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Zedler: Religion (Reformirte) HIS-Data
5028-31-497-16
Titel: Religion (Reformirte)
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 31 Sp. 497-508
Jahr: 1742
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 31 S. 262-267
Vorheriger Artikel: Religion (Protestantische)
Folgender Artikel: Religion (Römisch-Catholische)
Siehe auch:
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen

  Text Quellenangaben
  Religion (Reformirte) heisset die Lehre, so Zwinglius um das Jahr 1519 zuerst in der Schweitz aufgebracht; Calvinus aber hernach in der Picardie und zu Genf fortgesetzet hat.  
  Anfangs wurde sie die Zwinglianische Religion, hernach aber die Calvinische Religion, und endlich die Reformirte Religion genennet.  
  Reformierte sind also diejenigen, die obgedachter Lehre Beyfall geben und die Schweitzerische Confeßion angenommen haben, welche erstlich zu Basel im Jahr 1530 aufgesetzet, und hernach von allen Reformirten Cantons zu Arau approbiret, und endlich auch von andern ausländischen Reformirten Kirchen unterschrieben worden.  
  Die Calvinisten oder Reformirten werden in Franckreich Hugonotten, und in Engelland Puritaner genennet. In Deutschland werden sie unter dem Namen der Protestanten mit begriffen.  
  Was die Geschichte der Trennung dieser Kirche von der Lutherischen anlanget, so muß man zwey Haupt Periodos machen:  
 
1) wie der Streit ist geführet worden vom Anfang der
 
  {Sp. 498}  
 
  Reformation, biß auf Calvinum, da nur vom Abendmahl und Communicatione Idiomatum disputiret ward,
2) unter Calvino, der den Artickel de Praedestinatione hinzu fügte, und dadurch die Trennung beförderte.
 
  Was das erste anlanget, so giebt man Carlstadten die Schuld, und es ist wohl an dem, daß Carlstadt viel Gelegenheit darzu gegeben, aber der erste, der ihn anfieng, war Zwinglius, Prediger zu Zürch, ein gelehrter Mann. Er reformirte die Schweitz, sonderlich die Transubstantiation, aber er fiel hier aufs andere Extremum, und sagte, Brodt und Wein wäre nur Symbola. Er trug dieß in öffentlichen Büchern vor, und fand viel Anhänger.  
  Zwinglius gestehet, daß ihn ein Traum zu dieser Meynung veranlasset. Nemlich er wäre bekümmert gewesen, wie er die Worte vom Brodt und Wein erklären solte, und ihm wäre im Traum ein Geist erschienen, welcher gesagt, er solle nur das XI Capitel des 2 B. Mose aufschlagen, da vom Passah die Rede wäre: da ist der Ausgang aus Egypten, welches doch nur ein Zeichen gewesen, also wäre es auch hier. Er fügte noch bey, er wisse nicht, ob der Geist schwartz oder weiß gewesen; und daher haben ihn die Lutherischen Theologen aufgezogen, ja einige gar fürgeworffen, es habe ihm ein böser Geist diese Meynung eingegeben. Doch braucht es nicht so weit zu gehen, denn Zwinglius, der immer auf diese Meynung dachte, konnte leicht dergleichen Traum haben.  
  Es hätte aber dieser Streit vielleicht noch in der Güte können beygelegt werden, wo nicht Carlstadt Zwinglio beygepflichtet, und dadurch Gelegenheit zu Streit gegeben hätte. Er kam mit Luthern zusammen, der von Wartburg nach Wittenberg gekommen war, und erst mit ihm mündlich disputirte; und da sich Carlstadt nicht bequemen wolte, so warff ihm Luther einen Handschuh zu, und forderte ihn dadurch zum Federkrieg auf. Bes. Calixti Diss. de Tolerantia Reformat.
  Man fieng also diesen Streit an, und Carlstadt, der unterdessen Professor zu Basel worden war, hatte Zwinglium und die Schwäbischen und im Oberreiche liegende Ländern zum Anhange, Luther Ober-Sachsen und das gantze Niederreich, wenigstens das mehreste. Luther schrieb in diesem Streit ein Buch, daß die Worte, das ist mein Leib, noch feste stehen. Es kommt hier die Frage vor: ob Luthers Meynung Zwinglius iemahls angenommen? Die Reformirten läugnen es, die Lutherischen bejahen es. Bes. Löschers Hist. motuum.
  Man kan es entscheiden, wenn man nur die Auslegung der Worte der Einsetzung beyder ansiehet. Zwinglius sagt, es sey hier Symbolice zu verstehen, die Lutherischen sagen, es sey würcklich Christi Leib und Blut gegenwärtig. So contrair sich auch diese Meynungen scheinen, so wäre es doch vielleicht nicht zu einem solchen weitläufftigen Streit gekommen, wo nicht Carlstadt Zwinglii Meynung gebilliget, und dadurch Öl ins Feuer gegossen hätte. Diese Händel brachten dem Evangelio wenig Nutzen.  
  Zwinglii Parthey war in Schweitz, Oberreich, Franckreich etc. sehr mächtig, und alle Theologi dieser Orten waren mit ihm eins. Luthers Parthey war noch mächtiger. Theologi und Politici sahen wohl, was dieser  
  {Sp. 499|S. 263}  
  Streit vor Schaden nach sich zöge. Unter jenen suchte dahero Bucerus den Streit zu heben. Er suchte die Meynung Zwinglii und Luthers zu vereinigen, machte es aber schlimmer als besser, in dem er die Worte der Einsetzung auf Schrauben setzte. Ausser ihm haben sich auch die übrigen Theologi in Straßburg Mühe gegeben, hauptsächlich Wolffgang Fabricius, Capito und Hedio.  
  Die Sache blieb aber unausgemacht, und daher nahm sich der Landgraf Philipp von Hessen des Handels an, und wolte beyde Partheyen vereinigen, eben auf solche Art als heute, da iede Parthey ihre Meynung behalten, doch nur die andern für Brüder erkennen sollen. Dieß war so schlimm nicht, denn wäre dieß geschehen, so hätte man den Catholischen können besser entgegen gehen, und wäre auch wohl geschehen, wo nicht Schwenckfeld neuen Lerm gemacht hätte. Es war dieß ein Schlesischer Edelmann, und ist von einem andern Caspar Schwenckfeld, der ein Medicus war, zu unterscheiden. Bes. Wittens Diar. biograph.
  Dieser Schwenckfeld trieb die Reformation zu hoch, und wolte mit der Lehre zugleich das Leben reformiren; als dieß nicht sogleich angieng, machte er sich eine neue Lehre, und setzte ein innerlich Licht, welches im Hertzen mehr Unterricht geben könnte, als die heilige Schrifft. Nach diesem Principio lebte er, und sein Wandel war sehr gut, fand auch viel Anhänger, welche sich allerhand Offenbarungen rühmeten. Bes. Arnolds Kirchen- und Ketzer- Historie.
  Er selbst schrieb viel Bücher, und diese haben seine Anhänger sehr sorgfältig aufgehoben, dahero sind sie rar, ja der Jesuiten Aufsicht macht sie noch rarer, welche sie suchen durch Feuer gantz auszutilgen; Schwenckfeld defendirte die Meynung Zwinglii im Puncte vom Abendmahl, und machte dadurch den Streit grösser.  
  In Schwaben kam 1525 das so berühmte Syngramma Svevicum heraus, worinnen Zwinglii Meynung verworffen wird. Der Urheber davon ist Johann Brentius. Es hat solches Pfaff in seinem Buch de actis et scriptis eccles. Suev. wieder aufgeleget.  
  Bey so gestalten Sachen veranstaltete Philipp Magnanimus ein Colloquium zu Marpurg 1529, da Luther, Bucerus, Melanchthon, Zwinglius, Oecolampadius zugegen waren. Es gieng auf diesem Colloquiuo sehr friedlich her. Man beschuldigte Zwinglium nicht nur wegen des Puncts vom Abendmahl, sondern auch wegen der Gnade Gottes, und diß daher: Es hatte Zwinglius Francisco in einem Briefe geschrieben, er würde im Himmel Herculem, Socratem etc. sprechen; und da er das lehrete, machte er sich des Pelagianismi theilhafftig. Allein Zwinglius verantwortete sich hier so wohl, daß man ihm nicht ankommen konnte. Also kam es nur auf den Punct vom Abendmahl an, und nach langem Disputiren konnte man sich doch nicht vergleichen.  
  Der Ausgang war, daß gewisse Puncte aufgesetzet wurden, man hätte sich zwar nicht gäntzlich verglichen, doch erkennte man sich vor Brüder und Freunde; welche Luther und Zwinglius unterschrieben. Und es hat dieses Colloquium der Lutherischen Kirche mehr Schaden als Nutzen gebracht: denn es fieng nach diesem Philipp Magnanimus an, auf die Seite Zwing-  
  {Sp. 500}  
  lii zu hincken. Bes. Schelhorns Amoenit. liter. P. V.
  Beyläuffig ist zu erinnern, daß Calvinus eine gantz andere Lehre vom Abendmahl gehabt, als Zwinglius, und sich Mühe gegeben, Zwinglii und Oecolampadii ihre zu vereinigen. Es ist auch dieß nicht zu vergessen, daß die heutigen Schwenckfeldianer, deren es noch in Schlesien giebt, von ihrem Urheber gantz abgegangen. Es hat Janus, Professor in Wittenberg, ihr Glaubens-Bekänntniß besonders, und auch in einer Dissertation von der Verfolgung dieser Leute heraus gegeben.  
  Auf dem Reichstage zu Regenspurg 1530 wurden die Bekänntnisse der Reformirten nicht angenommen, und nachmahls schloß man auch die Schweitzerisch-gesinnten aus dem Bunde aus. Der Vergleich auf dem Colloquiuo zu Marpurg bestund, wie gedacht, darinnen, daß man Frieden halten wolte: also hätten die Schweitzerischen Theologi ihre Confeßion zugleich mit der Lutherischen ihrer vereinigen können, weil sie sehr moderat; aber sie wolten nicht, und setzten zwey Confeßiones auf: die erste war Tetrapolitana, von den vier Städten Straßburg, Lindau, Costnitz, Memmingen. Diese Confeßion stehet noch in Syntagmate Confessionum, welches die Reformirten zu Genev heraus gegeben, sonst ist sie sehr rar. Sie ist so aufgesetzt, daß zwar Zwinglii Lehre nicht offenbar vorgetragen wird, doch ist sie zweiffelhafft, und kan im Puncte vom Abendmahl mehr auf Zwinglii als Luthers Sinn gezogen werden. Bes. Wernsdorffs Diss. de hac confessione, und Schelhorn im VI Theile Amoenit. literar.
  Sie ward auf dem Reichstage übergeben, aber zurück gewiesen. Philipp Magnanimus bemühete sich hierauf die Streitenden zu vergleichen, und Bucerus war auf diesem Reichstag auch geneiget darzu; Melanchthon aber, weil ihm das Colloquium zu Marpurg noch im Sinne lag, wolte nicht, daher blieben beyde Kirchen abgesondert, und die Schweitzer wurden, wie gedacht, vom Schmalkaldischen Bunde ausgeschlossen. Bucerus gab sich noch immer Mühe, und brachte es endlich dahin, daß die Schweitzerische Parthey nach Wittenberg kam, wo endlich von Luthern, der wegen Kranckheit nicht reisen konnte, ein Vergleich aufgesetzet wurde, da man sich accommodirte.  
  Der Haupt-Punct vom Abendmahl ward in Ansehung der Schweitzerischen Gottesgelehrten so eingerichtet, daß ob sie schon die Art und Weise nicht wusten, dennoch die wahre Gegenwart Christi im Abendmahl glaubten. Dieß heist Concordia Wittebergensis, und die Oberländer nahmen diesen Vergleich an, welcher auch geblieben. Denn von dieser Zeit an haben sich die Oberländer beständig zu Luthers Parthey gehalten.  
  Johann Sturm, der ein Schweitzer war, wolte zwar in Straßburg, und so gar auf der Academie, Zwinglii Meynung einführen, aber die Theologi, sonderlich Johann Bachus, haben sich widersetzet, doch ist kein öffentlicher Streit wieder entstanden, ob sich gleich im Elsaß bisweilen welche gefunden, die sich niemahls recht erkläret.  
  Dieser Handel aber verdarb die Sache völlig mit den Schweitzern, welche ein würcklich Schisma machten. Es kam die Schweitzer die Reue an, und sind einige ietzige Theologi, die da sagen, wenn  
  {Sp. 501|S. 264}  
  sie dazumahl gelebet, wolten sie Concordiam Wittebergensem von Hertzen gerne eingegangen seyn. Ja die Schweitzer selbst wollen sich gerne accommodiren, wenn die Lutherischen Theologi diese Formul mit unterschreiben wollen, und zeigen dadurch, daß ihre Vorfahren nicht behutsam genug in dieser Sache gewesen.  
  Unter Luthern wurden zwar die Streitigkeiten mit den Schweitzern scharff getrieben, doch kam es nicht zur Trennung, im Gegentheil siehet man aus gewechselten Briefen, daß sie sich Fratres genennet, kurtz vor Luthers Tode schrieb noch Calvinus einen Brief an Luthern, welcher sehr moderat und voll Respect ist: er nennet ihn Fratrem in Christo Charissimum. Es ist dieser Brief aber nach Wittenberg gekommen, da Luther schon todt war, und ist sehr rar gewesen, aber die Genever haben ihn zu unsern Zeiten in den Unions-Streitigkeiten aus dem Concept, welches sie gefunden, auf einen Bogen drucken lassen.  
  Nach Luthers Tode aber brach Calvinus loß, gieng mit den Schweitzerischen Gottesgelehrten zu Rathe, und stifftete würcklich die Lehre, welche noch heutiges Tages floriret. Man kan Calvinum in Ansehung Zwinglii nicht vor einen Anfänger dieser Lehre halten, allein in Ansehung seines Systematis, welches gantz anders eingerichtet ist, kan man ihn wohl vor den Anfänger der Genever Lehre halten.  
  In der Schweitz gab es unterschiedliche Partheyen, Zwinglianer, Oecolampadier, Carlstadienser. Hierzu kam nun Calvinus, der eine andere Mittel-Meynung vom Abendmahl zwischen Zwinglio und Luthern hatte, und, wie man aus seinen Institutionibus sehen kan, glaubte, daß ob zwar Christus nicht physice gegenwärtig wäre, so wäre er doch auf eine gewisse Art mit dem Brodte verbunden, daß die es nähmen, Christi wahrhafftig theilhafftig würden. Zwinglii Meynung ist oben erwehnet. Calvini Meynung hat die Englische Kirche, die Schweitzer aber Zwinglii. Die Zwinglianer waren erst nicht mit Calvino zufrieden, aber dieser fand endlich Mittel, sich 1549 zu vergleichen. Bes. Spon in hist. Genev.
  Es erlaubte nemlich Calvinus den Zwinglianern ihre Meynung zu behalten, sich aber behielt er dieß auch vor, hierauf poußirte er seine Lehre, und war glücklich.  
  In Engelland gieng Petrus Martyr, der eine Zeit lang Professor zu Oxford gewesen, und durch seine Klugheit Buceri Reformation wanckend, und seine feste gemacht. Aus seinen Praelectionibus vom Abendmahl siehet man, was vor Mühe er sich gegeben, die Englische Kirche zu reformiren. In Deutschland gieng es ihm auch so glücklich, daß die Pfaltz ihm beypflichtete.  
  In Franckreich lehrte Theodorus Beza auch mit grossem Nutzen, doch gehen die Frantzosen etwas in dem Artickel von derPrädestination ab.  
  Bey so gestalten Sachen stritte man wider Calvinum und Sadeelem, Professor der Theologie in Genev, und seine Anhänger, auf allen Deutschen Universitäten sehr scharff, doch verantworteten sich diese sehr nachdrücklich und mit mehrern Schrifften, als ihnen entgegen gesetzt wurden, sonderlich Bullinger, welcher doch ein Zwinglianer. Die Gemüther wurden hierdurch verbittert, und es kamen bald zwey neue Streitigkeiten darzu.  
  Die Evangelischen setzten zum Grunde, daß Christo die  
  {Sp. 502}  
  göttlichen Eigenschafften nach seiner menschlichen Natur mitgetheilet wären. Die Calvinianer läugneten dieses, und glaubten zwar unionem hypostaticam, aber keine würckliche Communicationem. Die Evangelischen beschuldigten die Calvinianer des Nestorianismi, und jene diese des Eutychianismi, und man schrieb die bittersten Schrifften gegen einander, biß endlich der dritte Streit von der Prädestination darzu kam.  
  Wie nun Calvinus ein Mann von Vernunfft war, so sahe er wohl, daß er Melanchthons Freundschafts bey seinem Unternehmen gebrauchen würde, dahero bemühete er sich sehr, diesen Mann zu gewinnen. In der Lehre von der Gnadenwahl giengs nicht an, daß Melanchthon konnte geändert werden, aber in der Lehre vom Abendmahl fieng er an, sonderlich gegen das Ende seines Lebens, zu wancken.  
  Weil sich nun seine Schüler nach ihrem Lehrmeister richteten, so geschahe es nach und nach, daß in Leipzig und Wittenberg sich viel Leute einschlichen, die es heimlich mit den Schweitzern in der Lehre vom Abendmahl hielten; diese nennete man Crypto-Calvinisten. Diese Leute liessen sich zwar bißweilen mercken, daß sie aus den Händeln mit Calvino nicht viel machten, und sie gerne beygeleget sähen, allein so deutlich durfften sie es nicht thun, weil Melanchthon und Flacius noch lebte: aber da Melanchthon todt war, und sie Freunde bey Hofe hatten, giengen sie deutlich heraus.  
  Allein mit der Zeit machten sie ihre Händel gar zu laut, und verriethen ihres Hertzens Meynung durch allerhand Schrifften, sonderlich durch einen eigenen Catechismum, der Catechismus Wittebergensi heist, darüber sie eine Exegesin schrieben, die noch ärger war. Hierwider regte sich M. Schlüsselburg zum ersten. Dieser Mann, der damahls noch ein alter Student zu Wittenberg war, merckte die Anschläge der Professorum zu Wittenberg zugleich mit einem andern Studenten, Schirmer genannt, und entdeckte sie. Darauf wachten die Niedersächsischen Theologi und aller andere auf.  
  Dem Churfürsten Augusto brachte man viele Dinge bey wider diese Leute, der denn die Sache endlich den Landständen übergab, und Jacob Andreä, Cantzler und Professor zu Tübingen, nach Sachsen berief, weil er sich auf keinen von den Seinigen hierinnen verlassen konnte. Dieser Andreä muste in Wittenberg die verdächtigen Professores abschaffen, und eine gantz andere Ordnung in Sachsen einführen: also ward auf diese Art zum ersten mahle den Händeln vorgebeuget.  
  Um aber ins künfftige die Sächsische Kirche vor solcher Gefahr zu bewahren, wurde beschlossen, eine Formul aufzusetzen, darnach man alle Candidates Ministerii prüfen, und die Prediger und Geistlichen sich richten könnten; und zwar geschahe solches erstlich wegen der innerlichen Streitigkeiten in der Kirche, und deren ein ieder müde war. Zum andern wegen der Augspurgischen Confeßion, welche zu general.  
  Man fieng also an, und es gaben sich am meisten August und Hertzog Julius Mühe, weil die Helmstädter sich sehr wieder die Crypto-Calvinisten gesetzet hatten. Es wurden sonderlich zwey Theologi ernannt, von sächsischer Seite Jacob Andreä, und von Braunschweigischer Martin Chemnitius. Es wurde ihnen aber noch vier Theologi  
  {Sp. 503|S. 265}  
  beygefüget, sonderlich der berühmte David Chyträus, der aber zuletzt selbst lieber gesehen, daß die formula concordiae zurück geblieben. Bes. Otto Schütz in libro I vitae Chytraei, darinnen auch eine schöne kurtzgefaste Hist. Formulae Concordiae.
  Man kan bald an diesem, bald an jenem Orte zusammen, weil viel Köpffe musten vereiniget werden, und der Ausgang lehrete, daß es nöthig gewesen. Erstlich kam man zu Torgau zusammen, und setzte etwas auf, welches daher Scriptum Torgense heist. Dies ward mit allen Gottesgelehrten communiciret, einige waren damit zufrieden, andere nicht; endlich nach langem streiten kam man soweit, daß 1580 im Kloster Berge bey Magdeburg die Formula Concordiae zum Stande kam.  
  Allein die Theologi, die sie verfertiget, waren zuletzt selbst nicht eins, sondern Chemnitius, der ein moderater Discipel von Melanchthon, und in vielen Stücken nicht zufrieden war, daher auch viel beygetragen, daß die Formula Concordiae in diesen Landen nicht angenommen wurde. Andreä war der Haupt-Arbeiter, und brachte sie auch zum Stande. Die Reformirten und Feinde dieser Formul nennen sie nur Spottweise Scriptum ad Formulam Bergensem, weil sie den Namen Formula Concordiae zu edel darzu halten.  
  Hierauf entstunden wegen dieser Formula Concordiae verschiedene Motus, so wohl in der Reformirten, als Lutherischen Kirche. Jene betreffend, so wurde hierdurch eine ewige Feste zwischen ihnen und den Lutherischen gesetzet. Vorher war in keinem Symbolischen Buche ihre Lehre klar verworffen, aber nun wurde dieselbe klar und deutlich nicht allein verworffen, sondern auch widerleget. Also war diese Formul ein Stachel in ihren Augen.  
  Wie sie nun ihre Correspondenten in Deutschland heimlich aller Orten hatten, so hatten sie sich alle Streitigkeiten, die dabey vorgefallen, überschreiben lassen, die sie gesammlet, und in einem dicken Folianten heraus gegeben, durch Rudolph Hospinianum in Concordia discorde. Es setzte sich ihnen aber Leonhard Hutter entgegen in seiner Concordia concorde. Sonst hat auch Lavaterus ein Buch de origine et incrementis controversiae sacramentalis herausgegeben.  
  Die Formula Concordiae blieb, und die Prediger in Sachsen musten sie unterschreiben, oder vom Dienste.  
  Indessen haben die Reformirten ihren Haß dagegen nicht fahren lassen, sondern ziehen fast in allen ihren Schrifften darauf loß. Was die Motus deswegen in der Lutherischen Kirche anlanget, so war es freylich wahr, daß die Gottesgelehrten lange genug zu Rathe gezogen, allein da die Formula fertig, wolten sie doch viele nicht annehmen: einige hatten zu viel Respect vor Melanchthon, andere waren mit einigen Meynungen derselben nicht zufrieden, andere, daß sie nicht in specie mit zu Rathe gezogen waren.  
  Unter diesen Kirchen, die sie nicht angenommen haben, sind wohl die Braunschweigischen die vornehmsten. Das vornehmste, sonderlich gegen die Reformirten, stehet im Corpore Julio, allein in einigen andern Dingen, sonderlich von der Ubiquitate, konnten die Lutherischen mit ihnen nicht eins werden.  
  Die Formula Concordiae ist auch in vielen andern Ländern nicht angenommen wor-  
  {Sp. 504}  
  den, sonderlich in denen Oberländischen Kirchen nicht. Im Brandenburgischen nahm man sie zwar an, allein nachdem man sahe, daß sie den Reformirten gar zu sehr entgegen, ist sie in dem Märckischen aus den symbolischen Büchern gestrichen worden.  
  In Holstein wolte man auch nichts von ihr wissen, wie auch in Dännemarck. In dem Dänischen Königl. Holsteinischen ist sie vor etwa 70 Jahren eingeführet; ob sie aber gleich im Fürstlich Holsteinischen nicht angenommen, so müssen doch die Prediger, wenn sie angenommen werden, einen Religions-Eyd schwören, worinnen die Reformirten abscheulich verdammet werden, daher sich viele ein Gewissen gemacht, den schweren Eyd zu schwören, und sich eine Erklärung der harten Formuln ausgebeten.  
  In Dännemarck war diese Formul im Anfange so verhaßt, daß sie der König Christian ins Feuer geworffen. Nachher aber ist sie wohl angenommen, aber die Theologi halten doch nicht viel davon. In Schweden ist sie mehrentheils angenommen, die sie aber nicht agnosciret, haben sich dennoch mit grossem Eifer den Reformirten widersetzet.  
  Noch heut zu Tage giebt es viele Feinde derselben. Es hat sie aber niemand verdächtiger gemacht, als Gottfried Arnold in seiner Kirchen- und Ketzer-Historie.  
  Nach der Einführung der Formula Concordiae, und zwar nach dem Tode des Churfürsten Augusti, haben sich die Crypto-Calvinisten doch wieder in Sachsen gesetzet. Das damalige Oberhaupt derselben war der berühmte Nicolaus Crell. Dieser wolte die Calvinisten wieder in Sachsen bringen, Leipzig und Wittenberg war schon wieder mit ihnen besetzt, und gieng alles, so lange Christian II lebete, gut, als aber dieser gestorben, und Hertzog Friedrich Wilhelm zur Regierung kam, wurden sie wieder fortgejaget, Crell beym Kopffe genommen, und enthauptet.  
  In der äusserlichen Einrichtung der Kirche sind die Reformirten in zwey Hauptstücken weiter als die Lutherischen gegangen:  
 
1) Haben sie fast alle Hierarchie abgeschafft, und die Lehrer der Kirchen einander vollkommen gleichgemacht.
2) Haben sie meist alle Ritus und Kirchen-Gebräuche weggethan, Altäre und Bilder abgeschaffet, und allen Kirchen-Zierrath verworffen.
 
  Man muß aber hierbey anmercken, daß die Englische Kirche hiervon auszunehmen ist, und daß auch in den übrigen Reformirten Kirchen es nicht in allen Stücken hierinnen gleich ist.  
  Überhaupt haben die Reformirten Geistlichen mehr Rechte und Freyheiten behalten, als die Lutherischen.  
  Die vornehmsten Lehrer der Reformirten Kirche in dem 16 Jahrhunderte sind, ausser Zwinglio und Calvino,  
 
  • Theodor Beza,
  • Johann Oecolampadius,
  • Heinrich Bullinger,
  • Petrus Martyr,
  • Rudolph Hospinianus,
  • Wolffgang Musculus,
  • Wilhelm Varellus,
  • Johann Jacob Grypäus,
  • und viele andere mehr.
 
  Unter den Engelländern ist insonderheit der Ertzbischoff Thomas Cramer bekannt. Unter den Deutschen Zacharias Ursinus, David Paräus, und einige andere mehr.  
  In Dogmaticis haben die Reformirten gedachten Jahrhunderts gar viel gearbeitet: Denn es hat nicht  
  {Sp. 505|S. 266}  
  nur Calvinus ein völlig Systema geschrieben, welches er Institutiones Religionis christianae nennet, sondern die übrigen berühmten Lehrer haben meistenstheils alle grosse Locos communes verfertiget, darinnen sie die Moral und Polemic zugleich mit abhandeln. Sie folgen aber alle der Ordnung des Calvini, die er in seinem Systemate beobachtet, welches als das Hauptbuch in diesem Jahrhunderte beständig unter den Reformirten gebraucht worden.  
  Zu ihren Dogmatischen Schrifften muß man auch ihre Confessiones rechnen, und den Heidelbergischen Catechismum. Sie haben keine General-Confeßion, die Lutherische Kirche erhält sich an die Augspurgische Confeßion, aber in der Reformirten Kirche hat keine dergleichen können eingeführet werden.  
  Die Schweitzer haben ihre Confessionem Helveticam, worzu im 17 Jahrhunderte die Formula Confessionis gekommen. In Engelland hat man auch eine besondere Confeßion, welche Burnet mit einem Commentario erläutert. In Franckreich hat man auch eine besondere. In den Niederlanden ist die bekannte Confessio Belgica aber nach dem Concilio Dordraceno, da der Heidelbergische Catechismus eingeführet, sind die Kirchen mehr vereiniget.  
  In der Moral-Theologie haben die Reformirten gar kein systema verfertiget, sondern sie haben dieselbe in der Dogmatic und in der Lehre von den 10 Geboten vorgetragen. Wilhelm Amesius ist der erste gewesen, der sich um die Moral bekümmert. Er hat zwar in der Vorrede vor seinem Buche de Conscientia von Wilhelm Theling erinnert, daß er etwas darinnen gethan, aber dieß ist sehr dunckel. Vor dem Concilio Dordraceno findet man also nichts in moralibus. Nach demselben haben Hoornbeck, Amesius, und andere sich darinnen hervor gethan.  
  In der Erklärung der Schrifft haben Calvinus, Beza, Musculus, und viele andere Reformirte Gottesgelehrte mit grossem Eyfer gearbeitet. Die meisten unter ihnen haben auch den schlimmsten Weg nicht erwählet, sondern sich sehr beflissen, den buchstäblichen Verstand der Schrifft zu untersuchen. Man giebt ihnen aber Schuld, daß sie in dieser Sache zu weit gegangen, und insonderheit hat man es Calvino sehr übel gedeutet, daß er alle Stellen der Propheten auf solche Dinge gedeutet, die zu den Zeiten des alten Testaments vorgegangen. Indessen sind doch die Reformirten bey dieser Art, die Schrifft zu erklären, geblieben, biß Johann Coccejus einen andern Weg erwählet hat.  
  Beym Anfange des 17 Jahrhunderts hat die Reformirte Kirche grossen Zuwachs gehabt: Denn ein Theil von Hessen und den Brandenburgischen Regenten haben sich zur selbigen öffentlich bekennet. Allein gegen das Ende desselben Jahrhunderts hat sie dargegen einen grossen Abbruch gelitten. Denn der König Ludewig XIV bannete alle Hugonotten aus Franckreich heraus, und nach dem Tode Carl Ludewigs hat sie auch in der Pfaltz viele Drangsale ausstehen müssen. Bes. Struvens Pfältz. Kirchen-Hist.
  Unter den Reformirten Lehrern sind in gedachtem Jahrhunderte vor andern merckwürdig,  
  1) aus den Hol-  
  {Sp. 506}  
  ländern:  
 
  • Frantz Junius,
  • Frantz Gomarus,
  • Andreas Rivetus,
  • die beyden Spanhem,
  • Johann Macovius,
  • Wilhelm Amesius,
  • Gisbert Voetius,
  • Johann Coccejus,
  • Samuel Maresius,
  • Hermann Witsius,
  • Joh. Hoornbeck,
  • Jacob Alting,
  • Hermann Alexander Roellius,
  • und andere mehr.
 
  2) unter den Deutschen:  
 
  • Abraham Scultetus,
  • Daniel Patäus,
  • Peter von Mastrich
  • etc.
 
  3) unter den Frantzosen sind bekannt:  
 
  • Petrus Molinäus,
  • Daniel Chamier,
  • Johann Camerau,
  • Johann Doläus,
  • Moses Amyraldus,
  • Samuel Bochart,
  • Edmund Albertinus,
  • Johann Claudius,
  • Stephan le Moyne,
  • Peter Jurieu,
  • Johann la Placetre,
  • Isaac Jaquelot,
  • und andere mehr.
 
  4) Unter den Engelländern:  
 
  • Johann Tillotson,
  • Gilbert Burnet,
  • Jacob Usserius,
  • Wilhelm Cave
  • etc.
 
  5) Unter den Schweitzern:  
 
  • Frantz Turretinus,
  • Johann Heinrich Hottinger,
  • Johann Heinrich Heidegger.
 
  In der Theologia dogmatica folgten die Reformirten im Anfang dieses Jahrhunderts dem Vortrage Calvini. Mann suchte zwar, sonderlich in Holland, die Scholastic einzuführen, allein das Concilium von Dordrecht verhinderte dieses Vorhaben. Um die Mitte des Jahrhunderts brachte Johann Coccejus die Föderal-Methode auf: Diese fand zwar im Anfange vielen Widerstand, aber mit der Zeit haben sich die meisten daran gewöhnet. In Engelland hat man keine gewisse Methode, und die Frantzosen binden sich auch an keine Regeln.  
  In Polemicis haben die Reformirten was grosses gethan. Die Streit-Schrifften der Frantzosen und Engelländer gegen die Catholischen haben ihresgleichen nicht. Unter jenen ist Jurieu, Claude, Chamier etc. unter diesen Bake, Tillotson, Stillingflet etc.  
  Die Holländer haben zwar gegen die Catholischen auch geschrieben, als Rivetus und Coccejus; aber sie haben sich doch mehr in den Streitigkeiten mit den Socinianern und Anabaptisten hervorgethan. Gegen die Socinianer ist Hoornbeck in seinem Sociniano refutato vortrefflich; Es ist auch Hydra Socinianismi decollata sehr bekannt. Nächst dem sind auch Kloppenburgs Schrifften sehr berühmt. Es sind auch viele Schrifften von ihnen vorhanden, welche sie gegen die Arminianer und Lutheraner herausgegeben.  
  Unter den Engelländern, Frantzosen und Holländern hat keiner gegen die letztern geschrieben, aber unter den Deutschen sind einige, als Christian Beckmann, unter dem Namen Mozom, desgleichen Wendelin, aber diesem hat Joh. Gerhard in seinen Exercitationibus Antiwendelinianis gründlich geantwortet.  
  In der Moral waren die Reformirten im Anfang dieses Jahrhunderts eben so wenig besetzt, als die Lutheraner. Wilhelm Amesius war der erste, der an die Ausbesserung der Sittenlehre gedachte. Nachmahls schrieb Johann Hoornbeck seine Theologiam practicam, dem viele andere nachfolgten. Dennoch aber haben sie bey weitem nicht so viel Fleiß, in diesem Stücke der Theologie, als die Lutheraner angewandt, die Frantzosen ausgenommen, unter denen einer und der andere nützliche Ar-  
  {Sp. 507|S. 267}  
  beiten verfertiget. Daher sind sonderlich unter den Holländern viele Streitigkeiten de rebus moralibus entstanden, die soviel Weitläufftigkeiten nicht würden gemacht haben, wenn sie die Principia der Moral besser studiret hätten.  
  Beym Anfange des 17 Jahrhunderts erklärten die Reformirten die Schrifft nach der Anleitung Calvini, der stets den buchstäblichen Verstand untersuchet. Johann Coccejus aber brachte eine gantz andere Art, die Schrifft zu erklären auf, und suchte stets die Fata des Neuen Testaments in den Prophetischen Büchern der Schrifft. Diese Methode fand viel Liebhaber, und wird noch ietzo unter den Reformirten mit grossem Eifer getrieben. Dennoch aber giebt es auch viele unter ihnen, die Calvini und Grotii Fußtapffen nachfolgen. Dies thun insonderheit die Frantzosen und Engelländer. Wiewohl auch viele der Schweitzer diesen Weg erwählet.  
  Die Haupt-Veränderung, die in der Reformirten Kirche in gedachtem Jahrhunderte vorgegangen, ist die Trennung der Arminianer von der übrigen Reformirten Kirche. Arminius konnte das absolutum Decretum nicht vertragen, und lehrte öffentlich dagegen. Er fand gleich einen grossen Anhang, aber auch viele Widersacher, sonderlich dem berühmten Frantz Gomarus. Man suchte die Händel auf alle Art beyzulegen, und es schiene, als wenn Arminius die Oberhand behalten würde: aber nach des Arminii Tode wurden seine Freunde dem Staat verdächtig, daher ward 1619 das berühmte Concilium zu Dordrecht angesetzet, worauf die Arminianer als Ketzer verdammet, und da sie ihre Meynungen nicht ändern wolten, zum Lande hinaus gewiesen worden.  
  Die übrigen Streitigkeiten der Reformirten haben bey weitem so viel Unruhe nicht angerichtet. In Franckreich hat man insonderheit mit Mose Amyraldo und seinen Anhängern zu thun gehabt, die man insgemein Universalitas hypotheticos zu nennen pfleget: desgleichen mit dem berühmten Engelländer Pagomio.  
  In Engelland sind die Streitigkeiten der Presbyterianer und Episcopalen getrieben worden.  
  In der Schweitz hat man wegen der Formula Consensus allerhand Händel angefangen.  
  In Holland sind insonderheit die Streitigkeiten mit Balthasar Beckern u. mit Hermann Alexander Roell bekannt worden.  
  Was die Geschichte der Reformirten Religion in diesem ietzigen 18 Jahrhunderte anbetrifft, so wollen wir nur die Hauptpuncte und solche gleichfalls gantz kürtzlich berühren. Und so ist denn zu mercken:  
 
1) Ihro Königl. Majestät in Preussen, Friedrichs, Glorwürdigsten Gedächtnisses, Bemühung, im Jahr 1703, obs möglich seyn wolte, die Evangelisch-Lutherische und Reformirte Kirche in eine vollkommene Religions-Einigkeit zu bringen: von welcher Sache viel Vorschläge, Schrifften und Handlungen ergangen sind.
2) Der Vergleich, so wegen der Reformirten in der Pfaltz zwischen Ihro Königl. Majestät in Preussen, und Ihro Churfl Durchl. Johann Wilhelm zu Pfaltz, geschlossen worden, im Jahr 1705.
3) Nur gedachter Majestät Bemühung zu Anfang dieses Jahrhunderts, um
 
  {Sp. 508}  
 
  auch den Reformirten das freye Religions-Exercitium in Schlesien zu verschaffen, nach dem Fuß des Alt-RanstättischenTractats.
4) Die Anordnung, daß in sämtlichen Preuß. Landen einerley Kirchen-Gebets- Formulare von den Lutheranern und Reformirten bey öffentlichem Gottesdienst gebraucht werden sollen, im Jahr 1706.
5) Die Feyerung des ersten Reformirten Jubel-Festes in Preussen am ersten Christ-Tage 1713.
6) Das in der Marck Brandenburg sich allerley Streitigkeiten herfür gethan unter den Particularisten und Universalisten, da eine Parthey die andere des Abfalls von der Lehre der ältesten Reformatorum beschuldiget. Die erste Schrifft ist gewesen D. Paul Volckmanns Theses Theologiae Reformatarum Ecclesiarum ... Es hat sich aber insonderheit Philipp Naude des Particularismi mit allem Eifer angenommen. Jedoch hat der König dem Streite so weit ein Ende gemacht, daß beyden Partheyen das Stillschweigen ist aufgeleget worden; im Jahr 1714 und 1715.
 
  Schlüßlichen bemercken wir noch die Länder, wo die Reformirte Religion floriret, als da sind  
 
1) die Königreiche Engelland und Schottland,
2) Irrland zum Theil,
3) die Herren Staaten der sieben vereinigten Niederlande,
4) ein grosser Theil von der Schweitz,
5) etwas in der Pfaltz,
6) Hessen-Cassel, sammt vielen Reformirten im Anhaltischen, Brandenburgischen etc.
 
     

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Stand: 9. Oktober 2016 © Hans-Walter Pries