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Zedler: Menschliche Maschine HIS-Data
5028-20-809-3
Titel: Menschliche Maschine
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 20 Sp. 809
Jahr: 1739
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 20 S. 414
Vorheriger Artikel: Menschliche Haar
Folgender Artikel: Menschliche Natur
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen

  Text Quellenangaben
  Menschliche Maschine, Machina humana, oder der menschliche Cörper, ist der andere wesentliche Theil des Menschen, und ist eine sehr künstliche, dabey aber auch der Veränderung und Fäulniß leicht unterworffene Maschine, und ist von einem Medico auf zweyerley Art zu betrachten, als erstlich nach seiner Mixtur oder Mischung, zum andern nach seiner Structur oder Bau.  
  Die Mischung des Leibes ist dem Medico darum zu wissen nöthig, weil er dadurch die Daur und Härte, oder die Hinfälligkeit und Schwäche desselben bestens einsehen kan. Denn wenn einer die Anfangs-Gründe oder Elementen eines Cörpers recht inne hat, so ist ihm gleich bewust, ob derselbe daurhafft sey oder nicht; nutzet ihm auch darzu, das er desto besser wissen kan, durch was Mittel derselbe vor seinem völligen Untergang erhalten werden möge; welches denn eben die End-Ursach ist, warum der Medicus den menschlichen Cörper erkennen soll.  
  Die Anfangs-Gründe, Principia und Elemente aber sind, (Christ. Wolff vernünfftige Gedancken von GOtt, der Welt und der Seele des Menschen, …)  
  die ersteren und einfachen Dinge, daraus der Cörper sammt seinen Theilen zusammen gesetzet wird.  
  Oder Principia sind die ursprünglichen Dinge des Cörpers, (Zwinger Compend. Medic. univers. ... zu Ende)  
  aus welchen derselbe zusammen gesetzet ist, und in welche er auch wiederum kan gebracht werden.  
  Es bestehet nun der menschliche Cörper in Ansehung seiner Vermischung aus verschiedenen, ungleichen, zertrennlichen, und leicht faulenden Theilgen; dahero es auch kommt, daß derselbe so vielen schnellen und gefährlichen Kranckheiten, ja endlich gar der gäntzlichen Verwesung zugethan ist; sintemal seine Principia sind, Erde, Saltz, Öl und Wasser, von welchen bekannt ist, daß sie sich theils sehr ungerne mit einander vereinigen; theils aber, wenn sie mit einander vereiniget sind, sich dennoch leichtlich von einander trennen, und in eine Verwesung gerathen.  
  Daß diese vier besagte Dinge unsern Cörper ausmachen, kan theils gewiesen werden aus unserer Nahrung, indem wir täglich solche Sachen genüssen, und zu uns nehmen, dadurch auch wachsen, gestärcket und ernähret und erhalten werden, welche obbenannte Dinge in sich fassen: Denn woraus was zusammen gesetzet wird, daraus bestehet es auch: theils kan solches auch dargethan werden aus der Auflösung des Cörpers: denn man findet keinen Theil unsers Cörpers, (er sey hart, weich oder flüßig) welcher nicht diese vier einfachen Dinge (wenn er in der Chymie aufgelöset wird) darweisen solte.  
  Doch ist die Gleichheit dieser vermengten Principiorum, nach denen mancherley Theilen des Leibes, gleichfalls mancherley. Denn obwol in allen und jeden Theilen besagte Principia oder Elemente zugegen sind, so haben doch einige (nach dem Gebrauch und Endzweck solcher Theile) den Vorzug  
  {Sp. 810}  
  vor andern. Also haben zum Exempel die Beine eine mehrere Qvantität der Erde, hingegen von Saltze und Schwefel viel weniger, am wenigsten aber von den wässerigen Theilgen in sich; weil sie nemlich fest, hart, zusammengepreßt, und unserm Leibe gleichsam zur Grade und Stütze dienen sollen. Die Knorpel hingegen, welche etwas weicher sind, als die Beine, besitzen mehrere Theile von der zartern Erde, weniger von der dickern, die wenigsten aber vom Öl und Wasser, doch aber in grösserer Menge, als die Beine.  
  Und so verhält es sich ferner mit denen andern weichern Theilen, als Nerven, Adern, Häutgens, Bändern, Musceln, u.d. welche nach ihrer Härte und Weiche mehrere oder wenigere Theilgen von der fixen und saltzigten Erde, Schwefel oder Öl, und Wasser besitzen, dahero es auch kommt, daß ein Theil vor dem andern der Fäulniß eher unterworffen ist. Also sehen wir z.E. daß die weichen und fleischigten Theile des menschlichen Cörpers eher in die Fäulniß gehen, als die harten und beinichten, weil sie mehr vom Öl, Saltz und Wasser, weniger aber von der fixen Erde, (welche nicht so leicht zum Verderben geneigt) in sich fassen.  
  Ingleichen ist auch solches zu beobachten bey den fliessenden Theilen des menschlichen Cörpers, als in dem Blut, Wasser etc. die da noch geschwinder als die weichen Theile in eine Verwesung und Fäulniß gerathen, und das eben aus der Ursache, dieweil sie am allermeisten von dem Wasser, hernacher von dem Schwefel und Saltz, am wenigsten aber von der Erde in sich enthalten.  
  Denn jemehr von dem Öl in der Vermischung ein Theil in sich enthält, und mit dem Wasser und Saltze verknüpffet ist, desto eher und leichter kan in selbigem Theile eine Bewegung, die zur Fäulniß geneigt ist, entstehen, besonders wenn von aussen solche Sachen dazu kommen, die zur Verwesung viel beytragen, als da ist eine warme und feuchte Lufft etc.  
  Gleichwie im Gegentheil besagte zur Verwesung geneigte Bewegung verhindert wird durch eine sattsame Gegenwart derer erdigten Theilgen, als welche da schwer, und zu einer jährenden, aufwallenden, und auflösenden Bewegung weniger geschickt sind, die auch überdieß die fetten und öhlichten Theilgen in sich schlucken und verzehren, wie nicht weniger denen wässerigen keinen Platz lassen, daß sie sich mit denen öhlichten und schwefelichten vereinigen, und also unter einander eine Bewegung anstellen können.  
  Hieraus ist nochmahls sattsam zu sehen, daß der menschliche Leib wegen seiner eigenen Art und Vermischung sehr leicht zur Fäulniß geneigt sey, weiln sowol in dessen festen als flüßigen Theile solche Vermischungen sich finden lassen, die unter sich selbst der jährenden und faulenden Auflösung sehr zugethan sind.  
  Was den Bau des menschlichen Leibes betrifft, so ist zu mercken, daß er die allerschönste, vortreflichste, und künstlichste Maschine, die da von dem allerweisesten Schöpffer aus unterschiedenen Theilen, welche unter sich bestens zusammen stimmen, also ist verfertiget worden, daß sie die ihr zukommende ordentliche und gewisse Bewegungen, zu ihrem selbst eigenem Besten, auswürcke und verrichte.  
  Der menschliche Cörper ist eine Maschine, und zwar deswegen, weilen  
  {Sp. 811|S. 415}  
  desselben seine Theile also mit einander vereiniget sind, daß die ordentlichen Bewegungen, die sich an ihm, nach denen Gesetzen der Bewegungen, äussern sollen, gantz gewiß und ohne Hindernüß auf einander folgen müssen, wo nicht von ohngefehr eine widrige Sache denselben entgegen kommt, und sie an ihren Bewegungen aufzuhalten und zu verhindern suchet. Denn dieses ist das eigentliche Wesen einer Maschine, daß alle deroselben Theile, sowol bewegende, als die von andern beweget werden, also genau müssen mit einander vereiniget seyn, daß die Bewegungen oder Würckungen, nach des Künstlers Verlangen, gantz gewiß und ohne einige Unordnung erfolgen müssen.  
  Nun siehet man dieses alles deutlich gnug an unserm Leibe, indem alle Theile desselben also bereitet und mit einander verknüpffet sind, daß die vom Schöpffer intendirte Bewegungen, und von solchen sämmtlich herrührende Verrichtungen und Würckungen nothwendig folgen müssen.  
  Gleichwie aber hinwiederum in einer Maschine die Verletzung eines einigen (obschon dem äusserlichen Ansehen nach geringen) Theiles, dennoch dem sämmtlichen Werck eine Verhinderung verursachet, daß die vorher richtigen Bewegungen nunmehro entweder gestöret werden, oder wohl gar aufhören müssen: so sehen wir auch gleichergestalt, daß es im menschlichen Leibe also zugehet, daß die Versehrung eines eintzigen Theiles allen andern schädlich sey, und die gantze Einrichtung des Cörpers verändern, ja gäntzlich zerstreuen könne, so gar, daß auch die Seele selbst in ihren Verrichtungen incommodiret und verhindert wird.  
  Aus diesem allem erhellet gnungsam, daß der menschliche Cörper billig und mit Recht eine Maschine genennet werden könne; Gleichwie die künstliche Vereinigung und Ordnung der Theile, sammt denen daraus entstehenden Bewegungen, bey denen neuern Scribenten Mechanismus genennet wird.  
  Man nennet den menschlichen Cörper die allerschönste und künstlichste Maschine, deswegen, weiln kein Künstler (er mag so gelehret, so geschickt, und so kunstreich seyn, als er immer wolle) denselben jemahls wird nachmachen können. Ingleichen, weil sie mehr Theile hat, auch mehrere Bewegungen in sich hält, als alle Maschinen in der gantzen Welt zusammen nicht haben mögen.  
  Nichtweniger ist diese Maschine die allervortreflichste, weilen sie keinen leeren todten Cörper, sondern mit dem Leben und höchster Empfindung ausgezieret, und zugleich eine Wohnung und Werckstatt der vernünfftigen, unsterblichen und aus keiner Materie bestehenden Seele ist, welche sich derselben, bey vielen ihrer Verrichtungen, als eines Werckzeugs, aufs beste zu bedienen weiß.  
  Die Theile aber, aus welchen diese künstliche Maschine zusammen gesetzet ist, werden unterschieden in feste, fliessende und geistreiche Theile (Partes solidas, fluidas et spirituosas.) Es ist aber zu wissen, daß hier cörperliche oder solche Theile verstanden werden, welche zu der Erfüllung des Cörpers das Ihrige beytragen.  
  Durch die festen Theile werden nicht nur verstanden die Beine und Knorpeln; Christ. Joh. Lang. Opera omnia in Physiolog.
  sondern auch die Sennen, Häutgens, die fleischigen  
  {Sp. 812}  
  Fäsergen, Nerven, Milch- und Wasser-Gefässe, Blut- und Puls-Adern; ingleichen die aus diesen zusammengesetzten Theile, das Gehirn, Hertze, Lunge, Magen, Gedärme, Leber, Miltz, Nieren, Blase, Drüsen, Musceln, Haut etc.  
  Mit einem Wort, alles was eine Festigkeit oder zusammengedrücktes Wesen besitzet, dasselbe wird unter die festen Theile gerechnet, obwohl nicht zu läugnen, daß, wenn man die Stärcke dieser Theile betrachtet, ein grosser Unterscheid darinnen vorgehet, also daß einige mit mehr, andere mit wenigerem Rechte diesen Titul führen.  
  Von diesen festen Theilen sind einige eigentlich so genannte, Continentes proprie sic dictae, die da die flüßigen Theile in sich enthalten, z.E. der Magen, Gedärme, Adern, Wasser-Gefässe, der Milch- Brust- Adern-Gang u.d. Einige sind Werckzeuge der Bewegung, als die Musceln, Sennen, welche denen freyen Bewegungen unterworffen sind. Einige hinwieder lassen sich beständig in ihrer Bewegung finden, als das Hertz, die Puls-Adern, die Lungen. Einige aber dienen zur Stütze des gantzen Leibes, wie die Beine, Knorpeln, und Bänder.  
  Die Alten pflegten diese festen Theile auf dreyerley Weise annoch zu unterscheiden, als  
  1) in Ansehung ihrer Materie und Wesens;  
  2) in Ansehung ihrer Verrichtungen;  
  3) in Ansehung ihres Ursprunges.  
  In Ansehung ihrer Materie wurden diese festen Theile wieder unterschieden in gleichförmige und ungleichförmige, (partes similares und dissimilares.) Durch die gleichförmigen verstunden sie solche Theile, die der Empfindung und Wesen nach am gantzen Cörper einander gleichförmig, und aus einer Gattung Fäsergen zusammengesetzet sind, daraus auch die übrigen ungleichförmigen bestehen. Solcher zehlen sie insgesammt Zehen, als, das Bein, den Knorpel, das Band, Häutgen, Faser, Nerven, Puls-Ader, Blut-Ader, Fleisch und Haut: Morb. Fundament. Medic. Physiolog.
  Doch setzten einige Autores noch hinzu das äusserste Häutgen, die Senne, und das Fett: Einige als der Horstius etc. die zwey Augen-Säffte, als den gläsernen und crystallenen; andere das Gehirn und das Marck im Rück-Grad, Diemerbroeck Anatom. …
  Ja Klempius will so gar die Haare und Nägel auch darunter verstanden wissen.  
  Es ist aber zu mercken, daß nach denen Neuern nicht mehr als ein gleichförmiger Theil am gantzen menschlichen Leibe zu finden ist, nemlich die Fasern; sintemaln aus diesem einigen Theile alle andere ersten Theile verfertiget sind, es seyn nun die Beine, Nerven, Bänder oder dergleichen.  
  Ungleichförmige Theile wurden diejenigen genannt, welche nicht in sich selbst gleichende Theile konnten abgesondert werden; sondern wo ein jedes in Ansehung seines Gewebes beständig von dem andern unterschieden war: also machen zum Exempel, das Fleisch, die Fasern, Häutgen, ein Nerve, Puls- und Blut-Adern einen Muscel aus, als einen gleichförmigen Theil.  
  In Ansehung ihrer Verrichtung, werden die festen Theile wieder eingetheilet in  
  1) Organicas und Non-organicas.
  2) in Principes et Ministras.
  Die Organicae Partes sind die, welche zu Vollbringungen derer Verrichtungen geschickt sind, und deswegen eine gewisse, abgemessene, und recht wohl geschickte  
  {Sp. 813|S. 416}  
  Bildung hierzu empfangen haben, wie z.E. das Hertz, der Magen, Lunge, die Hand etc.  
  Im Gegentheil sind Partes Organicae, welche keine Verrichtung ausüben können, sondern nur schlechterdings einigen Nutzen haben; als die Knorpeln, das Fett, die Haare etc.  
  Es heist aber die Verrichtung eine würckliche Bewegung des hiezu geschickten Werckzeugs, das ist, des Organi, wegen der ihm mitgetheilten Tüchtigkeit. Und den Nutzen nennet man, wenn ein Theil eine solche Bequemlichkeit besitzet, daß er zum besten der andern, ihm anhangenden Theile, oder wohl gar des gantzen, kan genutzet oder gebrauchet werden.  
  Principes Partes heissen diejenigen, welche eine der vornehmsten Verrichtungen in unserm Cörper auswürcken, wovon derselbe gleichsam erhalten wird: solcher zehlten die Galenici drey, als das Gehirn, Hertz und Leber, die Neuern hingegen thaten die Leber weg, und setzten den Magen statt seiner denen andern bey; ingleichen wollen einige die Geburts-Glieder auch hinzugesetzt wissen.  
  Partes Ministrae hingegen sind alle Theile, so denen Principibus dienen, und zu ihrem besten würcken müssen. Zum Exempel die Lunge, Leber, Miltz, Nieren, die Krös-Drüse, die Gedärme, Hand, der Fuß etc. Doch giebt es Grade unter diesen letztern, und werden die vom ersten Grad Nobiliores genannt, weilen sie nemlich zu Ausarbeitung eines gewissen natürlichen Safftes das ihrige mit beytragen müssen, und deswegen zur Erhaltung der Gesundheit und des Lebens nothwendig erfordert werden, z.E. die Gedärme, Gekröse, Leber, Nieren etc.  
  Die vom andern Grad nennet man Ignobiliores, dieweil sie zu Erhaltung des Lebens nicht nothwendig erfordert werden, sondern nur zu einigem Gebrauch und zu einem glücklichern Leben dienen, als da sind, die Arme, Hände, Füsse, Finger, Ohren, Nase etc. welche Theile wir alle entbehren können, ohne Verlust des Lebens.  
  In Ansehen ihres Ursprunges, so wurden die festen Theile unterschieden, in Saamen- Blut- und Mittel-Theile.  
  Durch die Saamen-Theile solten solche Theile verstanden werden, welche in ihrer Erzeugung und Bildung mehr vom Saamen als Blut empfangen zu haben geglaubet wurden; als die Beine, Bänder, Knorpeln, Häutgens, Nerven, Pulß- und Blut-Adern.  
  Die Blut-Theile hiessen diejenigen, welche mehr vom Blut als Saamen bekommen solten; als das Fleisch, Drüsen.  
  Die Mittel-Theile aber solten solche seyn, welche in ihrer Bildung gleiche Quantität des Samens und Geblüts empfangen hätten, als die Haut.  
  Die fliessenden Theile haben ihren Wohn-Platz in denen erstern, und werden in selbigen beständig solche abgesondert, beweget und umgetrieben. Dannenhero sie auch von den alten Contenta, (d.i. begriffene oder enthaltene Theile) sind genennet worden. Es finden sich aber zweyerley Gattungen dieser fliessenden Theile, nemlich Laudabiles und Excrementitiae.  
  Die Laudabiles heissen diejenigen, die zum Nutzen und zur Erhaltung unsers Leibes dienen, als da sind der Nahrungs-Safft, Blut, Wasser, Speichel, die Galle, Milch, der Saamen-Safft in der Gekröß-Ader etc.  
  Die Excrementitii hingegen sind die, welche in unserm Cörper, ohne desselben Schaden, nicht können  
  {Sp. 814}  
  beybehalten, und deswegen aus demselben beständig müssen ausgeschaffet werden; als der Harn, Schweiß, Rotz und Ohren-Schmaltz. Einige machen drey Unterschiede unter denen Säfften, so daß selbige entweder nützliche, oder unnütze Theile, oder aber von mittler Art seyn sollen. Coschwitz. Organ. et Mechan. Physiol. …
  Die geistreichen oder spirituösen Theile, die Hippocrates unter dem Namen Impetum facientium verstanden, sind diejenigen subtile, thätige, würckende, leichte, flüchtige kleine Theile, welche durch den Saamen der Eltern erstlich uns zugebracht, hernach durch die tägliche Geniessung Speiß und Trancks aus dem daraus entsprungenen Nahrungs-Safft und Blute erneuert, und in denen verschiedenen Theilen unsers Cörpers verbessert, insonderheit aber in unserm künstlich zubereitetem Gehirne völlig ausgearbeitet, und vermittelst denen zu allen Theilen gehenden Nerven durch den gantzen Leib getrieben werden, damit dadurch die Vereinigung des Leibes mit der Seelen, wie auch die Bewegungen, Sinne und alle Verrichtungen der Seelen mögen erhalten und fortgepflantzet werden. Vicarii Basis Univers. Medicin
  Es finden sich zwar einige, welche nur zwey Theile des Cörpers behaupten, als die festen und fliessenden, und unter diesen letzten die Spiritus auch mit verstehen wollen. Allein man hält davor, es sey besser gethan, man bleibe bey der alten Eintheilung derer Theile, und sondere derohalben die Spiritus von denen andern flüßigen Theilen ab, weil sonst leicht ein Mißverstand hierinnen vorgehen kan: denn ein anders ist ein flüßiges in sensu stricto, ein anders in sensu laxo.  
  In sensu stricto heist das Fluidum ein nasses, feuchtes, und flüßiges Wesen, wie Hippocrates, Galenus, Aristoteles, und andere mehr dieses Wort gebrauchet haben, und in solchem Verstande können die Spiritus gar nicht gebrauchet werden.  
  In sensu laxiori aber wird es gebraucht vor ein subtiles, ätherisches, leichtes und flüßiges Wesen; wie Gassendus, Carthesius, und ihre Anhänger wollen; und auf solche Weise giebt man zwar zu, daß die Spiritus mit unter die flüßigen Theile können gerechnet werden; doch ist es besser gethan, man lasse sie besonders, und setze man sie nicht unter die flüßigen Theile, weilen sie gleichwol keine Säffte sind, auch von denen erstern Medicis besonders sind abgehandelt worden.  
  Es giebt auch wiederum andere, welche die Existentz der Spiritus gar läugnen; und sagen, weil sie nicht können gesehen oder gezeiget werden, so gebe es auch keine. Man antwortet aber, daß solches sehr schlecht geredet sey, denn also könte man auch sagen, es gebe keinen Gott, keine Seele, keine Lufft, keinen Teufel etc.  
  Andere hingegen wollen die Spiritus daher läugnen, weil keine rechte Definition von ihnen mag gegeben werden; Man antwortet abermal von der weissen und rothen Farbe, von der rechten und lincken Seite, vom lieblichen und stinckenden Geruch, vom Acido, Alkali und Bitterkeit kan ebenfalls keine rechte Definition gegeben werden; ein mehrers siehe Spiritus.  
  So lange nun obgenennte Elemente und Theile unsers Cörpers unter sich bestens übereinkommen, und in gehöriger Ordnung sich finden lassen, so  
  {Sp. 815|S. 417}  
  lange geniesset der Mensch eines völlig gesunden und frölichen Lebens; weil aber besagte Theile der Veränderung und Fäulniß unterworffen sind, so ist des Medici Pflicht und Schuldigkeit, solchen Unfall durch dienliche Mittel vorzubeugen, und die Gesundheit samt dem Leben des Menschen ferner zu erhalten.  
  Wie aus der menschlichen Maschine die Weisheit sowol als die Vorsehung GOttes zu erweisen sey, hat Anton Wilhelm Platz, in zweyen Dissertationen: de corporis humani machina divinae sapientiae ac providentiae teste, gezeiget, deren erstere er unter Hebenstreits Schutz, die andere aber als Präses zu Leipzig 1725 vertheidiget hat.  
     

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Stand: 18. August 2013 © Hans-Walter Pries