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Zedler: Wissenschafften, (Academie oder Societäten der) HIS-Data
5028-57-1517-1
Titel: Wissenschafften, (Academie oder Societäten der)
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 57 Sp. 1517-1523
Jahr: 1748
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 57 S. 772-775
Vorheriger Artikel: Wissenschafften
Folgender Artikel: Wissenschafften, (Berlinische Societät, nunmehro Academie der)
Siehe auch:
Hinweise:
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  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen
  • : Absatz in der Vorlage vorhanden

  Text   Quellenangaben
  Wissenschafften, (Academien oder Societäten der), Lat. Academiae oder Societates Scientiarum, sind solche Gesellschafften, da man mit vereinigten Kräfften für die Aufnahme der Wissenschafften und Künste sorget.  
     
  Nothwendigkeit derselben.  
  Da es nicht möglich ist, daß diejenigen, welche mit andern Verrichtungen Amts wegen, ihre Zeit zubringen müssen, die Wissenschafften und Künste durch neue Erfindungen vermehren und ihre Aufnahme besorgen können, ob sie gleich dazu geschickt sind, auch es ihnen an Lust solches zu vollbringen, gar nicht fehlet, indem man nicht zweyerley zu einer Zeit auf einmahl thun kan, auch da der Kopff mit andern, die Amts-Verrichtungen betreffenden Dingen eingenommen ist, man nicht einmahl Anlaß bekommet, an andere Dinge zu gedencken, vielmehr von der Einbildungs-Krafft beständig gestöhret wird; So müssen in einem wohlbestellten Staate besondere Personen darzu erwehlet werden, deren ihre Amts-Verrichtungen darinnen bestehen, daß sie  
  {Sp. 1518}  
  durch neue Erfindungen die Wissenschafften und Künste vermehren und ihrer Aufnahme besorgen. Dergleichen Gesellschafften, da man mit vereinigten Kräfften für die Aufnahme der Wissenschafften und Künste sorget, pfleget man, wie obgedacht, Academien der Wissenschafften, ingleichen Societäten der Wissenschafften zu nennen. Folglich sind die Academien oder Societäten der Wissenschafften in einem wohlbestellten Staate nothwendig.  
     
  Ihre Absichten und Verrichtungen.  
  Es hat demnach die Academie der Wissenschafften eine doppelte Absicht. Einmahl soll sie die Wissenschafften und Künste, sie mögen Nahmen haben, wie sie wollen, in grössere Aufnahme bringen: Danach auch dieselben durch neue Erfindungen vermehren.  
  Damit sie nun die erste Absicht erreiche, so muß sie  
 
1) alle Wahrheit sammlen, die entweder in öffentlichen Schrifften, oder auch unter Leuten von allerley Stande und Profeßionen anzutreffen;
2) sie mit gehöriger Schärffe, auch tüchtigen Proben untersuchen; und
3) was in dieser Untersuchung richtig befunden worden, in gehörige Ordnung bringen, das ist, mit einander verknüpffen.
 
  Um der andern Absicht willen muß sie die bereits erkannten Wahrheiten überlegen, damit sie andere daraus entdecke, und mit nicht geringem Fleisse die Fehler und Mängel, welche sich in denen Wissenschafften und Künsten finden, anmercken, damit sie zu neuen Erfindungen Anlaß bekomme.  
     
  Beschaffenheit der Mitglieder.  
  Weil nun die Academie der Wissenschafften die Wahrheit muß gründlich untersuchen, und auf untrügliche Proben stellen auch neue erfinden können; so müssen dazu Leute genommen werden, die so wohl in der Erfahrungs- und Versuch-Kunst als in der Erfindungs-Kunst, oder wenigstens in einer von diesen dreyen geübet, oder auch den Zustand der Wissenschafften und Künste untersuchen und ihre Fehler und Mängel anzumercken geschickt sind. Da es aber nicht anders möglich ist zu erkennen, wie weit es einer oder der andere in diesem Stücke gebracht, als wenn er genugsame Proben abgeleget; so muß auch keiner in die Academie der Wissenschafften, als ein besoldetes Mitglied angenommen werden, der nicht durch zureichende Proben erwiesen, was er zu thun fähig ist. Weil man aber auch Anlaß zum Erfinden haben muß, und an allen Orten nicht alles vorfället, dabey auch Mängel und Fehler zum Erfinden Anlaß geben; so kan man ausser den besondern Mitgliedern auch andere, sonderlich auswärtige zu Correspondenten annehmen, die, was ihnen vorkommet, an die Academie der Wissenschafften berichten.  
  Die besoldeten Mitglieder der Academie der Wissenschafften sollen ihre Zeit mit solchen Verrichtungen zubringen, welche der Absicht der Academie gemäß sind, und demnach ausser andern Bedienungen leben. Derowegen müssen sie auch so viele Besoldung haben, daß sie bequem davon leben können. Und damit die Wissenschafften durch ihre Aufführung nicht in Verachtung kom-  
  {Sp. 1519|S. 773}  
  men; muß die Besoldung auch zureichend seyn, sich so aufzuführen, wie andere von vornehmen Stande. Ja da man diejenigen zu Mitgliedern der Academie der Wissenschafften erwehlet, die es an Verstande am weitesten gebracht, und in Wissenschafften andern überlegen sind; so gilt von ihnen mit einigem Vorrechte alles dasjenige, was von den Lehrenden wegen ihres guten Auskommens und der ihnen gebührenden Ehre beygebracht werden kan. Es werden zwar einige diese Wahrheit nicht begreiffen; Allein sie vergeßen, daß sie in der Welt leben, wo alles nach Meynungen gehet, und man dannenhero den Meynungen so weit nachgeben muß, als sich mit Bestande der Wahrheit thun lässet, woferne man nicht dem Reiche der Wahrheit selbst Abbruch thun will.  
  Und überhaupt bleibet wahr, daß auch die vergängliche Lust doch eine Lust ist, und, wenn eine der andern in einer unverrückten Reihe folget, sie einer beständigen und unvergänglichen gleich wird. Derowegen kommet es nur darauf an, daß man vergängliche Lust der beständigen gleich zu machen trachtet: Welches geschiehet, wenn man sie dergestalt gebrauchet, daß sie der beständigen keinen Eintrag thut, noch auch Unlust nach sich ziehet. Da nun hierzu grosser Verstand und viele Klugheit erfordert wird, absonderlich da der rechte Gebrauch der vergänglichen Lust und die Art und Weise sie der beständigen gleich zu machen, noch zur Zeit in keine Regeln gebracht worden; so ist es kein Wunder, wenn wir einige Menschen finden, die das Vergängliche mit dem Unvergänglichen auf gehörige Weise zu vereinigen wissen, sondern vielmehr täglich erfahren, daß die meisten einig und allein auf das Vergängliche, andere wenige hingegen auf das Unvergängliche sehen. Woraus nach diesem erfolget, daß der erstere Hauffe, der gröste ist, gründliche Wissenschafften bey den meisten in Verachtung gerathen, und dadurch in ihrer Aufnahme gar sehr gehindert werden: Welches der Absicht der Academie der Wissenschafften zuwider läuft, als welche sich bemühen soll, dieselbige in Aufnahme zu bringen: Wozu auch gehöret, daß viele derselben theilhafftig werden  
     
  Beschaffenheit ihrer Sammlung der Wahrheiten.  
  Weil die Academie der Wissenschafften bloß Wahrheiten sammlen, erfinden und in Ordnung bringen soll, so muß sie sich enthalten, von allem, was aus willkührlich angenommenen Gründen geschlossen wird und lieber den Grund ausgesetzet lassen, wenn sie ihn nicht erreichen kan, als nach eigenem Gutdüncken erdichten. Denn dergleichen erdichtete Gründe halten den Fortgang der Wahrheit auf, theils, weil man nicht weiter nachsuchet, was man schon zu haben vermeinet, theils, weil man nicht eher weiter daraus etwas sicher schliessen kan, biß die Gründe in Richtigkeit gesetzet worden. Derowegen muß sie nicht eher eine Wahrheit in ihrer Sammlung nehmen, u. im Nachdencken als einen Grund, andere daraus zu schliessen, brauchen, bis sie dieselbe entweder in der Erfahrung gegründet, befunden, oder woferne dieses nicht angehet, indem die Sache von der Beschaffenheit ist, daß sie sich entweder gar nicht, oder doch nicht leicht, und wenn man es  
  {Sp. 1520}  
  haben will, in Erfahrung bringen lässet, durch einen unumstößlichen Beweiß bestätigen kan.  
     
  Ihre Freyheit die Wahrheit zu bekennen  
  Derowegen muß man ihr keine Meynung als Wahrheiten aufdringen, noch sie an die Lehren gewisser Weltweisen und anderer Gelehrten, daß sie ihre Erfindungen denen gemäß einrichten soll; sondern ihr vielmehr völlige Freyheit lassen. Es kan nicht neben einander bestehen, einem auftragen alles, was als Wahrheit angegeben wird, auf das schärffste zu untersuchen, und nichts anzunehmen, als was man richtig befindet und doch zugleich anbefehlen, dasjenige als wahr anzunehmen, was ein gewisser Mann davor gehalten, oder auch wohl gar durch das Vorurtheil des Pöbels davor ausgegeben wird. Man weiß leider! zur Gnüge auch aus der Erfahrung, daß eben dieses das Mittel ist den Fortgang der Wissenschafften zu hindern, woferne man sich in der Geschichte der Gelehrten umgesehen.  
  Es ist aber aus dieser Freyheit nichts gefährliches zu besorgen. Denn da in die Academie der Wissenschafften niemand als ein besoldetes Mitglied genommen wird, als der die Wahrheit gründlich zu untersuchen geschickt ist, die Wahrheit aber, wenn sie nicht nur Unzeit vorgetragen wird, keinen Schaden stifften, auch keiner andern bereits erkannten Wahrheit zuwider seyn kan, wegen ihrer Verknüpffung, die alle mit einander haben; so siehet man nicht, was schädliches daraus erfolgen kan. Denn wenn man was schädliches besorgen wolte, so müsten es Meynungen seyn, die entweder der Religion, oder dem Staate, oder einem ehrbaren Wandel zuwider lieffen. Da nun die Academie der Wissenschafften keine Meynungen annimmt, sondern nur ausgemachte Wahrheiten, von Wahrheiten aber kein Eintrag in der Religion, dem Staate und einem ehrbaren Wandel zu besorgen ist; so kan auch die Freyheit der Academie zu nichts gefährlichen ausschlagen.  
     
  Ihr Object oder Vorwurf.  
  Weil die Academie der Wissenschafften alle Wissenschafft und Künste, sie mögen Nahmen haben, wie sie wollen, in grössere Aufnahme bringen soll; so muß sie auch alles untersuchen, was bey dem Ackerbau, bey dem Gartenbau, der Viehzucht, mit einem Worte, alles, was zum Landleben gehöret, wie nicht weniger alle Künste und Handwercke, absonderlich diejenigen, welche zur Erkenntniß der Natur etwas beytragen, und hinwiederum durch dieselbe, ingleichen durch die Mathematick sich verbessern lassen. Und demnach haben alle diese Künste und Handthierungen ihrer Aufnahme sich zugleich zu getrösten.  
  Damit aber dieser Zweck erreichet werde, so hat nicht allein die Academie der Wissenschafften von allen erwehnten Künsten und Handthierungen genaue Beschreibungen zu verfertigen, sondern zugleich von allem, was dabey vorkommt, den Grund zu untersuchen und zu überlegen, worinnen iedes noch könne verbessert werden, und solchergestalt die Künste und Handthierungen in Wissenschafften zu bringen; welches eine für das menschliche Geschlecht sehr nützliche Arbeit ist, und insonderheit auch zur Verbesserung eines Staats  
  {Sp. 1521|S. 774}  
  nicht wenig beytragen kan, wie sichs nach diesen hin und wieder zeigen wird. Es sind ihr aber zu dem Ende Künstler und Handwercker von allen Arten zu untergeben, damit diejenigen Mitglieder, welche sie beschreiben und untersuchen sollen, Gelegenheit haben, ihren Verrichtungen beyzuwohnen, und in ihren Werckstätten alles nach Gefallen in Augenschein zu nehmen, und die Academie die zur Verbesserung zielende Vorschläge von ihnen kan versuchen lassen, auch dem Versuche selbst beywohnen und sie dirigieren, damit nichts dabey versehen werde.  
  Aus eben der Ursache, weil die Academie der Wissenschafften alle Wahrheiten sammlen, und durch neue Erfindungen vermehren soll; so muß sie alle Einrichtungen, die man in einem Staate hat, sie mögen Policey- Cammer- oder andere Sachen betreffen, so sorgfältig als andere Wahrheiten untersuchen, und durch genaue Überlegung erwegen, was das beste ist, und zwar um so viel mehr, je gewisser man aus der Erfahrung weiß, daß nicht allezeit mit gnungsamen Bedacht dergleichen Einrichtungen geschehen, theils, weil diejenigen, welche davor zu sorgen haben, zu grossen und weitläufftigen Überlegungen entweder nicht geschickt sind; oder wegen vielfältiger anderer Verrichtungen nicht Zeit dazu haben; theils, weil sie insgemein nur nachthun, was sie bey andern gesehen, wobey aber gar leicht gefehlet wird, wenn man nicht die Vernunfft mit zu Rathe ziehet. Es hat demnach die Academie der Wissenschafften sich in Auflösung solcher Aufgaben, die zum Nutzen des Staats gereichen, mit Fleiß zu üben.  
  Wir achten es für unnöthig, mehrere Sachen zu erzehlen, damit die Academie der Wissenschafften beschäfftiget seyn soll. Denn da wir überhaupt erinnert, sie soll alle Wahrheiten sammlen, untersuchen, und durch neue Erfindungen vermehren, auch in gute Ordnung bringen, sobald ein Vorrath derselben vorhanden; so wird man bey vorfallender Gelegenheit leicht urtheilen können, was die Academie der Wissenschafften hier und dort zu thun hat.  
  Nur müssen wir noch einen Zweiffel heben, der hierbey einem entstehen könnte. Vielleicht werden einige meynen, es sey nicht möglich, daß die Academie der Wissenschafften sich in so viel und weitläufftige Dinge mengen könne. Allein man wird sich leicht begreiffen, wenn man nur auf folgendes Acht zu haben beliebet.  
  Einmahl ist gewiß, daß die Academie der Wissenschafften aus verschiedenen Personen bestehet, welche die verschiedene Arbeit mit einander theilen. Und also ist nicht nöthig, daß ein jeder sich in alles menge, oder auch in aller Art der Wissenschafften vortrefflich erfunden werden. Darnach muß man wohl erwegen, daß die Wahrheiten alle insgesammt eine grössere Verknüpffung und Verwandtschafft mit einander haben, als man vermeynet, und daher diejenigen, welche sie in richtiger Verknüpffung gründlich begreiffen, zu mehreren Dingen auf einmahl geschickt sind, als man vermeynen solte. Über dieses, wenn einige geschickte Köpffe alle ihre Zeit bloß auf Ent-  
  {Sp. 1522}  
  deckung der Wahrheit wenden, und mit nichts anderem in der Welt zu thun haben; so sind sie in dem Stande mehr auszurichten, als viele andere, die unter so vielen Verrichtungen des menschlichen Lebens nur dann und wann Gelegenheit bekommen, an etwas zu gedencken, welches umständlicher auszuführen vor unnöthig erachtet wird.  
     
  Beschaffenheit des Präsidentens.  
  Ob nun aber gleich nicht ein jedes Mitglied der Academie der Wissenschafften in allen Arten der Wahrheit darf geübet seyn, sondern es viel rathsamer ist, daß ein jedes sich hauptsächlich auf eine gewisse Art der Wahrheit lege, damit man es darinnen weiter bringe, als sich sonst thun lässet; so ist doch dienlich, daß diejenige Person, welche über die Academie der Wissenschafften Aufsicht hat, und der Präsident genennet wird, in allen Arten der Wissenschafften wohl geübet ist, damit sie nicht allein alles wohl anordnen kan, was von einem jeden vorzunehmen, sondern auch dasjenige, was von den Mitgliedern eingebracht wird, gründlich zu untersuchen geschickt ist, wo einige Schwierigkeiten sich noch finden, dieselbe anzeigen, und sie zu heben geschickte Anschläge geben kan.  
  Über dieses, da alle Wahrheiten mit einander verknüpffet sind, so muß derjenige in allen Arten derselben geübet seyn, der sie mit einander verbinden und in eine gründliche Ordnung bringen will. Und dieses könnte demnach dem Präsidenten überlassen werden, weil er aus den andern vorhin angezeigten Ursachen in allen Arten der Wahrheiten geübet seyn muß, welches die andern Mitglieder eben nicht so sehr, wie er, von nöthen haben. Über dieses giebt es auch demselben so wohl bey den Mitgliedern, als bey auswärtigen ein nicht geringes Ansehen, wenn er ein Mann ist, der in so vielerley Arten der Wissenschafften eine gründliche Erkenntniß hat.  
     
  Nutzen solcher Academien.  
  Weil die Academie der Wissenschafften alle Wahrheiten sammlet, die in allen Schrifften aller Zeiten, und sonst unter den Menschen von allerley Lebens-Arten anzutreffen, so kan man durch sie eine vollständige und richtige Historie der Gelehrten oder der Künste und Wissenschafften erhalten, daran nicht wenig gelegen ist. Durch sie bekommet man die Wissenschafften der Künste, daran abermahls dem menschlichen Geschlechte und einem Staate nicht wenig gelegen ist. Durch sie bekommt man die besten Bücher in allen Wissenschafften zum Unterricht so wohl der Anfänger, als auch derjenigen, die es darinnen weit bringen wollen; woran abermahls dem menschlichen Geschlechte, und auch dem gemeinen Wesen nicht ein geringes gelegen.  
  Und weil sie alle Meynungen bey Seite setzet, und keine Wahrheit annimmet, als die sie durch richtige Beweise ausgemacht, und durch untrügliche Proben bestätiget; so würden die Irrthümer und Träume derer, die nicht gründlich gelehrt sind, und insgemein viel Schaden und Verwirrung anrichten, mit der Zeit endlich gar ausgerottet. Solchergestalt hat man Hoffnung, daß mit der Zeit gründlich gelehrte Leute erzogen werden,  
  {Sp. 1523|S. 775}  
  die man mit grossem Vortheile in allen Ständen zum Besten des gemeinen Wesens gebrauchen kan. Da sie alle Wahrheiten untersuchet; so hat man auch Hoffnung, daß die Artzney-Kunst zu Beförderung und Wiederbringung der Gesundheit des Menschen, die zur Zeit noch so grossen Mängeln unterworffen ist, in einen bessern Stand gesetzet wird: woran sonderlich denen Hohen in der Welt viel gelegen. Und da sie sich auch um die Wahrheiten bekümmert, die zur Einrichtung und Erhaltung eines Staats gehören; so hat auch das gemeine Wesen viel Vortheile von ihr zu erwarten. Mit einem Worte, da alles sich auf richtige Erkenntniß der Wahrheit gründet, was der Mensch vornehmen kan; so liesse sich gar leicht erweisen, wenn wir alles aus seinen ersten Gründen auszuführen die Erlaubniß hätten, wie die Glückseligkeit des menschlichen Geschlechts und aller Stände unter ihnen von einer wohleingerichteten Academie der Wissenschafften dependiret.  
  Von ihren Nutzen in Ansehung der Beförderung der Wissenschafften ist auch bereits in dem Artickel: Wissenschafften, eines und das andere beygebracht worden. Wolffs vernünfftige Gedancken von dem Gesellschaftl. Leben der Menschen …  
  Historie der Academien und Societäten der Wissenschafften. Von denen Geschichten solcher Academien und Societäten lese man Christoph Haymanns kurtzgefaste Geschichte der vornehmsten Gesellschafften der Gelehrten von den ältesten Zeiten an bis auf die gegenwärtige, Leipzig 1743 in 8.
  So ist auch in dem Artickel: Wissenschafften, bey Anzeigung des Wachsthums und Aufnehmens der Wissenschafften, die neuere Historie solcher Academien und Wissenschafften in den letztern Jahrhunderten, kürtzlich mitgenommen worden; gleichwie man auch von denen vornehmsten Academien und Societäten besondere Artickel in diesem Lexico an gehörigen Orten findet.  
  Übrigens verdienen hier die Sermones in primo solemni Academiae Scientiarum … (Petersburg in 4) aufgeschlagen zu werden, deren erstere Rede, so den vortrefflichen Herrn Georg Bernhard Bülfinger zum Verfasser hat, eine kurtze Historie der Wissenschafften in Europa, von ihrem ersten Anfange an, bis auf die Zeiten, darinnen man Academien der Wissenschafften gestifftet hat, ertheilet. Darauf beschreibt der Herr Verfasser eine solche Academie der Wissenschafften nach allen Pflichten, die sie beobachten soll, und schreibt Regeln vor, nach denen sich die Glieder in ihren Arbeiten richten müssen, beantwortet auch die Einwürffe, daß der Natur durch Nachdencken nicht geholffen werde, daß die besten Erfindungen von ungefehr gemachet wurden u.a.m. Siehe Bibliotheque Germanique … und Nöthigen Beytrag zu den neuen Zeitungen von Gelehrten Sachen, Bd. I
     

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Stand: 8. April 2013 © Hans-Walter Pries