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Zedler: Europa HIS-Data
5028-8-2192-8
Titel: Europa
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 8 Sp. 2192
Jahr: 1735
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 8 S. 1127
Vorheriger Artikel: Euro-Notus
Folgender Artikel: Europa, (Montes de)
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen
  • Transkribierter griechischer Text der Vorlage

Stichworte Text  Quellenangaben
  Europa, dieser Name soll von eurys, latus, und ops, oculus, seu facies, zusammen gesetzet seyn, welcher bey einem Frauenzimmer auf ein paar grosse Augen sein Absehen haben kann, so fern aber solcher Name, den einen Theil der Welt bedeutet, auf die Ausbreitung des Japhets in demselben gehen soll. Becmann de Orig. L.L. v. Europa
  Allein andere wollen nach ihrer Weise lieber einen Phoenicischen Namen daraus gemacht wissen, der von apha, facies, chur, albus, so viel als ein Frauenzimmer mit einem weissen Gesichte bedeutet. Bochart Chan. IV. 33.
  Insgemein wird sie vor des Agenoris, Königs in Phoenicien Tochter angegeben, Varro de L.L. IV. 6.
  als welcher sie mit der Telephussa gezeuget haben soll; Apollodorus III. 1. §. 1.
  jedoch sind auch, welche sie zu des Phoenicis Tochter machen,
  • Palaeph. de Incred. 15.
  • Apollodorus l.c.
  und da ja wiederum andere ihren Vater auch Agenorem nennen, geben sie doch vor die Mutter die Argiopen, des Nilä Tochter an. Hyginus Fab. 178.
  Weil sie von sehr schöner Gestallt war, verliebte sich Juppiter in sie, und befahl daher dem Mercurio, des Agenoris Heerde Rind-Vieh unvermerckt an das Ufer des Meers zu treiben. Als solches geschehen, nahm Juppiter selbst die Gestallt eines ungemein schönen Ochsens an sich, und da die Europa mit ihrem Frauenzimmer auch an besagtem Ufer spatzieren gieng, und sich dem Viehe näherte, wuste dieser verstellete Ochse ihnen insgesamt so zu schmeicheln, daß er endlich die Europam so keck machte, sich, da er sich niedergelegt, gar auf ihn zu setzen. Allein so bald auch solches geschehen, erhub er sich wieder, und ging mit ihr See einwärts, kehrete sich auch an kein Schreyen und Klagen der Europae, sondern führete sie über die See hinweg biß in Cretam. Als er hieselbst angelanget, nahm er seine eigentliche Gestallt wieder an sich, und wuste sich gegen die Europam so anzustellen, daß sie dessen Caressen Gehör gab, und nachher den  
  {Sp. 2193|S. 1128}  
  Minöem, Sarpedonem und Rhadamanthum mit ihm zeugete. Herodotus I. 173.
  Auch wieß man noch zu Plinii Zeiten einen Ahorn-Baum auf der Insel Creta in Gortia, welcher niemahls seine Blätter fallen ließ, dessen Ursache eben diese seyn sollte, daß Juppiter unter demselben die Europam bedienet. Plinius Hist. Nat. XII. 1.
  Indessen sendete Agenor seine Söhne, nemlich den Cadmum, Phoenicem, Cilicem und Thasum mit zugegebener Mannschaft aus, die Europam wieder zu suchen, und da er ihnen befohlen, selbst auch nicht wieder zukommen, wo sie dieselbe nicht wieder mit zurück brächten, liessen sie sich allerseits in fremden Ländern nieder, weil sie nirgends eine Nachricht von ihrer entführten Schwester antreffen konnten.
  • Apollodorus III. 1. §. 1.
  • Hyginus Fab. 178.
  • Ouidius Met. II. 836. 
  Daß sie des Königs in Phoenicien Tochter gewesen, ist ausser allem Zweifel; allein der Ochse, so sie entführet, soll nach einigen ein See-Räuber aus Creta gewesen seyn, so Taurus geheißen. Palaephat. de Incred. 15.
  Andre erzählen, daß dieser Taurus ein General des Königs in Creta, Asterii gewesen, welcher, als er die Stadt Tyrus eingenommen, und geplündert, die Europam mit sich genommen habe, die aber bereits mit dem Joue obermeldte 3. Söhne gezeuget; Asterius habe hernach Europam geheurathet, und weil er keine Kinder von ihr erhalten, habe er des Jouis Söhne an Kindes Stat angenommen. Andere wollen, daß es ein gantzer Troupp Leute gewesen, welche sie entführet, und indem sie einen Stier in ihrer Fahne geführet, habe man daher Gelegenheit genommen, die Fabel von dem verwandelten Joue zu erdichten. Meursius ad Lycophron 1299.
  Die allgemeinste Meynung ist, daß sie einige Cretische Kaufleute ersehen, und weil sie mit selbiger dero Schönheit wegen, ihrem Könige Asterio einen Gefallen zu erweisen gedachten, sie zu Sarapia, zwischen Tyro und Sidon entführet, und weil ihr Schiff einen weissen Stier zum Zeichen gehabt, habe man solches nach der Zeit selbst vor einen Ochsen angegeben, zumahl biß ietzo nicht ungewöhnlich ein dergleichen Schiff selbst den Stier, wie den Löwen, Greif, u.s.f. zu nennen, nachdem sie nemlich solche Thiere zu ihrem Wapen oder Zeichen führen.
  • Tzetzes ad Lycophr. l.c.
  • Pollux I. 83.
  • Festus V.
  Wie aber solche Entführung auch eine Revenge derer Europaeer, wegen derer von denen Asianern geraubten Jo seyn sollen; Herodotus I. 2.
  Also hatte doch solche Europa die Ehre, das von ihr unser gantzer Welt-Theil den Namen bekam.
  • Varro de L.L. IV. 6.
  • Festus l.c.
  • Seruius ad Virgil. Aen. VI. 385.  
  Es wird übrigens ihre Entführung aufs Jahr der Welt 2506. und also die Zeiten Mosis, Eusebius apud Caluis. ad A. M. 2506,
  nach andern in A.M. 2538, oder auch noch von andern erst auf die Zeiten des Othoniels gesetzet. Vossius Epitom. H. V. p. 8.
  Wie aber bey alle dem auch einige den Cretensischen König, dem sie zugeführet worden, für Asterionem, Apollodorus III. 1. §. 2.
  oder Asterium, auch Xanthum nennen, Augustinus di Ciu. Dei XVIII. 12.
  und mit dem Joue so fern vermengen, als dieser ein gemeiner Ehren-Name aller Könige ist; Vossius Theol. Gent. I. 14.
  also stehet daher zu ermessen, mit was vor Gründen vorgegeben wird, daß Juppiter zum Andencken solcher Begebenheit den Stier mit in den Thier-Creiß am Himmel gesetzet habe. Eratosthenes. Cataster 14.
  An ihr soll Juppiter erwiesen haben, das eine unartige Liebe auch die grösten Leute zu dummen Ochsen mache, und nachdem solches auch furieuse bestien sind, durch sie alsdenn offt Land und Leu-  
  {Sp. 2194}  
  te ins Verderben gesetzet werden. Natalis Comes VIII. 23.
Land Europa Es ist aber gedachtes Land Europa eines von den vier Theilen der Welt, welches sich von 34. Grad Latitud. biß auf den 72. und von dem 9. Grad Longitud. biß auf den 93. oder 94. erstrecket, woraus erscheinet, daß es fast gantz innerhalb der Zonae Temperatae und nach keinem Theile in der Zona Torrida, wiewohl nach einem kleinen Stücke an und in der Zona Frigida lieget.  
  Gegen Mittag hat es das mittelländische Meer, wodurch es von Africa abgesondert wird. Gegen Abend grentzet es an das Atlantische Meer, gegen Mitternacht an das Eiß-Meer, und gegen Morgen wird es von Asien geschieden durch den Archipelagum, den See Marmora, die Meer-Enge bey Gallipoli, das schwartze Meer, die Meer-Enge von Cassa oder den Bosporum, den See Zibaque und den Fluß Don oder Tanais, von welchem man eine Linie biß an den Fluß Obi, und von dar vollends an das Eiß-Meer ziehen muß. Und darinnen sind der meiste Hauffen derer alten Erd-Beschreiber mit denen neuern eins, daß sie den Tanais zur Grentze zwischen Europam und Asiam setzen.
  • Strabo II.p. 182 seqq.
  • Mela I. 1.
  • Dionysius Perieg. 14.
  • Plinius Hist. Nat. IV. 11. 12. 23. 32.
  • Arrianus de Exped. Alex. II. 30.
  • Herodotus IV. 45.
  • Arrianus Periplo p. 11.
  • Ouidius ex Ponto IV. 10. vs. 55.
  • Orosius I. 2.
  Andere haben den Phasis vor die Grentze angegeben.
  • Herodotus IV. 45.
  • Plato in Phaedone p. 43.
  • Cellarius Not. Orb. Ant.
  Alles nun, was man von der lincken Hand gegen Abend antrifft, ist Europa, alles Übrige zur rechten Hand aber Asia.  
  Die äusserliche Gestallt betreffend, so vergleichen es einige derer Alten mit einem Drachen, einige aber von denen neuern Erd-Beschreibern sagen, daß es einer sitzenden Jungfrau ähnlich sey, da denn dieser Einbildung nach, die Fontange Portugall, und Spanien der Kopff seyn soll, durch Languedoc und Gascogne wird der Halß, durch Franckreich aber die Brust, durch Italien und Groß-Britannien die Ärme, durch Teutschland der Bauch, durch Böhmen der Nabel, das übrige Theil aber des Leibes durch die übrigen Königreiche und Provintzien vorgestellet.  
  Die Länge von Europa wird von dem Vorgebürge S. Vincencii in Spanien bis an den Fluß Obi gerechnet, und begreifft 900. Teutsche Meilen in sich. Die Breite von Mittag gegen Mitternacht wird von dem Gebürge Taenarse in Morea an biß an Rurubas in Scritofinnia, so in der heutigen Land-Charten Noortkin genennet wird, gerechnet, und begreifft 550. Teutsche Meilen in sich.  
  Man zählet heute zu Tage darinnen ungefehr 31. grosse Provintzien, als:  
 
1) Spanien mit denen daran stossenden Inseln;
2) Franckreich;
3) Groß-Britannien mit einer grossen Menge verschiedener kleiner angrentzenden Inseln;
4) Irrland mit denen gleichfalls dabey gelegenen kleinen Inseln;
5) Ober- und Nieder-Teutschland;
6) Böhmen;
7) Dänemarck mit denen Inseln Seeland und Fühnen;
8) Norwegen mit denen Inseln Ißland und Frießland;
9) Schweden mit Lapp- und Finnland;
10) Liefland;
11) Preussen mit Cassuben;
12) Lithauen;
13) Klein- und Groß-Polen mit denen dazu gehörigen Provintzien, als
 
  • Podolien,
  • Volhynien,
  • Podlachien,
  • Masovien,
  • Samogitien etc.
14) Ungern;
15) Sclavonien;
16) Boßnien;
17) Croatien;
18) Dalmatien;
19) Italien;
20) Sicilien;
21) Sardinien;
22) die Insel Corsica;
 
  {Sp. 2195|S. 1129}  
 
23) Candia,
24) Griechenland, mit kleinen Inseln,
25) Servien,
26) die Wallachey,
27) Bulgarien,
28) Siebenbürgen,
29) die Moldau,
30) die kleine Tatarey, und endlich
31) Moscau oder Rußland.
 
  Unter die Beherrscher dieser Lande werden gerechnet  
   
  wiewohl verschiedene andere Königreiche sind, die aber die bereits angeführten Potentaten beherrschen, als da sind   
 
  • Ungern,
  • Böhmen,
  • Neapolis,
  • Dalmatien,
  • Croatien und
  • Sclavonien,
 
  welche der Römische Kayser, und so fort besitzet.  
  Ausser denen Königen ist zu bemercken,  
   
  Die Inseln, Flüsse und Berge in Europa sind folgende:  
 
  • Unter denen Inseln sind
    • erstlich auf dem Oceano
      • die Britannische Inseln, als
        • England,
        • Schottland und
        • Irrland,
      • die Insulae Arcades,
      • Hebrides,
      • und einige andere mehr:
    • die grösten auf dem Mittelmeer sind
      • Sicilien,
      • Sardinien,
      • Corsica,
      • Candia,
      • Cyprus,
      • Rhodus, etc.
      • Die Inseln von Griechenland
      • und einige andere an denen Küsten von Italien und Provence.
    • Die Inseln auf der Ost-See sind
      • Seeland,
      • Fünen,
      • Rügen,
      • Bornholm,
      • Gothland,
      • Ösel etc.
  • Die vornehmsten Flüsse sind,
    • der Rhein, die Donau, Mayn, Weser, Elbe, und Oder in Teutschland:
    • Die Loire, Seine, Rohne, Saone und Garonne in Franckreich;
    • der Po und die Tyber in Italien;
    • der Tagus, Duero, Guadiano, Ebro, Guadalquivir in Spanien:
    • Die Weixel und Dnieper in Polen;
    • die Volga und Don in Moscau:
    • die Thames in England;
    • die Tay in Schottland;
    • die Schannon in Irrland;
    • die Schelde und Maas in denen Niederlanden.
  • Die berühmtesten Gebürge in Europa sind
    • die Riphäischen Gebürge in Moscau:
    • die Carpathischen zwischen Polen und Ungern,
    • die Pyrenäischen zwischen Spanien und Franckreich;
    • die Alpen und
    • das Apenninische Gebürge in Italien, und an denen Grentzen desselben.
 
  Obwohl Europa das kleinste unter allen 4. Theilen der Welt ist, so ist es doch um verschiedener Ursachen willen allen übrigen vorzuziehen. Die Lufft ist darinnen gemäßiget, und die Landschafften sind sehr fruchtbar, ausgenommen diejenige, welche sehr weit gegen Norden zu liegen. Es hat an allen nothwendigen Lebens-Mitteln einen Überfluß. Die Einwohner sind von sehr guten Sitten, höflich und sinnreich in Wissenschafften und Handwercken.  
  Von denen Frantzosen urtheilet man, daß sie von guten Manieren, erfahren, tapffer, aber etwas zu hitzig und unbeständig sind. Die Teutschen sind verständig, aufrichtig, tapffer und arbeitsam, wurden aber vorzeiten insgemein der Trunckenheit beschuldiget, während sie doch mehr aus einer Gewohnheit als Trieb ihrer Natur ergeben gewesen. Die Italiäner sind höflich und nette, aber darneben eifersüchtig und untreu. Die Spanier sind bedacht-  
  {Sp. 2196}  
  sam und klug, aber daneben hochmüthig. Die Einwohner in Britannien sind behertzt, und dabey etwas verwegen, zugleich aber auch von einem hohen Geiste.  
  Die Europäer haben auch durch ihre Geschicklichkeit und Tapfferkeit die vortrefflichsten Theile der Welt unter sich gebracht. Ihr Witz erhellet aus ihren Wercken: Ihre Klugheit aus ihrer Regierung: ihre Stärcke und Macht aus ihren Armeen: Ihre gute Conduite aus ihrem Handel und Wandel: und endlich ihre Pracht und Herrlichkeit aus ihren Städten und Gebäuden.  
  Es sind 3. Haupt-Sprachen in Europa, als die Lateinische, Teutsche und Sclavonische.  
 
  • Die Lateinische wird geredet in Italien, Franckreich und Spanien, wiewohl mit unterschiedenen Mund-Arten;
  • die Teutsche mit solchen, die von ihr herstammen, in Teutschland, in denen Britannischen Inseln, in Dänemarck und in Schweden,
  • die Sclavonische aber in Polen, Moscau, Böhmen und einem grossen Theile der Europäischen Türckey.
 
  Die 3. Haupt-Religionen sind die catholische, Protestantische und Griechische.  
Literatur  
  • Strabo.
  • Ptolemaeus.
  • Plinius.
  • Pomponius Mela.
  • Solinus.
  • Merula.
  • Magin.
  • Ortel.
  • Mercator.
  • Clavius.
  • Capella.
  • Belleforet.
  • Dauity.
  • Cluuerius.
  • Sanson.
  • du Val.
  • La Mothe.
  • La Vayer.
  • Briet.
  • Bertius.
  • Golniz.
  • Ferrar.
  • Baudrand. et Martiniere in Lex. Geogr.
  • Scaliger Diatr. de Ling. Europ.
  • Brerevvood. de Ling. et Rel. Europ.
  • Becmann. Histor. Orb. Ferrar.
  • Bosius Diss. de Statu Europae.
  • Weigelius im Erd-Spiegel. etc.
  • Cellarius Not. Orb. Ant. 11.
     

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Stand: 11. September 2016 © Hans-Walter Pries