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Zedler: Effectus HIS-Data
5028-8-282-9
Titel: Effectus
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 8 Sp. 282
Jahr: 1735
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 8 S. 156
Vorheriger Artikel: cum Effectu quid petere
Folgender Artikel: Effeminatus
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen

  Text   Quellenangaben
  Effectus, heist in der Metaphysic dasjenige Ding, welches, da es von sich selber nicht existiren kann, seine Existentz von einem andern, in dessen Krafft es als ein Ens potentia verborgen gelegen, und die Caussa genennet wird, hervorgebracht wird.  
  Es kann also kein Effectus ohne Caussa und keine Caussa, in so fern sie als eine wahre Caussa in Actu nempe caussandi betrachtet wird, ohne Effect seyn. Es ist also ein Grund-Satz: Quod posito effectu, ponatur etiam caussa in actu caussandi et vice versa.  
  Doch ob man gleich von einem Effectu auf eine Caussam schlüsset, so wird doch dadurch die Caussa noch nicht bestimmet, sondern man schlüsset nur so viel, daß eine solche da sey, ohne zu wissen, was es vor eine eigentlich sey. Wird ein Kind gebohren, so muß ein Vater vorhanden seyn, aber man kann noch nicht sagen, wer der Vater sey?  
  Der Effectus wird eingetheilet in aequiuocum et vniuocum. Aequiuocus ist derjenige, welcher seiner Caussa nicht ähnlich ist. Dergleichen sind die Würckungen in denen Reihen derer natürlichen Ursachen, welche sich nicht nach einem Corpore organico richten: Der Vniuocus ist seiner Caussa ähnlich, und dergleichen sind die Würckungen der Natur secundum corpora organica. Ein Mensch ist dem andern ähnlich, und aus dem Saamen einer Frucht kommt eben dieselbe wieder hervor.  
  Der Effectus ist ferner entweder Effectus per se oder per accidens. Dieser Unterscheid flüßt aus der Betrachtung der Caussae liberae. Stimmt der Effectus mit der Intention derselben überein, so ist es effectus per se; fällt aber die Intention weg, so ist es der Effectus per accidens. Schüßt einer nach der Scheibe, u. trift dieselbe, so ist es Effectus per se. Trifft er aber einen Menschen, der hinter der Scheibe ist, so ist es Effectus per accidens.  
  Der Effectus ist endlich permanens oder transiens. Permanens, der da bleibet, wenn  
  {Sp. 283|S. 157}  
  gleich die Ursache zu würcken aufhöret, z.E. eine Uhr, woran der Uhrmacher nichts mehr macht; Transiens, welcher mit dem Einfluß der Caussae aufhöret, z.Z. wenn der Mensch redet.
  • Scherzer Man. Philos. P. I. p. 64. p. 2. p. 70.
  • Velthem. Instit. Metaphys. P. I. c. 15.
  • Scheubler in Opere Log. P. II. c. 9.
     

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Stand: 30. März 2012 © Hans-Walter Pries