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Zedler: Bücher-Vorrath, Bibliotheck [9] HIS-Data
5028-4-1803-4-09
Titel: Bücher-Vorrath, Bibliotheck [9]
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 4 Sp. 1840
Jahr: 1733
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 4 S. 935
Vorheriger Artikel: Bücher-Vorrath, Bibliotheck [8]
Folgender Artikel: Buechinger, (Mich.)
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen
  • Transkribierter griechischer Text der Vorlage

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Übersicht
Bibliotheken (Forts.)
  T - Z
General-Betrachtung

Stichworte Text   Quellenangaben
Bibliotheken T - Z In dem Türckischen Gebiete ist nachfolgendes von dem Bibliothecken zu mercken;  
 
1.) Auf dem Berge Athos in Thracien sollen sehr ansehnliche Bibliothecken seyn, dahero denn Peirescius in Willens gehabt, den Lucam Holstenium und J.Jac. Bouchardum dahin zu senden.
  • Gaslendus in ejus vita …
  • Montfaucon Palaeogr. Gr. …
  • Luhn Disputat. Athos S. Wittenb. 1794. …
 
2.) Zu Constantinopel sollen schon von denen Christl. Kaysern Bücher gesammlet worden seyn. Constantinus M. hat viel Geld auf die Sammlungen geistlicher Schrifften gewendet.
Eusebius III. in Vita Constantini.
 
Sein Sohn, Constantius, hat dieselbe vermehret, und einen Bibliothecarium verordnet, weßwegen er von dem Themistio Orat. XIII. gelobet wird. Julianus Apostata hat in dem Königlichen Bogen-Gange eine Bibliotheck
 
  {Sp. 1838 a.|S. 936}  
 
gerichtet.
Zosimus
 
Gleichfalls soll er in dem Tempel des Trajani in der Vorstadt derer Antiochenorum Daphne viele Bücher gesammlet haben, welche hernachmahls von dem Joviniano verbrannt worden.
Suidas voce Iobiosios.
 
Wie viel Fleiß Julianus darauf gewendet, erhellet aus seiner 9. und 36. Epistel. Daß der Kayser Valens gewisse Schreiber und Bibliothecarios verordnet, siehet man l. 2. Cod. Theodos. … Theodosius der Jüngerer hat ebenso viel Fleiß als Ptolemaeus Philadelphus auf die Sammlung der heiligen Schrifft und ihrer Ausleger gewendet.
Socrates Hist. Eccl.
 
Zu denen Zeiten des Tyrannen Basilisci entstunde eine Feuers-Brunst in Constantinopel, wodurch die Basilica nebst der Bibliotheck verbrannt wurde.
Bandurus in Imperio Orientali
 
Die Basilica wurde von dem Kayser Zeno wieder aufgebauet, eine Bibliotheck errichtet, und ein Doctor Oecumenicus nebst zwölff. Contubernalibus, welche aus denen gelehrtesten Leuten ausgesuchet worden, dahin verordnet: Weil sie aber dem Leoni Isaurico in seiner Meynung von der Abschaffung der Bilder nicht beypflichten wolten, ließ er solche benebst dem Gebäude und der Bibliotheck verbrennen. Einige meynen, es wären noch Uberbleibsale von denen ehemaligen Bibliothecken in Constantinopel vorhanden.
Siehe von denen Byzantinischen Bibliothecken
  • Banduri Imperio Orientali …
  • Montfaucon Praef. Pal. Graec.
 
Sonst ist noch aus dem 12. Seculo die Bibliotheck der Eudociae Mecrampolitissae. eines gelehrten Frauenzimmers, welche viele Bücher geschrieben, bekannt. Es soll aus ihrer Bibliotheck ein Codex in der Colbertinischen vorhanden seyn.
Montfaucon l.c. … Siehe von ihr und ihrer Bibliotheck Ejusdem Pal. Graec.
 
In dem 13. Seculo gedencket Leo Cinnamus der Kayserlichen Constantinopolitanischen Bibliotheck imperante Michaele Duca et Angelo Comneno. Gleichfalls wird der Bibliotheck Georgii Comitis Corinthii, welcher von dem Marco Mamurae aus Creta Codices empfangen, gedacht. Hiervon soll ein Theil in der Kayserlichen Bibliotheck vorhanden seyn.
Montfaucon in Praef. Pal. Graec. … Conf. Struv. … et ad eum Colerus.
 
Heutiges Tages soll zu Constantinopel in dem Pallast des Sultans eine Bibliotheck verwahret werden. In derselben soll nach der gemeinen Meynung ein MStum des gantzen Livii vorhanden seyn, welches aber noch jederzeit umsonst gesuchet worden. Man hat von einem Anonymo Bibliothecam … 1578. 4to in welchen die Catalogi derer meisten MStorum zu Constantinopel zu finden.. Spitzelius hat die Theologischen seinen sacris Bibliothecarum delectis einverleibet. Montfaucon in praefatione Palaeographiae Graecaeerinnert folgendes: Elapsis … [drei Zeilen lateinischer Text].
 
 
Die Bibliotheck derer Türckischen Kayser beschreibet Baudier in descriptione Aulae Turcicae. Er zehlet derselben zwey, die eine befände sich bey der Camera Regia, die andere bey der Camera Aulae Ministrorum Servientium. In dieser letztern wären 26. grosse Volumina aus des Constantini M. Bibliotheck; diese wären mit goldenen Buchstaben geschrieben, mit Silber und vergoldeten Umwickelungen versehen, und
 
  {Sp. 1838 b.}  
 
mit Edelgesteinen gezieret. Diese Bibliothecken hält Hottinger in Bibliothecario quadripartito … vor so kostbar, daß er eine jede vor vier Tonnen Goldes werth geschätzet: Die in dem Türckischen Pallast aber ist den 18. Jul. 1665. verbrannt. Ein gleiches Unglück ist der Bibliotheck des Muffti wiederfahren, welcher Spondanus Annal. Eccl. … ad An. 1633 gedencket.
Struv. … et ad eum Colerus.
  In Ungarn war ehemahls zu Ofen die berühmte Bibliotheca Budensis. Der Stiffter derselben war der König Matthias Corvinus. Bonfinius rerum Humanicarum Decade.
  Wieviel sich Corvinus Mühe gegeben diesen Schatz zu sammlen, siehet man aus Joannis Alexandri Brassicani Epistola Collectio Maderiana. T. I.
  Er sammlete nicht nur alles, was er von Griechischen und Ebräischen MStis in denen Überresten derer Griechischen Städte bekommen konnte, sondern unterhielte auch stets zu Florentz vier Männer welche nichts anders zu thun hatten, als daß sie die besten Griechischen und Lateinischen Bücher abschrieben. Hierdurch ist diese Bibliotheck dergestalt angewachsen, daß man 50000. Codices in derselben gezehlet. Es wurde aber diese Bibliotheck bey der Eroberung von Ofen nach der unglücklichen Schlacht bey Mohaz zerstreuet, doch haben sich ihrer viele bemühet, das übergebliebene von derselben annoch zu sammlen. Augerius Busbek, welcher als Gesandter nach Constantinopel gegangen, hat viele MSta zusammen gebracht, und sie nach Wien geliefert, ein gleiches haben Joan. Sambucus, Jo. Faber, und Joan. Cuspinianus gethan. Die Wolfenbüttelische Bibliotheck besitzet auch einige MSta davon, Conring. in Epist.
  und in denen Privat-Bibliothecken wird dann und wann auch noch etwas angetroffen. Man kan diese MSta sehr leicht erkennen, indem das Geschlechts-Wappen derer Corviner darauf stehet. Der Kayser wurde bewogen, den Lambecium nach Ofen zu schicken, weil noch etwas in dem Corvinischen Pallast solte seyn zurück geblieben, er fand aber daselbst weiter nichts als etwan 400. Codices, welche über einander in Staube lagen, wie er solches selbst in Commentariis de Bibliotheca Vindobonensi … berichtet. Als 1686. Ofen wieder in Christliche Gewalt kam, so wurden diese Uberbleibsale auch nach Wien gebracht. Den Catalogum dieser letztern finden wir in Julii Pflugki Epistola ..., welche sich in der Collectione Mad. T. II. befindet. Ausser dieser Epistel finden wir von dieser Bibliotheck Nachricht in Lambecii Bibliotheca Vindobonensi … et Tollii Epistolis Itinerariis Struv. l.c. … et ad eum Colerus.
General-Betrachtung Wir wollen noch letztlich eine generale Betrachtung von denen Bibliothecken anstellen. Die Bibliothecken werden sonderlich in öffentliche und privat Bibliothecken eingetheilet. Dieser Unterschied muß wohl beobachtet werden, indem man, wann man von ihrer Einrichtung und Gebrauch derselben reden will, jederzeit seine Gedancken darauf richten muß.  
  Ohne Bücher kan die Gelehrsamkeit nicht bestehen, wir brauchen zur Ergründung derer General-Sätze mannichfaltige Erfahrung. Ein Mensch kan unmöglich alles in diesem Stücke wissen, sondern es muß einer dem andern hierinnen zu statten kommen. Alles was wir nun von der Erfahrung nöthig haben, das finden wir  
  {Sp. 1838 c.|S. 937}  
  in denen Büchern, also sind die Bücher zu der Gelehrsamkeit nothwendig, und deswegen hat man dieselben zu sammlen angefangen. Nachdem nun unsere Gelehrsamkeit eingerichtet ist, nach derselben müssen wir unsere Bücher Sammlungen anstellen.  
  Öffentliche Bibliothecken haben keinen besondern Endzweck, ausser, daß sie etwan zu der Historie des Vaterlandes insonderheit dienen. Öffentliche Bibliothecken aber sind nicht nur diejenige, welche dem gemeinen Wesen angehören, oder die auf gemeine Unkosten angeleget werden, sondern dieselben, welche zu dem gemeinen Gebrauch offen stehen. Also sind die Cottonianische Bibliotheck in Engeland, die Colbertinische in Franckreich, und andre mehr nicht Privat- sondern öffentliche Bibliothecken zu nennen, ob sie gleich von Privat-Personen errichtet worden. Hingegen sind Bibliothecken, welche dem gemeinen Wesen zugehören, von denen aber die Einwohner solcher Örter kaum etwas wissen, geschweige, daß sie solche besuchen solten, wie denn dergleichen in Deutschland viele zu nennen wären, die also keinesweges den Namen öffentlicher Bibliothecken verdienen, ob sie gleich von gemeinen Unkosten sind errichtet worden.  
  Morhof. in Polyhist. … giebt drey Ursachen an, woher die Bibliothecken entstanden wären. Die erstere wäre die Gelegenheit gewesen, die Acta Publica zu sammlen, die andre, die Liebe zu denen Studiis, und die dritte der gemeine Nutzen. Wir glauben, daß alles dreyes seinen Antheil daran habe, wenn wir die Sache aber deutlich zeigen wollen, so müssen wir gestehen, daß die oben angeführte Nothwendigkeit derer Bücher in der Gelehrsamkeit der erste Bewegungs-Grund gewesen ist, die Bücher zu sammlen.  
  Von denen öffentlichen Bibliothecken aber ist diese Ursache anzugeben: Wo das Vermögen derer Privat Leute nicht zureichet, da muß das gemeine Wesen denenselben zu statten kommen. Nicht allein in denen erstern Zeiten, da man die Bücher mit vielen Unkosten muste abschreiben lassen, sondern auch noch jetzo, da uns zwar die Drucker-Kunst die Kosten erleichtert, zugleich aber auch die Eitelkeit in denen äusserlichen und zur rechten Sachen nicht gehörenden Umständen die Bücher noch kostbar genung machet, ist allemahl ein grosses Vermögen zu einer grossen Bücher-Sammlung erfordert worden. Wie mancher Gelehrter wird nicht noch jetzo verhindert, seinen Namen an allen Enden von Europa bekannt zu machen, weil ihm die Kosten zu denen Büchern, welche zu Erlangung eines solchen grossen Namens gehören, mangeln?  
  Das gemeine Wesen stellet deswegen solche Bücher-Sammlungen an, damit diejenigen, welche die Kosten nicht ertragen können, dennoch die nöthigen Mittel zu ihren Studiren finden. Hier gilt es nun gleich viel, ob es das gemeine Wesen insonderheit, oder ob es eine Privat-Person, welche sonst Uberfluß genung hat, verrichtet. Die letztern sind so gut darzu verbunden, als die erstern. Aller Uberfluß wird zur Sünde, wenn er nicht angewendet wird, und jeder hat einen besondern Beruf seinen Stand vor andern zu befördern, dahero muß ein Gelehrter dahin trachten, wie er denen Gelehrten nützlich werde. Da thut er nun freylich am besten, daß er nicht nur vor sich, sondern auch vor andre Bücher sammlet, und dieselbige dem öffentlichen Nutzen wiedmet.  
  Der rechte Endzweck nun von öffentlichen Bibliothecken ist also dieser, daß man denen andern die Kosten erleichtere. Man muß also in solchen gros-  
  {Sp. 1838 d}  
  sen Bücher-Sammlungen dahin sehen, daß man rare und grosse Wercke anschaffe, dergleichen die Acta Sanctorum, die Thesauri Graevii und Gronovii, Scriptores Byzantini, die Collectiones Scriptorum Rerum Germanicarum, Italicarum, und andere mehr sind. Kleine Bücher, die überall zu haben, auch mit geringen Kosten anzuschaffen sind, gehören eigentlich nicht in grosse Bibliothecken; es sey denn, daß man die Historie einer gantzen Wissenschafft, welches gleichfalls zu einen besondern Nutzen dienet, beysammen haben wolte, doch müssen solches dennoch wichtige, und auserlesene, nicht aber nichtswürdige und geringschätzige Bücher seyn.  
  Die MSta gehören sonderlich vor öffentliche Bibliothecken: Nicht nur, weil dieselbe bey Anschaffung sehr viele Unkosten erfordern, sondern auch, weil es nöthig ist, dieselben vor andern sehr wohl zu bewahren. Ein gedrucktes Buch ist jederzeit wegen der Menge derer Exemplarien wieder zu bekommen, und es sind wenig unter denenselbigen, von denen nicht unterschiedliche anzutreffen wären; Ein MStum aber ist nur ein eintziges, und wenn auch viele von einem Buch vorhanden sind, so sind doch dieselben unterschieden, und dienen zur Erforschung des wahren Textes jederzeit einiger massen.  
  Es ist noch eins zu erinnern, von welchem wir oben schon einige Meldung gethan, nemlich, daß man in solchen Bibliothecken zugleich auf die Historie des Vaterlandes sehen müsse. Geheime und besondere Nachrichten gehören eigentlich in die Archive, doch werden in solchen nur die Original Documenta ohne Zusammenhang auf behalten, in Bibliothecken aber muß man bemühet seyn, alle Schrifften die zu selbiger gehören, zu sammlen.  
  Um die Anordnung derer Bibliothecken sind ihrer sehr viele bemühet gewesen, worunter unter denen oben angeführten Autoribus, Kochii Schediasma de ordinanda Bibliotheca gehöret, ingleichen des  
 
  • Garnerii Systema Bibliothecae Collegii Parisiensis Soc. Jesu. Paris. 1678. 4.
  • Project d'vne nouvelle Methode … par Frederic Rostgard. Paris 1698. fol.
  • Just. Fantanini Dispositio Catalogi Bibliothecae … Rom. 1709 welche Köhler nebst Molleri de Technophysiotameis, unter dem General-Titel Sylloge aliquot Scriptorum … Frf. 1728 herausgegeben.
  • Insonderheit aber Morhof Polyhist.
 
  dahin zu rechnen ist.  
  Die andere Erleichterung von dem Gebrauch einer Bibliothec ist ein wohl eingerichteter Catalogus.  
  Die dritte Erleichterung bey einer Bibliotheck, ist ein Gelehrter, der Bibliotheck kundiger, und freundlicher Bibliothecarius.  
  Ein jeder muß wissen, zu was vor einem Endzweck er studiret, und nach demselben muß er seine Bibliotheck einrichten. Sich mit Aldo Manutio in Büchern arm kauffen, Siehe Morhof l.c. … ist eine von denen grösten Thorheiten: Ungeachtet viele Gelehrte mit diesem Ubel behafftet sind. Stolle in denen Prolegomenis der Historie zur Gelahrheit … schreibet: Die Bücher-Sucht sey eben so wohl eine Kranckheit, als die Wasser-Sucht.  
  Wir wollen nur noch mit wenigen die Ursachen solcher Thorheit entdecken, und damit unsere Betrachtung beschliessen, die eine, welche auch noch in etwas zu entschuldigen ist, ist die Curiositaet. Die andere ist der Hochmuth. Am besten ist in diesem Stücke also zu verfahren, daß wir die Bücher, nicht aber die Bücher uns besitzen.  
     

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Stand: 12. Juli 2013 © Hans-Walter Pries