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Zedler: Meer HIS-Data
5028-20-152-4
Titel: Meer
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 20 Sp. 152
Jahr: 1739
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 20 S. 89
Vorheriger Artikel: Meenen
Folgender Artikel: Meer siehe Archipelagus
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Stichworte Text Quellenangaben
  Meer, See, Lat. Mare, Pontus, Frantzös. Mer.  
  Von dem Meer müssen wir eine zweyfache Betrachtung anstellen, eine natürliche und eine moralische.  
Natur Bey jener, oder bey der natürlichen untersuchen wir die Beschaffenheit des Meeres an sich selbst. Es ist solches die grosse Versammlung der Wasser, wovon die Erde allenthalben umgeben wird, und beyde mit einander eine Kugel machen.  
  Es wird das grosse Welt-Meer auch der Ocean genennet, und hat nach den Theilen der Welt, die es anspület, verschiedene Beynahmen, daß es eine  
   
  See heisset. Die besondern Theile davon sind die Meer-Busen und die Meer-Engen.  
  Ein Meer-Busen ist ein Stück des Meeres, das mit Land umfangen, nur einen Eingang hat, zu denen gezehlet werden mögen,  
 
  • das Mittelländische Meer zwischen Europa, Asia und Africa,
  • die Ost-See zwischen Deutschland und Schweden,
  • das rothe Meer zwischen Asien und Africa,
  • der Persische Meer-Busen zwischen Arabien und Indien,
  • u.s.w.
 
  Die kleinern, welche gar vielfältig anzutreffen, heissen die Seefahrenden Bayen oder auch Buchten.  
  Eine Meer-Enge ist ein nicht gar breiter Durchgang zwischen  
  {Sp. 153|S. 90}  
  zweyen Ländern, der zwey grössere Wasser zusammen hänget, die berühmtesten sind  
 
  • der Sund, so die Nord- und Ost-See,
  • der Canal zwischen Franckreich und Engelland, so die Nord- und Spanische See,
  • die Enge von Gibraltar zwischen Spanien und Africa, insgemein die Strasse genannt, so die Spanische mit der Mittelländischen Seee vereiniget.
 
  Doch auf das Meer selber zu kommen; so haben wir dessen Ursprung so wohl, als auch dessen Beschaffenheiten und Eigenschafften in Erwägung zu ziehen.  
  Was den Ursprung anlanget; so hält man billig dafür, daß das Meer mit dem Erdboden zu gleicher Zeit entstanden; Thomas Burnet aber, wie er sich in seiner telluris theoria sacra bemühet, einen sehr grossen Unterscheid zwischen der Erde, wie sie vor der Sündfluth beschaffen gewesen, und wie sie heutiges Tages aussiehet, anzuzeigen; also meinet er, daß die äusserste crusta der Erden durch die allzugrosse und beständige Hitze der Sonnen Spalte zu bekommen angefangen, und nachdem eben durch die Sonne aus dem Abgrund die Dünste aufgestiegen, so habe sich die Erde in Stücke getheilet, und als selbige mit Gewalt in den Abgrund gesuncken, so wäre auf solche Art das Meer herfür kommen, welches nach seiner Hypothesi nichts anders, als ein Theil des alten Abgrunds ist, dahin keine Stücke der Erden kommen, und nachdem der Unterscheid der untern und obern Gegend entweder mit Wasser oder Lufft auszufüllen. Es ist aber diese Meinung von verschiedenen wiederleget worden.  
  Bey der Beschaffenheit des Meeres werden folgende Eigenschafften untersuchet:  
 
1) dessen grosse Ründe, daß es mit der Erden eine Ründe machet, oder aller Orten gleich weit von dem Centro der Erden abstehet, folglich bilden sich einige fälschlich ein, daß das Meer höher, als die Erde gelegen, und gleichsam einen Hügel mache, weil es dem Auge, wenn es vom Lande dahin siehet, also vorkommt, da es doch nur bloß so scheinet, indem das äusserste des Meers wegen seiner Entfernung unter einem schärffern Winckel gesehen wird, wie aus den Lehren der Optick zu erweisen.
 
 
Daß aber die Fläche des Meeres rund sey, hat einen andern Grund, nehmlich weil es wegen seiner Flüßigkeit sich allezeit in der Ebemeage oder Horizontalen Gleichheit zu halten strebet; diese aber darinnen bestehet, daß alle dessen Theile in gleicher Weite von dem Mittel-Punct des Erd-Ballens bestehen, daher es denn nothwendig eine Kugel-Fläche annehmen muß.
 
 
Und dieses ist auch die Ursache, warum es in seinen Ufern bleibt, und den Erdboden nicht überschwemmet. Denn der weise Schöpffer hat es bereits selbst also geordnet, daß die Erde wegen ihrer Festigkeit eine Ungleichheit an ihrer Fläche behält, die mehr oder weniger zu spüren, nachdem der Boden eben oder bergicht ist. Solte nun das Meer, auch wo die Ufer am niedrigsten sind, über dieselben austreten; so müste sich das Wasser aus seiner Ebemeage begeben und gleichsam Bergan lauffen.
 
 
Ein anders ist, wenn das Meer durch Sturm erreget sich dergestalt erhebt, daß es seine gewöhnliche Grentzen überschreitet.
 
 
2) Dessen Saltzigkeit, daß das Meer-Wasser saltzig sey, ist eine bekannte Sache; die Ursache aber davon verborgen.
 
 
Aristoteles Lib. II. c. 2. Meteorol. meinet, es werde das Meer-Wasser durch die starck
 
  {Sp. 154}  
 
darauf liegende Sonnen- Hitze gleichsam angebrannt, daß es davon bitter und gesaltzen werde, und stellt sich mit seinen Anhängern die Sache, wie mit einer Fleisch-Suppe für, welche allezeit saltziger wird, ie mehr sie einkochet; sie bedachten aber nicht, daß eine solche Brühe nicht durch das Einsieden saltzig würde, wenn nicht zuvor in der Brühe Saltz wäre. Es wiederleget diese Meinung die Erfahrung, weil auf solche Art alle stehende Wasser saltzig werden; hingegen das äuserste Nord- und Eiß-Meer süß seyn müste. Die Sonne wirfft ebenfalls ihre Strahlen auf die Flüsse, Seen und Brunnen; man spürt aber nicht, daß sie davon saltzig werden.
 
 
Andere wollen, daß unter dem Wasser, wie in der Erden, Saltz-Steine lägen, durch deren Anspülen das Meer saltzig würde, wohin die Gedancken des Gassendi in animadvers. in Diogen. Laërt. gehen. Aber auch diese Meinung will nicht allen anstehen. Denn einige wenden ein, es müsse solcher gestalt das Meer entweder immer saltziger; oder wenn die vermeinten Saltz-Berge endlich zerschmeltzen, wieder süß werden.
 
 
Die neuern Naturkündiger, weil sie zugeben müssen, daß ein wahres Saltz in dem Meerwasser enthalten, indem es durch Abrauchen daraus geschieden; daneben aber auch eine Bitterkeit darinnen verspüret wird, schreiben solches gewissen also beschaffenden Theilen, die in der Erde stecken, und durch das Wasser gleichsam heraus gelanget und angezogen werden, zu. Daß aber solche saltzige und erdeneTheile, weil sie an sich selbst schwerer, als das Wasser sind, darinnen schwimmend bleiben, und sich nicht endlich auf den Boden setzen, soll von der unabläßlichen Bewegung der Meer-Fluthen herkommen. Ob aber wohl das Meer saltzig, so ist es doch an einigen Orten saltziger, als an andern, dessen Wasser auch viel schwerer ist, als das süsse in den Flüssen und Seen.
Die Meinungen unterschiedener Philosophen, sonderlich des Aristotelis, von der Saltzigkeit des Meeres untersuchet Basson in philosophia naturali ...
 
Daß das Meer-Wasser, wenn es gefriere, seine Saltzigkeit verliere und süß werde, hat zu erst Thomas Bartholinus in observationibus de usu nimis medico ... angemercket,
welches auch Samuel Reyher wahrgenommen, und die Ursachen davon in einem eignen Tractat unter dem Titel: experimentum novum, quo aquae marinae dulcedo examinata describitur, 1697. untersuchet.
 
Wieder das Meer-Wasser trinckbar zu machen, davon lese man das Journal des Scavans 1718 ...
 
 
3) Bewegung, welche ausser der, so durch Winde und Stürme verursachet wird, mannigfaltig ist.
 
 
Denn sie halten entweder geraden Lauff, oder drehen sich im Wirbel, oder werden erschüttert.
 
 
Der gerade Lauff ist ordentlich oder ausserordentlich. Den ordentlichen macht Athanasius Kircher in dem mundo subterraneo vierfach, davon der eine sey der immerwährende, welche an allen Orten des Welt- Meers, doch ie näher dem Äquator, ie stärcker verspüret werde, gehe von Osten nach Westen, und weil er also der scheinbaren Bewegung der Sonnen folge, werde sie vor dessen Ursache gehalten.
 
 
Der andere sey halbjährig, gehe von Süden nach Norden, und von Norden wieder nach Sü-
 
  {Sp. 155|S. 91}  
 
den, werde vornehmlich in dem Indianischen Ocean vermercket, und bey denen daselbst anzustellenden Schifffahrten fleißig in acht genommen.
 
 
Die dritte Bewegung sey die Monathliche Veränderung des Meeres, da es nach dem Ab- und Zunehmen des Monds höher oder niedriger werde, und die vierdte sey, die alle Tage zweymahl abwechselnde Ebbe und Fluth, davon an gehörigem Orte gehandelt worden.
 
 
Die ausserordentlichen Bewegungen des Meers sind die von den Holländern sogenannten Ströme, bey den Frantzosen Courans, die an gewissen Orten und Ufern ihren besondern Lauff haben.
Des Isaaci Voßii Buch de motu marium et ventorum ist zu Haag 1663 heraus gekommen.
 
Die Meer-Wirbel und Schlunde sind unterschiedlich, indem etliche sich allein umdrehen; andere, was sie ergreiffen können, in den Abgrund verschlingen, andere das verschlungene an demselben oder an einem andern Orte wieder auswerffen.
 
 
Die Ursachen dieser Art der Bewegung sind noch nicht erkundet worden. Bey den Alten waren die Scylla und Charybdis zwischen Sicilien und Calabrien berühmt. In der Nord-See ist der Malstrohm oder Moskestrohm unweit Drontheim bekannt, der 12 Meilen im Umkreis haben soll.
 
 
Die Erschütterung des Meers geschiehet durch die darinnen aufsteigende Dämpffe, wenn dieselbe freye Lufft suchen, und darüber in dem Meer, so wie an der Erden ein Erdbeben verursachen.
 
  Die Farbe des Meer-Wassers ist bey Tage grün, wiewohl an einem Orte lichter, oder dunckler, als am andern, weil sie zuweilen in blau, auch wohl in schwartz fället. Bey Nacht, wenn das Wasser an das Schiff oder an Felsen stöst, sprützet und schäumet, giebt es einen Schein und gleichsam Funcken von sich. Daher die Schiffsleute alsdenn sagen, daß die Klippen oder Bancken brennen. Die Ursache hiervon wird insgemein den darinn befindlichen Saltze beygeleget.  
  Daß übrigens alle Flüsse von dem Meer entstehen, und endlich wieder in das Meer fallen, hat schon Salomo gezeuget. Beydes aber ist wunderbar. Das erste, weil man weiß, daß auf den höchsten Bergen Quellen entspringen, dahin das Wasser wieder seine Natur aufsteigen müste. Hierüber hat der fleißige Kircher ihm grosse Mühe gegeben, zu beglaubigen, wie es möglich sey, daß durch gewisses Drucken der Last des Meer-Wassers, und durch die besondere Einrichtung der Klüffte, durch welche es getrieben wird, dasselbe also aufsteige, sich in den Behältern, so die Natur ihm in den Gebürgen bereitet, sammle, und von dannen durch andere Klüffte und Röhren vertheilet, in Bächen und Flüssen wieder ablauffe. Das letzte, weil ungeachtet des ungeheuren Zuflusses von so vielen grossen Ströhmen das Meer dennoch nicht völler wird. Wiewohl wenn das erste seine Richtigkeit hat, diese Schwürigkeit zugleich gehoben wird, weil solcher gestalt, was durch den einen Weg dem Meer zuwachsen sollte, durch den andern wieder abgehet.  
  Endlich haben sich auch noch über die Tieffe des Meers tiefsinnige Köpffe vielfältig gemartert, aber dennoch nichts gewisses ergründen können, indem einige demselben das Maas der höchsten Berge zugeschrieben, andere ein anders vorgegeben. Die Erfahrung kan auch hier nicht wohl  
  {Sp. 156}  
  die Entscheidung geben, weil mit dem Senck-Bley über 600 Klaffter tieff, nicht wohl zu gelangen, dieses aber nicht allenthalben zureichet.  
  Daß aber sonst auch noch alles, was auf Erden befindlich, im Meer anzutreffen seyn solle, ist ein gemeines aber falsches Vorgeben, welches Brown in seinen gemeinen Irrthümern nach der Länge wiederleget. Ausser den ordentlichen Büchern, so man von der Natur-Lehre hat, sind noch zu mercken, Nicol. Amanca Decad. Dissert. Marin. Franecker 1681, dessen auch Morhof in Polyhist. ... nebst einigen andern gedencket. Des Ludwig Ferdinand Marggrafens von Marsilli Histoire Physique de la Mer ist zu Amsterdam 1725 heraus gekommen, und in den Deutschen Actis Erudit. im CXIV. Th. ... recensiret.
  Sonst hat auch das grosse Welt-Meer, oder der von andern sogenannte Ocean, von seiner unterschiedenen Lage und Berührung des Erdbodens unterschiedliche Nahmen. Z.E.  
 
  • von dem Äquator an disseits der Americanischen Länder nennet man es das Mar del Nort, oder das Atlantische Meer.
  • Jenseits der Americanischen Länder aber heist es das Mar del Sur oder Mare Pacificum.
  • Unter dem Nord-Pol wird es das Eis- oder weisse Meer, und gegen Schweden und Dännemarck, nehmlich jenseits des Sundes, die Ost-See, oder Mare Balticum genennet.
  • Von dem Sund bis an den Pas de Calais heisset es das Deutsche Meer,
  • an den Küsten von Bretagne und Engelland aber das Brittanische.
  • Das Mittelländische Meer ist dasjenige, welches in die Länder hinein gehet, und Europa, Asien und Africa von einander scheidet,
    • gegen Italien heist es das Ligustische und Toscanische.
    • Das Adriatische im Golfo di Venetia;
    • das Jonische und Ägeische gegen Griechenland;
    • das weisse Meer oder Mar di Marmora, ist zwischen dem Hellespont und Bosporo;
  • und jenseit ist das schwartze Meer, oder Pontus Euxinus
 
  Man findet auch noch absonderliche Meere, z.E. das Caspische, rothe, Arabische und todte Meer, und dergleichen mehr, auch giebst fast ein iedes Land dem Meere, daran es liegt, seinen Nahmen.  
Moral Die Moralische Betrachtung, die man bey der Materie vom Meere anstellen kan, betrifft dessen Herrschafft. Denn in dem natürlichen Rechte kommt die Frage für, ob man sich über das Meer eine eigenthümliche Herrschafft anmassen könne? Verstehet man darunter das grosse Welt-Meer, welches die vier Theile der Welt, Europa, Asia Africa und America umgiebet; so ist wohl solches keiner eigenthümlichen Herrschafft fähig. Denn man findet hier die Eigenschafften nicht, welche eine Sache, die man eigenthümlich haben will, an sich haben muß.  
  Es giebet einen unerschöpflichen und vor alle Menschen zulänglichen Nutzen. Wovon aber alle Menschen gnug haben, ohne daß sie darüber streiten dürffen, das ist unnöthig sich eigenthümlich anzumassen, indem da der Endzweck und Ursach des Eigenthums mangelt.  
  So kan es auch nicht dergestalt in Verwahrung genommen werden, daß andere müsten davon bleiben, welches gleichwohl bey der Herrschafft ein nothwendiges Stück ist. Denn weil das eigentliche Wesen des Eigenthums in dem Recht andere auszu-  
  {Sp. 157|S. 92}  
  schliessen bestehet, so folget von selbsten, daß diejenige Sache, von deren Gebrauch andere nicht können abgehalten werden, des Eigenthums nicht fähig sey, doch können die Stücke des Meers, welche zum grossen Welt-Meer nicht zu rechnen, allerdings der eigenthümlichen Herrschafft unterworffen werden.  
  Als zu Anfang des vorigen Jahrhunderts zwischen den Spaniern und Holländern wegen der Freyheit der Indianischen Commercien ein grosser Streit war, welche sich die Spanier allein anmasten; so kam 1609 die Schrifft mare liberum heraus, welche den Hugo Grotium zum Verfasser hatte, ob er schon seinen Nahmen verschwiegen, der darinnen darzuthun suchte, daß man den Holländern weder nach dem göttlichen, noch menschlichen Rechte verbieten könnte, nach Indien zu schiffen. Dieses Buch wurde zu unterschiedenen mahlen gedruckt, und Grotius berührte diese Materie in dem Werck de jure belli et pacis ... wieder, worinnen er seine Meynung nicht nur weiter erläutert, sondern auch einiger massen verbessert und eingeschräncket hat.  
  Hierwieder erinnerte lange Zeit niemand etwas, biß sich zwischen dem Königes von Groß-Brittannien und den Staaten von Holland ein harter Disput wegen der Herrschafft des benachbarten Meers ereignete, bey welcher Gelegenheit Joh. Seldenus 1635 vor die Brittannier seine zwey Bücher de mari clauso herausgab, und in dem ersten überhaupt wiese, daß das Meer so wohl, als die Erde nach den Natur- und Völcker-Recht der Herrschafft fähig sey. Und obschon zuvor Ferdinand Vasquius controvers. illustr. ... dafür gehalten, daß das Eigenthum des Meers wieder das Recht der Natur sey, und Albericus Gentilis lib. 1. advocat. Hisp. ... das grosse Welt-Meer Brittannien zueignet; so ist doch dieser Streit erst recht angegangen, als Grotius und Seldenus deswegen die Feder ergriffen.  
  Des Grotii nahmen sich wieder Seldenum  
 
  • Johann Isaac Pontanus duob. discussion. historicar. libris.
  • Theod. Graswinckel in vindiciis maris liberi,
  • insonderheit wieder Burgum und Wilh. Welwoodum Ulricus Huber in digress. Justinian. diss. ... und praelect. ad institut. ...
 
  an.  
  Mit Seldeno hielten es  
 
  • Seraph de Freitas de justo imperio Lusitanor. ...
  • Burgus de dominio Genuensis reipublicae in mari Ligustico.
  • Wilh. Welwood in assert. de dominio maris ...
  • Martin Schockius in Imper. Maritim.
  • Claud. Barth. Marisotus in orbe Maritimo,
  • Jac. Gothofredus in Hypomnemat. de Imperio maris.
  • Johann Palatius de Dominio maris.
 
  Diejenigen also, welche mit denen Holländern und andern wieder den eigenthümlichen Besitz des Meers streiten, sehen das Meer überhaupt vor nichts anders, als eine gemeinschafftliche Sache an, dessen freyer und ungestörter Gebrauch einem jeden Menschen ohne die geringste Begünstigung und Einschränckung zustehe, und welche daher auch in keines eintzigen Menschen Gewalt und Eigenthum gerathen könne: Andere hingegen behaupten das Gegentheil.  
  Vor diese wird angezogen, daß das Meer in einem steten Fluß und Bewegung  
  {Sp. 158}  
  sey, dahero könne keine gewisse Materie oder Instrument eines ordentlichen Unterschiedes gefunden werden, darauf sich die erforderliche Gräntz-Scheidung, wenn wegen des Eigenthums und der damit verknüpfften Herrschafft über dasselbe Streitigkeiten entstehen, gründen könnte. Es sey auch das Meer so weit und groß, daß es allen Völckern zum Wasser-Schöpffen, zur Schiffarth, zum Fischfang und andern dergleichen Verrichtungen mehr als zu genug ist. Es würde auch durch die Bemächtigung des Meers die Freyheit der Handlung und die freye Fahrt gehemmet, die Reisen gehindert, mithin die natürliche Freyheit geschmälert, welche auch durch Krieg zu behaupten zugelassen ist.  
  Welche aber etwas mehrers einräumen wollen, die geben endlich die Herrschafft auf einem Theil des Meers, so weit es ein gewisses Erdreich befliesset, und deren Ufer daran lieget, nicht aber über den Ocean oder das sonst so genannte grosse Welt-Meer zu. Lauterbach. ff Tit. de R.D. ...
  Andere hingegen sind der Meynung, daß die Privat-Beherrschung des Meeres und die würckliche Ausübung des damit verknüpfften Eigenthums über dasselbe, nicht minder als über andre Sachen thunlich sey:
 
Sie ziehen aber vor sich an die Heil. Schrifft.
  • 1 B. Mose I 26. und IX v. 2.
  • Ezech. XXVI. 16. C. XXVII. 3
  • Esai XXVI. 4.
  • Nah. III. 8.
  • Psalm. LXXXIX. 26.
 
2) beruffen sie sich auf die Exempel vieler alten Könige und Völcker, welche das Eigenthum und die Herrschafft über das Meer gehabt haben, als die Pelasger Thracier, Phrygier, Caprier, Phönicier, Ägyptier; Wie denn bey dem Cornelius Nepos in Timotheo zu lesen ist, daß die Athenienser mit den Lacedämoniern wegen der Meerherrschaft Krieg geführet.
Beiehe auch hierbey, was von den Tyriern Curtius Lib. IV. von den Carthaginensern Polybius Lib. I. Histor. ...  gedencket.
 
Und von den Römern sagt Florus ... ausdrücklich, daß sie sich der Gewalt angemasset, denen Seefahrenden Gesetze vorzuschreiben. Sie führen auch neuere Exempel an, nehmlich
 
 
  • derer Venetianer, welche sich das Eigenthum und die Herrschafft über das Adriatische Meer;
  • des Königs in Engelland, welcher gleiches an dem Brittannischen Meer;
  • der Könige in Spanien und Portugall an den grossen Ocean;
  • der König in Dännemarck an der Baltisch- und Norwegischen See;
  • der Türckische Kayser an dem schwartz- und rothen Meer,
 
 
zueignen.
 
 
3) Die Grösse und Weitläufftigkeit eines Dings hindere den eigenthümlichen Besitz desselben nicht, und diese benehme auch dem Gebrauch des Meers nichts, massen der Gebrauch und die Nutzung desselben zwar allen gemein, das Eigenthum über dasselbe aber gleichwohl einer Republick oder Staat zukommen kan
 
 
4) Die Insuln, Ufer und Vorgebürge wären nichts anders als gewisse Gräntzen, wornach das Meer gar wohl könne abgetheilet werden.
Sprüchw. VIII, 29.
 
5) Von der freyen Schiffahrt lasse sich nicht auf die Herrschafft über das Meer schlüssen. Jene kan seyn, und dennoch jemand das Eigenthum über das Meer haben; Die Verstattung einer freyen Durchfahrt im Meer, giebt dem Schiffer nicht mehr Recht, als dem Fuhrmann, der durch eines
 
  {Sp. 159|S. 93}  
 
Fürsten Land auf offener Strasse fähret. Es fordert die Freundschafft und Billigkeit, daß man denen Fremden einen unschädlichen freyen Durchzug erlaubet, deßwegen bleibet doch das Eigenthum und die Herrschafft über das Meer unverletzt; Angesehen das Meer, woran Königreiche und Fürstenthümer stossen, und also zum Theile, oder wie es sonst genannt wird, das Mare internum, eingenommen und besessen werden kan.
 
 
Denn dis bezeugen die heut zu Tage von denen Holländern gegen die Englische Schiffe brauchende Segelstreichung und Zahlung eines gewissen Stücke Geldes vor den Heringfang; sintemahlen solches Segelstreichen nicht ein blosses Zeichen der Ehrerbietung, als welches nur von der obersten Flagge am Mittel-Mast zu verstehen ist, sondern vielmehr eine würckliche Erkänntniß und Bekänntniß des Eigenthums andeutet, weil das grosse oder Topp-Segel niedergelassen wird.
Stryk de Ind. Controvers. ...
  Wie wohl auch was die meisten Schrifft-Steller vor noch andere Handlungen, woraus man auf die Beherrschung des Meers schlüssen könne, mehr vor, als wieder dieselbe streitet, dahin gehören nun nicht allein diejenigen, welche dergleichen Herrschafften gewisser Königreiche und Republicken untersuchet, oder besondere Dissertationen davon geschrieben, als Strauch Conring, Schurtzfleisch, Rötenbec, Schwartz, sondern auch die Schrifft-Verfasser, so vom natürlichen Rechte gehandelt, insonderheit Pufendorf de jure nat. et gent. ... nebst den Auslegern des Grotii.  
  Überhaupt haben diese Materie, was vornehmlich zur Historie derselben dienet,  
 
  • Boecler comment. ad Grot. ...
  • Kulpisius Coll. Grot. ...
  • Bose introd. ad not. rer. publ. ...
  • Buddeus hist. jur. natur. ...
  • Hochstetter coll. Pufend. ...
  • Struve bibl. phil. ...
  • Crusius ad Sarcmasian. ...
  • Schwartz Specim. 3. ad controv. jur. nat. et gentium
 
  berühret. Der Auctor der Bibliothecae juris imperantium quadripartitae ...
     

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Stand: 7. März 2014 © Hans-Walter Pries