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Zedler: Atheisterey [1] HIS-Data
5028-2-2016-1-01
Titel: Atheisterey [1]
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 2 Sp. 2016
Jahr: 1732
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 2 S. 1029
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Hinweise:
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  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen
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Übersicht
Einteilung
Verwandte Lehren
Existenz
Eigenschaften
äußerliche Kennzeichen

Stichworte Text   Quellenangaben
  Atheisterey. Der Name Atheus kömmt von dem Griechischen a privativo, und theos her. Es ist derselbe zu denen Zeiten Dionysii Halicarnassensis erst in vollkommenen Gebrauch gekommen, da man ihn vorhero nur wenig gehöret hat. Aus der Griechischen Sprache ist er in die andern fortgepflantzet worden. Reimmann Hist. Vnivers. Atheismi. …
  Wir Deutschen haben kein gleichgültiges Wort, wodurch wir die Atheisterey ausdrücken könnten. Abgötterey gebrauchen wir in einem andern Verstande, ungeachtet es seinem Ursprunge nach gar wohl diese Bedeutung haben könnte, und Ungötterey, Hohngötterey und Gottesläugnung sind noch niemahls durch den Gebrauch bestätiget worden.  
  Es wird dieses Wort in unterschiedenen Verstande angenommen, wie aus denen mancherley Beschreibungen, welche Reimmann l.c. §. 7. anführet, erhellet. Nach der weitläufftigern Auslegung begreifft es, alle und iede Lehren unter sich, welche mit dem wahren Begriffe von GOtt, wenn sie gleich nur dessen Wesen betreffen, und gleich nicht dessen Seyn verneinen, nicht übereinstimmen; Nach dem engern Verstande aber bedeutet es den Irrthum, nach welchem das Seyn eines höchsten Wesens verläugnet wird, oder nach welchem solche Lehren vorgetragen werden, welche zwar den Namen GOttes nennen, in der That aber dessen Daseyn widersprechen.  
  Man muß dieses letztere insonderheit mercken: Ein Atheiste weiß, daß er vielen Widerspruch findet, er saget deswegen seine Meynung nicht frey heraus, er führet GOtt immer in Munde, seine Sätze aber bezeugen zur Gnüge, daß dieser heilige Name nur seiner Schalckheit Deckel sey.  
Einteilung Die Eintheilungen, die von diesem Irrthume gemacht werden, sind unterschiedlich, und stimmen die Auctores in diesem Stücke mit einander nicht überein. Siehe Reimmann l.c. §. 8.
theoretisch oder praktisch Wenn wir hier von dem Atheismo reden, so nehmen wir denselben in dem engern Verstande, und die Eintheilung, welche wir beybringen werden, sind die gemeinsten, und nöthigsten. Die Atheisten sind also entweder Theoretici, oder Practici. Diese Eintheilung führet ein jeder im Munde, und man bedienet sich sonderlich derselben zur Entscheidung der Frage, ob würcklich Atheisten anzutreffen sind, oder nicht. Die letztern giebt man zu, an denen erstern aber will man zweiffeln. Alleine es ist hierbey noch ein mehrers zu bedencken.  
  {Sp. 2017|S. 1030}  
  Ein Atheus Theoreticus soll derjenige seyn, welcher den Satz zu behaupten suchet, daß kein GOtt sey. Vor einen Practicum giebt man hingegen denselben aus, welcher durch sein ruchloses Leben bezeuget, daß er von keinem göttlichen Wesen wisse. Es ist schwer, von einem gottlosen Wandel auf den Atheismum so gleich zu schlüssen. Die Meinung, daß gar kein GOtt sey, ist nicht die eintzige Quelle böser Thaten, man darff nur seine Sünde nicht vor Sünde halten, oder die Gebothe GOttes nach seinem bösen Willen auslegen, so ist dieses schon genung, ein verruchter Mensch zu werden.  
  Will man also von dem lasterhafften Verfahren, auf eine verkehrte Meinung von dem Wesen GOttes schlüssen, so muß man wohl bemercken, ob diese beyde einen nothwendigen Zusammenhang haben. Findet man diesen, so siehet man wohl, daß ein Atheus Practicus zugleich ein Atheus Theoreticus seyn müsse, und also in der That kein anderer Unterscheid hierbey zu finden sey, als daß dieser sich durch die Lehre, und jener durch das Leben zeiget, wie solches der scharffsinnige Buddeus in Thesibus de Atheismo … bemercket.  
vollkommen oder unvolkommen Ferner kan man die Atheisten in vollkommne und unvollkommne eintheilen. Die vollkommenen sind diejenigen, welchen es nicht einmahl in den Sinn gekommen, an einen GOtt zu gedencken, und also auch gar nichts von ihm wissen, sondern wie das Vieh dahin leben, wie dergleichen gantze Völcker, Ridiger, welchen wir unten anführen werden, erzehlet. Die unvollkommenen sind hingegen dieselben, welche bey sich, ungeachtet ihrer Meinung, dennoch einen Widerspruch des Gewissens befinden.  
grob und fein Die dritte Eintheilung ist in grobe, und feine oder Philosophische Atheisten.  
  Der grobe Theil dieser Leute bemühet sich nicht einmahl auch einen Schein-Grund von ihrer bösen Meinung anzuführen. Sie folgen entweder einem blinden Lehrer, oder behaupten den Satz, daß kein GOtt sey, bloß darum, weil es ihren verkehrten Meinungen gemäß ist, und sich ihr verletztes Gewissen, es sey auch auf eine Art, wie es wolle, Ruhe zu verschaffen bemühet ist. Buddeus l.c. §. 7.
  Der Philosophische Atheiste ist entweder ein Scepticus oder ein Dogmaticus.  
skeptisch Der Scepticus ist von keiner Sache gewiß; er zweiffelt an allen Wahrheiten, und also ist er gleichfalls nicht von dem würcklichen Seyn des göttlichen Wesens überzeugt.  
  Der Dogmaticus hingegen zweiffelt nicht nur an der Existentz GOttes, sondern er suchet auch einen solchen Zusammenhang derer Lehren zu behaupten, worinnen die Ursachen derer natürlichen Würckungen angegeben werden, ohne daß man dabey an einen Schöpffer und GOtt gedencket. Buddeus l.c. §. 8.
dogmatisch Wie vielerley die Systemata sind, welche solche Lehren vortragen, in so vielerley Arten kan der Atheismus Dogmaticus eingetheilet werden. Die hauptsächlichsten und vornehmsten Arten desselben, und wohin die übrigen gantz leichte können gezogen werden, sind nachfolgende:  
 
  • Der Aristotelische,
  • der Stoische,
  • der Epicuräische,
  • und der Spinozistische.
Buddeus l.c. §. 9.
  Letzlich so ist der Atheismus entweder Directus oder Indirectus. Directus, wenn man frey heraus, ohne einigen Umschweiff zu gebrauchen, einen GOtt läugnet; Indirectus, wenn der Name GOttes zwar wohl genennet wird, in der That aber mit demselben ein solches Wesen bezeichnet wird, welches unmöglich mit dem Begriffe von GOtt kan zusammen gereimet werden. Diese letzte Art wird auch der Pantheismus, die Allgötterey genennet,  
  {Sp. 2018}  
  weil nehmlich die natürlichen Principia alles in der Welt ausmachen, diesen aber von solchen Leuten der Name GOttes beygeleget wird. Von andern wird sie auch die Naturalisterey genennet, weil dieses Wort zweydeutig ist, und bald von der Atheisterey, bald von der Deisterey, bald von der Allgötterey verstanden wird. Siehe von denen Eintheilungen, D. August Friedrich Müllern in der Metaphysic
Verwandte Lehren Nachdem wir die Species der Atheisterey betrachtet haben, so müssen wir auch diejenigen Lehren ansehen, welche mit dieser eine genaue Verwandtschafft haben, und deswegen sehr offt mit derselben verwechselt werden.  
Naturalismus Das erste ist der Naturalismus, in so weit derselbe keinen andern GOtt als die Natur annimmt, so ist er in diesem Verstande der Pantheismus, und also eine eigentliche Art des Atheismi; Behauptet aber ein Naturaliste, daß ein Mensch bloß durch die Vernunfft mit Beyseitesetzung der göttlichen Offenbahrung, die Seeligkeit erlangen könne, so ist derselbe noch kein Atheiste, weil man von der Läugnung der Nothwendigkeit bey der Offenbahrung, noch nicht auf die Verneinung des göttlichen Wesens schlüssen kan, und wird dieses der Deismus genennet. Siehe Buddeum l.c. §. 2.
Indifferentismus Das andere ist der Indifferentismus Religionum. Diesen muß man eben mit Unterscheid annehmen. Gehet er dahin, daß er alle Religionen überhaupt vor einerley hält, und sie alle zusammen verwirfft, so ist es würcklich eine Atheisterey: denn wer einen GOtt glaubet, der muß auch einen Dienst desselben zugeben; wer aber die Religionen, welche sich auf eine Offenbahrung gründen, vor einerley hält, und den wahren GOttes-Dienst eintzig und alleine aus der natürlichen GOttes-Gelahrheit herleiten will, derselbe ist noch kein Atheiste zu nennen, denn er giebet zwar einen GOtt zu, er verfehlet aber den rechten Weg, denselben zu verehren. Buddeus l.c. §. 3.
Skeptizismus Das dritte ist der Scepticismus. Ist derselbige allgemein, so ist er eine Atheisterey, denn derjenige, welchem alle und iede Wahrheiten zweiffelhafftig vorkommen, derselbige muß auch an der Existentz GOttes zweifeln. Gehet der Scepticismus aber nur auf besondere Sätze, so ist er noch kein Atheismus, indem derjenige, welcher an einigen Dingen zweifelt, noch nicht alle Lehren verwirfft. Buddeus l.c. 4.
Enthusiasmus Das vierdte ist der Enthusiasmus. Hier höret man mehr als zu viel von GOtt, dahero man denn glauben solte, als wenn dieser gerade das Gegentheil von dem Atheismo wäre; siehet man aber die Sache genauer ein, so wird man leichte bemercken, daß dieser gantz offenbahr auf den Atheismum führe. Wer das Wesen derer Geschöpffe mit dem Geschöpffe verwechselt, und eine solche genaue Vereinigung dieser beyden vorgiebt, als von denen Enthusiasten behauptet wird, derselbe kan unmöglich richtige Begriffe von dem höchsten Wesen haben, und er muß entweder alle geschaffene Dinge in GOtt, oder GOtt in die erschaffene Dinge, oder die Materie verwandeln, welches der Spinosismus ist. Buddeus l.c. §. 5.
Existenz Nunmehro entstehet die Frage, ob denn auch würcklich Atheisten wären? Daß Athei practici seyn, läugnet niemand: wenn man aber zugleich betrachtet, was wir oben bey der Eintheilung in Theoreticos und Practicos erinnert haben, so siehet man wohl, daß wenn man die letztern zugiebet, man auch zugleich die erstern behauptet. Daß unvollkommene Atheisten zu finden seyn, lehret gleichfalls die Erfahrung, weswegen auch dieses überhaupt angenommen wird. Diejenigen  
  {Sp. 2019|S. 1031}  
  aber, welche vorgeben, daß der Mensch eine angebohrne Erkänntniß von GOtt habe, läugnen, daß es vollkommene Atheos gäbe. Was von der angebohrnen Erkänntniß, oder von denen Ideis innatis zu halten sey, werden wir unten in dem Titel Idea innata betrachten.  
  Ridiger Sensu V. et F. … aber führet gantze Völcker an, als die Galliacos in Hispanien, Attigouantanos, Brassilienses, die Einwohner derer Antillischen Inseln, die Caffros, Marianós und andere, welche gantz und gar nichts von einem göttlichen Wesen gewust hätten.  
  Man kan auch die Möglichkeit dieser Sache also erweisen: Daß ein GOtt sey, erkennen wir nicht unmittelbar, sondern wir müssen von denen Wercken, auf den Schöpffer schlüssen. Es ist dieses nicht nur der Vernunfft gemäß, indem man von der Ursache aus denen Würckungen urtheilen muß, sondern es bestätiget auch der Apostel Paulus Rom. I, 20. diese Lehre. Ist nun die Betrachtung derer Geschöpffe das Mittel zu einem Begriff von GOtt zu gelangen, so siehet man wohl, daß wenn man das Mittel nicht gebrauchet, man auch dessen Endzweck nicht erreichen kan.  
  Daß man aber eine Betrachtung über die Geschöpffe anstellen müsse, ist nicht nothwendig. Wie viele Dinge sind nicht in der Welt, deren wir uns täglich bedienen, bey welchen uns niemahls eine Gedancke von ihrem Urheber einfällt. Also kan auch wohl ein Mensch seyn, welcher sich des Lichtes der Sonnen zum Sehen, derer Früchte der Erden zur Stillung des Hungers, und des Getränckes zu Löschung des Durstes bedienen, und gleichwohl nicht darbey gedencken, das müsse ein grosser HERR seyn, der alles dieses gemacht habe. Freilich sind solche Leute keine grosse Welt-Weisen, welche die Ursachen eines jeden Dinges zu ergründen suchen, sondern es sind solche, die nur für den Bauch sorgen, und bloß auf den gegenwärtigen Gebrauch derer Sachen ihr Absehen richten.  
Eigenschaften Die eigentlichen Eigenschafften eines Atheisten sind nachfolgende:  
 
1) Unvernunfft und Thorheit.
 
 
  Wer den rechten Gebrauch der Vernunfft hat, und den Zusammenhang derer Lehren einzusehen fähig ist, kan unmöglich ein Verläugner GOttes werden. Wer jemahls mit den so genannten starcken Geistern umzugehen Gelegenheit hat, der wird befinden, wie schwach sie sind, und auf was vor einer verkehrten Vernunfft-Lehre sich ihre Schlüsse gründen, wenn sie anders noch gewohnt sind, Sätze anzuführen, und nicht etwan nur mit einem gräßlichen Geplerre, oder einem höhnischen Gelächter ihre Meinungen zu behaupten suchen.
 
 
  Ist die Thorheit derjenige Irrthum, welcher unrechte Mittel ergreifft, seine wahre Glückseligkeit zu befördern, so ist dieselbe denen Atheisten gantz eigen. David nennet sie Psalm. XIV, 1. mit gutem Rechte Thoren, und derjenige ist auch wohl in der That der gröste Narre, welcher nicht nur das ewige Wohl, sondern auch seine zeitliche Ruhe verschertzet.
 
 
2) Die Verachtung und Geringschätzung anderer, welche nicht ihrer Meinung beypflichten.
 
 
  Ihre Einsicht ist nach ihrer Einbildung ungemein, sie sind nach ihrem Sinne das Saltz der Erden. Sie sind ihre eigene Richter, und also niemand unterworffen. Andere hingegen halten sie nur vor schlechte und geringe Leute, welche nach ihrer Redens-Art durch den Kapp-Zaum der Religion zurücke gehalten, und durch das Vorurtheil vor ihre Lehrer in der grösten Blindheit geleitet werden.
 
 
3) Der äusserliche Schein eines tugendhafften Lebens, worunter sie sich zu verbergen suchen.
 
 
  Buddeus de Atheismo ... rechnet zwar dieses mit unter die Eigenschafften ei-
 
  {Sp. 2020}  
 
  nes Atheisten; es ist aber dieses kein würckliches Proprium, indem einer ein Heuchler seyn kan, ohne Atheistische Gründe zu behaupten, und sich auch nicht alle Atheisten scheuen, ihre gottloses Wesen vor den Leuten sehen zu lassen. Soviel aber ist gewiß, daß man dieses bey vielen, obgleich nicht bey allen antrifft.
 
äußerliche Kennzeichen Ausser diesen Eigenschafften werden noch äusserliche Kennzeichen angegeben, aus welchen man, einen Atheisten, wenn er sich zu verbergen suchte, zu erkennen fähig wäre.  
 
1) Suchen dergleichen Leute bey aller und jeder Gelegenheit sich über die Wunder-Wercke, Prophezeyungen, Erscheinungen und Würckungen derer Geister aufzuhalten, und dieselbe natürlichen Ursachen zuzuschreiben.
 
 
2) Bemühen sie sich das Ansehen der H. Schrifft zu mindern, Schrifft-Stellen gegen Schrifft-Stellen, oder auch die Schrifft gegen die Vernunfft zu halten, und daraus einander widersprechende Sätze zu ziehen.
 
 
3) Wollen sie, daß ein jeder, auch die allerbilligste Furcht verbannen, und nichts als Fröhligkeit und Zufriedenheit bey sich empfinden soll.
 
 
4) Verneinen sie die Unsterblichkeit der vernünfftigen Seele.
 
 
5) Klagen sie die Vorsicht GOttes an, und ziehen dieselbe in Zweiffel.
 
 
6) Verspotten sie die Geheimnisse der Christlichen Religion;
 
 
7) Haben sie einen Abscheu vor denen Priestern, und suchen ihre Gespräche zu vermeiden.
 
 
8) Erzehlen Sie andrer ihre Atheistischen Gründe, und halten dieselbe vor unauflößliche Zweifels-Knoten.
 
 
9) Machen sie viel Wesens mit ihrer Religion, und streiten auf alle und jede Art gegen dieselben, welche sie eines Atheismi beschuldigen.
 
 
10) Vertheidigen sie die Religion auf keine andere Art und Weise, als inwieweit sie das gemeine Beste befördert.
 
 
11) Können sie die Widerlegungen, und Einwürffe gegen die Atheisterey nicht vertragen; und
 
 
12) lesen Sie die heydnischen Bücher lieber als die Bibel, und Christlichen Schrifften.
Siehe Reimmann Hist. Vnivers. Atheismi
  Es ist aber bey diesen Kennzeichen noch etwas zu erinnern.  
 
α) So sind sie noch nicht alle durchgehends von solcher Wichtigkeit, daß man nothwendig aus ihnen auf einen Atheisten schlüssen könte, wie solches Buddeus l.c. p. 309. erinnert.
 
 
β) So muß man auch auf andere Umstände dabey Acht haben.
 
 
  Die Begierde viel neues und sonderbares zu sagen, und sich dadurch bey einigen unverständigen Leuten beliebt zu machen, nebst einer unbesonnenen Jugend, verführen offtermahls einen leichtsinnigen Menschen, etwas zu reden, welches er etwan hier und dar von ungefähr erschnappt hat, da er doch auch selber nicht weiß, was er saget, und die üble Folge, welche man aus dergleichen Lehren ziehen kan, nicht einsiehet. Solche Leute sind mehr eines mitleidigen Erbarmens, als eines grossen Eifers würdig. Doch können dergleichen Gemüther leichte verführt werden, und sind geschickt, wenn sie noch keine Atheisten sind, doch dergleichen zu werden.
 
 
γ) So müssen vielmehr diese Criteria alle zusammen genommen werden, wenn man einen Atheisten erkennen will, als daß man sich auf eintzele derselben gründet.
 
  Uberhaupt muß man in der Beurtheilung des Atheismi sehr behutsam gehen, und nicht aus jeder gefährlich scheinenden Lehre eine Atheisterey ziehen. Nimmt man dieses nicht in Acht, so kan offtermahls ein sonst redlicher Mann, wegen einer Ubereilung oder andern Fehler, aus blindem Vorurtheil, und unbesonnenem Eiferer, oder Haß und Neid, zum Atheisten gemacht werden, wie dieses Buddeus in denen Selectis Juris Nat. und Gent. … Walch in Parergis Academic. … und D. Müller in der Metaph. … erinnern.  
  {Sp. 2021|S. 1032}  
  Weswegen sich auch unterschiedene Gelehrte gefunden haben, welche diesen und jenen von der Beschuldigung der Atheisterey zu befreyen gesuchet: Als  
 
  • Sam. Parcheri Diss. 1. Cogitationum de Deo.
  • Jac. Haseus Diss. de Gentilium Philosophis Atheismi falso suspectis. 1716.
  • J. C. Wolffius Diss. de Atheismi falso suspectis. Viteberg. 1717.
  • Jo. Jac. Syrbius Diss. de Atheismi Origine Jenae 1720.
 
     

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Stand: 27. Oktober 2022 © Hans-Walter Pries