solche Last tragen kan, wie andere Flüsse. Dieses kan man klärlich an den Schiffen beobachten, welche zu Mayntz aus dem Mayn auf den Rhein kommen. Denn ein geladen Schiff, wenn es die Gegend von Bingen erlangt, geht schon über etliche Zoll tiefer im Wasser, als es auf dem Mayn gegangen.  
Fische Es hat auch dieser Strom von allerhand Arten Fische einen grossen Uberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhafften Gattungen die wohlschmäckenden Salmen, welche, wenn sie im Frühlinge aus der See, allwo sie klein und mä-  
  {Sp. 1108}  
  ger sind, herauf kommen, Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst dem Meere wieder zu wenden, Salmen genennet werden. Die Rhein-Karpffen und Rhein-Störe sind nicht weniger bekannt. Nebst diesen liefert der Rhein noch viele leckerhafftere Fische auf reicher Leute Tafel, worunter die namhafftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Muräl nennet. Die erste Art ist sehr groß und schön, die andere aber klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack.  
  Eine eigene Art Rhein-Fische sind die stachelichten Hechte, ferner die gar grossen, mittelmäßigen und kleinern köstlichen Barben oder Rothbärte, die Schleyen, die herrlichen Karpffen, deren einige mehr mahlen wohl bey 20 ja bis 30 Pfund schwer gefangen worden; ingleichen die starcken und grossen Aale von allerhand Schlag, zum theil auch die vortrefflichen grossen Krebse, die sich aber der Kälte halber unterweilen auf etliche Jahre verlieren, allein mit der Zeit sich nach und nach wieder einfinden; zu geschweigen der sehr viel kleinen Fischgen, als Grundeln, Kressen, Stinden, Zawen etc. wovon eine unglaubliche Menge, sonderlich in Holland gefangen wird. Dann und wann trägt es sich zu, das junge Meerschweine und Seehunde in Holland aufgebracht werden.  
Wild Auf den Rhein-Inseln und an dem Gestade dieses Flusses, giebt es vieles Feder-Wildpret von verschiedener Art. Sonderlich lassen sich im Elsaßischen und Pfältzis. viele wilde Enten oder Antvögel, wie sie in selbigen Ländern genennet werden, und viel anderes Geflügel mehr häuffig sehen. Auf diesen Inseln, insonderheit in der Pfaltz, zeigen sich öffters viele Reiher, und werden auch in selbiger Gegend geheget. In den häuffigen Löchern, so an dem hohen Ufer hier und dar zu sehen sind, haben die so genannten Rheinschwalben ihre Wohnungen.  
Gold Endlich ist auch zur Gnüge bekannt, daß der Rhein Gold bey sich führet, massen ihm solches nicht allein durch die Aar und Emme zugespület wird, sondern es ist auch schon bey dessen Ursprung dergleichen zu verspüren. Es soll aber vornemlich bey Seltz und Germersheim das beste Gold aus dem Rheinsand gewaschen und aus demselben, weil es an Güte dem Ungarischen nicht weichet, nach einiger Vorgeben, die Rheinischen Goldgülden und Ducaten gemacht werden, wiewohl Freher am angezogenen Orte cap. 17. solches nicht zugestehen will.  
  Ubrigens ist hierbey zu gedencken, daß der Churfürst von der Pfaltz, als Pfaltzgraf am Rhein, sich als ein besonderes Regale vorbehält, das in den Rheinstrome befindliche Fluß-Gold vor sich auffischen zu lassen. Wie er denn dieses Recht vornemlich von Marckheim an bis auf das Dorf Seltz ausübet. Dahin gehöret ferner, als ein besonder Churfürstliches oder Pfaltzgräfliches Reservat, die so genannte Goldgrube, das Altwasser, Insel, Werther, Eißbruch, Entenflug, Vogelweid, Biberfang, Haupt-Fisch, sonst auch Stör genannt, als welchen die Fischer, so bald sie ihn gefangen, an statt der sonst gewöhnlichen Florens zu Erkänntniß der Churfürstlichen Ober-Herrschafft über diesen Fluß gen Heidel-  
  {Sp. 1109|S. 568}  
  berg liefern müssen.
  • Sprenger in Jurispr. Publ. p. 417.
  • Mäurer vom Wasser-Recht P. I. p. 12.
  • Stypmann de Jure Naut. et Marit. P. II. c. 5. n. 123. u.f.
Nebenflüsse Nach Ptolomäi und aus diesem nach Zeilers Bericht, legt der Rhein in seinem Lauffe weit die 140 Deutsche Meilen zurück, und nimmt, nach Leonhard Thurneisens Vorgeben, über etliche und sechzig andere Wasser zu sich, worunter verschiedene schiffbar sind, als vornemlich  
 
  • der Aar,
  • der Kintzing,
  • Ill,
  • Motter,
  • Necker,
  • Mayn,
  • die Nahe,
  • Lohn,
  • Mosel,
  • Sieg,
  • Roer,
  • Lippe,
  • u.a.m.
 
  der kleinen und geringern nicht zu gedencken.  
  Wegen der vielen geistlichen Stiffter und Klöster, womit der Rheinstrom umgeben ist, wurde er zum Schertz von Kayser Maximilian I gemeiniglich die Pfaffen-Gasse betittelt. Was sonst den Nahmen Rhein anlanget, so wird derselbe von verschiedenen Scribenten unterschiedlich ausgelegt. Denn einige leiten ihn her von dem alten Deutschen Wort Reyn, welches soviel heissen soll, als hieherwärts fliessen; andere hingegen von rein, weil man nehmlich vorzeiten diesen Fluß zu Prüfung der ehelichen Reinigkeit oder Keuschheit gebrauchet habe.  
  Denn dieser Strom soll vorzeiten mit einer solchen wunderbaren Natur und Eigenschafft begabt gewesen seyn, daß er der Celten oder alten Deutschen junge Kinder, wenn sie dieselben nach der Geburt, zur Untersuchung ihrer ehrlichen Erzeugung hinein geworffen, mit einem sonderbaren sanfften Lauff ohnverletzt an das Ufer wieder angetrieben; diejenigen aber, welche in unreiner und befleckter Ehe erzeuget worden, mit ungestümen Wellen und reissenden Wirbeln, als ein zorniger Richter und Rächer der Unreinigkeit, unter sich gezogen und ersäufft habe, welches wir an seinen Ort wollen gestellt seyn lassen. Ein gleiches kan hiervon bey dem Virgilio lib. Aeneid. IX, v. 113 nachgelesen werden.
Literatur  
  • Stumpf. Schweitz. Chron.
  • Moller in carmine eleg. de Rheno.
  • Cluver. de tribus Rheni alveis.
  • Pontan. in discept. de Rheni divortiis.
  • J.H.D. Rheinischer Antiquarius.
     

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Stand: 9. Oktober 2016 © Hans-Walter Pries