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Zedler: Religon (Catholische) HIS-Data
5028-31-453-2
Titel: Religon (Catholische)
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 31 Sp. 453-465
Jahr: 1742
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 31 S. 240-246
Vorheriger Artikel: Religon (Calvinische)
Folgender Artikel: Religon (Christliche)
Siehe auch:
Hinweise:
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  Text Quellenangaben
  Religion (Catholische) oder auch Römisch-Catholische Religion, Religio Romano-Catholico, ist diejenige unter denen in dem H. Röm. Reiche obwaltenden Religionen, deren vornehmste Lehrsätze in folgendem bestehen:  
 
  • Die Christliche Lehre müsse nicht nur aus der H. Schrifft, sondern auch aus denen Traditionen gefasset, u. dahero der Verstand der H. Schrifft von dem Pabste (weswegen sie auch die Papistische Religion, die Päbstliche Religion, das Pabstthum, Pontificatus, Papismus, Papistica Religio, von denen andern Religionsverwandten iezuweilen pfleget genennet zu werden) und Conciliis geholet werden, und weil die H. Schrifft dunckel und unverständlich, so sey deren Lesung dem Läyen nicht zu gestatten;
  • Die Engel und verstorbenen Heiligen, wie auch deren Bilder und Reliquien seyen anzubeten, denn die Heiligen beten für uns und seyen unsere Mittler bey Gott;
  • Die guten Wercke müsten uns zugleich die Seligkeit verdienen, und nicht allein der Glaube mache gerecht und selig;
  • Der Mensch habe noch einen freyen Willen und genugsame Kräffte zum guten, die Erbsünde aber werde also weggenommen, daß der Mensch das Gesetz vollkommen erfüllen könne;
  • Das Abendmahl sey ein Opffer für die Lebendigen und die Todten, und den Layen nur unter einerley Gestalt des gesegneten Brodtes, welches in den Leib Christi verwandelt werde, auszutheilen;
  • In der Ohrenbeichte müsse man alle Sünde bekennen, und welche man nicht bekenne, die würden auch nicht vergeben;
  • Es sey ein Fegfeuer, darinnen diejenigen, so da selig werden wolten, für ihre noch nicht vergebenen Sünden leiden und gnung thun, oder sich durch Messen und Opera Supererogationis derer noch lebenden müsten helffen lassen, ehe sie in den Himmel eingehen könnten;
  • Es seyen sieben Sacramente;
  • Die Busse bestehe aus drey Stücken, nehmlich der Zerknirschung des Hertzens, der Bekänntniß des Mundes, und der Gnugthuung der Wercke;
  • u.d.m.
 
  Ihr fürnehmstes Glaubensbuch sind die Acta Concilii Tridentini;  
  Wie es vor und unter der von D. Luthern vorgenommenen Reformation mit der Catholischen Religion ausgesehen, ist aus dem Artickel Reformation, im XXX Bande, p. 1676 u.ff. zu erkennen.  
  Was aber deren Beschaffenheit nach der Reformation betrifft, so hat die Römische- Catholische Kirche nicht wenige Veränderung erlitten. Betrachtet man zwar das äusserliche Ansehen ihrer Kirche, so ist sie noch eben diejenige, die sie sonst war. Das Tridentinische Concil, das Canonische Recht etc. halten sie noch eben in dem Zustande als vorhin; Aber dem ohnerachtet ist doch die Gewalt der Päbste sehr gefallen, und sie haben nach der Reformation weit behutsamer gehen müssen, als sonst. Man hat Römischer Seiten nicht viel mehr mit dem Banne drohen dürfen, und die Bullen werden in Franckreich wenig geachtet. Bes. Fleuri Instit. eccles.
  In Spanien nimmt man die Bullen mit gröstem Respect an, aber wenn sie nicht anständig, legt man sie stille hin. So ist es auch in andern Ländern, ausser Italien.  
  Eben so stehet auch des Pabsts Autorität. Vor der Reformation wurde der Pabst vor infallible gehalten, nachgehends aber nicht mehr. Jetzto sind zwey Classen der Römisch-Catholischen: Italien, Spanien etc. hält ihn noch vor infallible, wiewohl es nur auf dem Catheder, nicht aber in der Praxi geschiehet. Die andere Classe aber, hauptsächlich die Frantzosen, geben ihm nur den Rang gute Ordnung zu er-  
  {Sp. 454}  
  halten. Sie gestehen ihm gewisse Privilegia und dergleichen zu, sagen aber, daß er gar nicht infallible sey, sondern ein Herr, als etwan der Doge zu Venedig.  
  So sind auch die Bischöffe, Patres etc. gefallen. Vor dem wurden diese Leute vor lebendige Heiligen gehalten, allein nach der Reformation erlaubt man eben nicht mehr den Geistlichen viel an sich zu kauffen, sonderlich ist dieß in Franckreich. Bes. Hericourt Leges eccles. Galliae.
  So ist es auch in andern Ländern. Man entdecket auch heutiges Tages ohne Sorgen die Fehler der Geistlichen. Der berühmte Scippius hat über 50 Satyren unter vielerley Namen gegen die Jesuiten geschrieben. Die Jansenisten haben auch wider die Jesuiten geschrieben Tubam magnam, majorem et maximam, welche in 3 Bänden bestehen.  
  Man hat auch bey diesen Umständen Päbstlicher Seite weichen müssen. Franckreich ist Zeuge davon. Dieses Königreich hatte vor der Reformation zwar gewisse Freyheiten, die der Pabst nicht antasten durffte, allein sie wusten selbst nicht, worinne sie bestunden; aber nach der Reformation hat man der Freyheiten so viel gemacht, daß es heutiges Tages nur den Päbsten zum Schrecken dienet. Die Könige von Franckreich haben auch nach und nach die Päbste so eingeschräncket, daß man nicht viel mehr darnach fraget, ob der Pabst einen ernennten Bischoff confirmiret oder nicht.  
  So ists auch mit den Kirchen-Auflagen, die Kleriker wurden vor dem wenig mit Auflagen beschweret, aber nach der Reformation wurden sie in Franckreich eben so beschweret, als andere. Dieß ist die Ursache, warum Franckreich das Tridentinische Concilium nicht angenommen: man sagt, man nähme die Lehre des Concilii an, aber nicht die Disciplinam. Das wurde aber vom Pabst leicht remittiret.  
  Ausser Deutschland hat sich ein gut Theil der Schweitz durch Anführung Zwinglii der Herrschafft des Pabsts entrissen. Sonderlich ist die Reformation der Stadt Genev merckwürdig, deren Reformatores Johann Calvinus und Theodor Beza waren. Man hat eine Beschreibung dieser Reformation von Carl Spon, und eine Italiänische von Gregorio Leti, welche etwas weitläufftiger als jene, aber nicht so gründlich. Spanheim hat eine Oration, restituta Geneva genannt, gehalten, welche sehr gut.
  Franckreich blieb zwar überhaupt dem Pabst unterworffen, allein es setzte sich doch darinnen nach und nach eine grosse Kirche, die sich mit der Zeit zu den Lehrsätzen der Reformirten bekannte, und durch viel Blut zum Stande gebracht werden muste. Nach vielen und weitläufftigen Kriegen, worinnen Franckreich ungemein zerrüttet wurde, gab endlich der König Heinrich IV das weltberühmte Edict von Nantes heraus, worinnen die Freyheiten der protestirenden Frantzosen fest gesetzet wurden.  
  Was Engelland anlanget, so sind gleich nach der Reformation der Deutschen einige Schüler Lutheri dahin gegangen, unter denen berühmt ist Robert Barnesius, welcher zur Zeit der Reformation Lutheri Ambassadeur am Sächsischen Hofe aus Engelland war. Da dieser also nach Engelland kam, brachte er die Geschichte der Reformation mit; allein weil das Pabstthum noch zu mächtig war, muste Barnesius verbrennen.  
  Der erste aber, der zur völligen Reformation Anstalt machte, war Heinrich VIII, der zwar sonst ein Feind Lutheri war, auch sogar ein Buch de septem sacramentis schrieb, und daher den Tittel Defensor fidei überkam. Der Grund zu dem Abfall dieses Heinrichs von dem Pabst war die Ehescheidung von seiner Gemahlin Ca-  
  {Sp. 455|S. 241}  
  tharina, die er ohne des Pabsts Einwilligung vornahm, und sich die Anna von Buhlen antrauen ließ. Dieses nahm der Pabst sehr übel auf, wurde aber darüber von der Regierung der Englischen Kirche ausgeschlossen, denn Heinrich sagte, er sey selbst Pabst genug. Allein hiermit war der Reformation noch wenig geholffen; da sich aber die Catholischen Geistlichen immer widersetzten, so kam sie immer besser empor, und der König zog allgemach die Kirchen-Güter an sich. Hierauf wurden zwey berühmte Männer, Martin Bucerus, und Paul Fagius, hinein geruffen, denen man in der Reformation von Engelland das meiste zu dancken hat. Sie sind beyde in Engelland gestorben, ihre Gebeine aber hat Maria wieder ausgegraben, und als ketzerisch verbrennen lassen.  
  Nach Heinrichs Tode kam ietzterwehnte Maria auf den Thon, die sich mit Philipp II von Spanien vermählete, welcher grausam mit den Protestanten umgieng, und viel Lords, Bischöffe, und andere vornehme Leute hinrichten ließ. Unter der Elisabeth aber giengs gantz anders: denn da kriegten die Protestanten wieder die Oberhand, und verfolgten die Catholischen, doch nicht so, wie sie verfolget waren. Man hat etliche unruhige Mönche aufgehencket, andere zum Lande hinaus gejaget. Es ist hiervon ein klein Buch de Crudelitate Protestantium von den Catholischen mit Kupffern heraus gegeben worden.
  Unter der Elisabeth ist die Englische Confeßion gemacht, welche Bucerus fortgesetzet, und zwar sehr ambiguös. Sie bestehet aus 39 Artickeln, worauf die Engelländer noch ietzo schwören müssen.  
  In Holland sammleten sich nicht lange nach der Reformation in Deutschland unterschiedene Bekenner des Evangelii, unter denen Bruder Heinrich von Zütphen einer von den ersten in den Niederlanden, und Adolph Clarenbach, der zu Cölln verbrannt worden. Allein die Spanische Regierung wütete entsetzlich gegen diese Leute, sonderlich da der Hertzog von Alba Gouverneur der Niederlande war. Dadurch geschahe es endlich, daß man unter der Anführung des Printzen von Oranien sich von dem Spanischen Joche loß risse, und mit der weltlichen zugleich die geistliche Freyheit behauptete.  
  Die Kircheneinrichtung von Holland aber ist wiederum gantz anders gerathen, als in andern Ländern, und man hat mehr gesuchet in den Niederlanden eine allgemeine Gewissens-Freyheit aufzurichten, als die Reformirte oder Evangelische Lehre einzuführen. Auf den Academien wurden die Lehrsätze Calvini und Bezä eingeführet, weil deren Schüler Professores waren. Bes.
  • Gerhard Brands Holländ. Reformat. Hist.
  • Brecklings Hist.
  • Benthems Holländ. Schul- und Kirchenstaat.
  In Dännemarck hat Christian II zuerst 1520 die Reformation eingeführet, in dessen Fußtapffen Friedrich I getreten, Christian III aber hat sie vollkommen feste gesetzet. Bugenhagen war nach Dännemarck beruffen, und kan als ein Apostel dieser Lande angesehen werden. Bes. Lemmels hist. Bugenhagii.
  In Schweden hat Gustav die Reformation zuerst feste gesetzet. Weil er sahe, daß Schwierigkeiten entstunden, wolte er lieber abdancken, als von der Reformation abstehen: dieses gieng dem Volcke so zu Hertzen, daß sie sich lieber reformieren liessen, als ihren König verlassen wolten. Bes.
  • Oeshiems Kirchenhist.
  • Claudii Aihaimii Breviarium.
  Es hat die Reformation der Päbstlichen Kirche einen grossen Vortheil gebracht, wie selbst die Catholischen gestehen, Joh. Fr. Mayer hat eine Dissertation geschrieben, quantum profecerit ecclesiae Romanae Reformatio.
  Dies muß umständlich durch  
  {Sp. 456}  
  einige Wissenschafften gewiesen werden. Erstlich gewöhnte man sich eine andere Schreibart an, als man vor der Reformation gehabt, da man nur eine solche hatte, die allein in den Klöstern konnte verstanden werden. Man muste sich auch auf das Ebräische und Griechische legen, weil die Protestanten sich immer auf den Grundtext berieffen. Sie hatten aber nichts als Vulgatam, welche die Protestanten verwarffen. Die Päbste hielten daher in Rom und Italien mit grossen Unkosten etliche Leute, die diese Sprache verstanden, etliche Juden, die Hebräisch lesen musten, die beyden Manutios und andere, so das Griechische tractirten.  
  Eben so machte man es in den Niederlanden, da verfertigte man Biblio polyglotta, welche die Antwerpische Bibel genennet wird. Andr. Masius und anderer arbeiteten an diesem grossen Wercke, die alle sich auf die Orientalischen Sprachen legten, damit sie den Protestanten könnten gewachsen seyn. Sonst ist Xantes Pagninus bekannt, der das alte Testament übersetzet.  
  Eben diese Noth trieb die Catholischen an, die Kirchenhistorie zu excoliren. In der Bibel waren sie nicht viel bewandert, daher musten sie sich auf die Tradition beruffen; aber da sie mehr Licht in der Bibel bekamen, und sahen, daß dieß nicht zureichte, so musten sie sich auf die Kirchenhistorie legen. Der sie darzu antrieb, war Matthias Flacius, welcher die Centuriat. Magdeb. geschrieben. Da nun Flacius ihnen die Traditionen wolte wegnehmen, sahen sie wohl, daß sie die Kirchenhistorie tractiren musten, und Baronius kriegte grosse Besoldung, seine Annales zu verfertigen. Es haben sich nebst dem viele anderer unter den Catholischen um die Kirchenhistorie bemühet.  
  Auch in der Philosophie ließ sichs hier und dar zu einer grössern Freyheit an. Zwar in Deutschland, Spanien, und denen Niederlanden, behielt man die alte Aristotelische Scholastische Philosophie, aber in Italien fanden sich unterschiedliche, die den Platonem vorzogen, neben welchem zugleich eine Bande von Aristotelicis entstunde, die es aber allem Ansehen nach mit der Religion nicht gar zu wohl meyneten.  
  In Franckreich wolte Peter Ramus die Philosophie, und sonderlich die Logic reinigen, allein es ward aus seinem Vorhaben nichts, sondern Aristoteles behielt in Franckreich die Oberhand, obgleich einige hier u. da anfiengen, sich von seinem Joche loßzureissen.  
  Die Hierarchie in der Päbstlichen Kirche ist sonst geblieben, wie sie vor dem gewesen ist; es sind aber weit mehr Titularbischöffe und Titularbeneficiaten worden, denn vorher, dieweil man die von den Protestanten weggenommenen Länder noch immer als Römische-Catholische ansiehet, und in den Kirchenregistern behält. So giebets zu Rom Ertzbischöffe von Magdeburg, Halberstadt etc. welchen Tittel sie aber doch nicht öffentlich führen dürffen, weil die protestierenden Fürsten es nicht leiden.  
  Sonst hat man es auch an ausserordentlichen Mißionarien und Lehrern nicht fehlen lassen, welche sich in die protestirenden Länder begeben, und die Päbstliche Lehre heimlich auszubreiten bemühen müssen.  
  Die Päbste, die nach dem Tridentinischen Concilio in dem 16 Jahrhunderte insonderheit berühmt gewesen, sind.  
 
  • Pius V,
  • Gregorius XIII,
  • und Sixtus V.
 
  Unter den übrigen Lehrern sind vor andern sehr berühmt worden:  
 
  • Joh. Cochläus,
  • Joh. Eccius,
  • Hieron. Emser,
  • der Cardinal Cajetanus,
  • Laur. Surius,
  • Stanislaus Hosius,
  • Jacob Sadoletus,
  • Joh. Faber,
  • Alb. Pighius,
  • Frantz Vatablus,
  • Melchior Canus,
  • Claudius Espencäus,
  • Barthol. Caranza,
  • Joh. Maldonatus,
  • Franc. Turuanus,
  • Ar. Montanus,
  • u.a.m.
 
  In der Lehre  
  {Sp. 457|S. 242}  
  selbst ist man im Pabstthum einiger massen von der vorigen abgegangen. Vor dem Tridentinischen Concilio wurden viele Dinge im Pabstthum als Problemata angesehen, aber das Tridentinische Concilium hat die Freyheit zu meynen aufgehoben, und die erwählte Meynung feste gesetzet, mit angehängetem Fluch. z.E. in der Lehre von Sacramenten war man gar nicht eins; einige machten dreye, andere zwölfe etc. als Hugo de St. Victore im 12 Jahrhunderte. Aber das Tridentinische Conciliun hat sieben Sacramente feste gesetzet, und wenn die nicht glaubt, dem wird der Fluch angedeutet. Also hat man die Freyheit zu meynen aufgehoben.  
  Was ferner die Lehrart oder Form der Lehre anlanget, so ist solche nach der Reformation besser worden. Man muß hier erst auf Luthern und seine Mitgenossen sehen. Luther war ein Feind der Scholasticker. Er war zwar erstlich ein Nominaliste, aber er änderte sich hernach gantz, und Melanchthon, der viel von den Scholasticker hielt, muste Luthern nachgeben. Diesem folgten die Catholischen, und dachten also auch auf eine bessere Lehrart.  
  Luther brachte auch den Catechismum wieder auf. Es war derselbe zwar vor alten Zeiten in der Kirche gebräuchlich gewesen, aber nachdem glaubten die Catholischen daß es schon genug, wenn ein jeder glaubte. Luther hat also den Catechismum wieder aus dem Staube erhoben.  
  Wie Luther die Lehrart verbesserte, also thaten auch die Catholischen, sonderlich Melchior Canus in seinen Locis communibus, worinnen er aber nicht die gantze Theologie, sondern nur die Praeliminaria derselben vorgetragen. Also hat auch Maldonatus die Scholastic verbessert.  
  Zum andern hat man auch nach Luthers Exempel einen Catechismum gemacht. Der Catechismus des Trid. Concilii ist oft aufgeleget, und haben wohl mehr als einer daran gearbeitet. Dieser Catechismus ist als ein Symbolisch Buch deswegen zu mercken, weil er viel Stellen des Concilii erkläret. Sonst hat man nebst diesen den Bellarminum zur Erklärung dieser Stellen.  
  Nach diesem Catechismo sind viel andere herausgekommen. Der vornehmste ist des Petri Canisii Catechismus, welcher als der beste unter ihnen berühmt ist. In Franckreich, wo man sich nicht viel an den Catechismum des Tridentinischen Concilii kehret, nimmt man einen Catechismum, den man will. Bossuet hat einen aufgesetzt, welcher sehr berühmt, und in Franckreich üblich. Colbert hat auch einen grossen und schönen Catechismum ediret. Der beste aber, der auch den Catholischen gefället, ist des Fleuri seiner, welcher für nöthig gehalten, den Christen eine Historie von der Religion zu geben.  
  Sie haben auch die Theologiam patristicam verbessert. Unter diesen ist der erste Eccius, welcher ein Enchiridion heraus gegeben. Diesem sind sehr viele gefolget. Der vornehmste, der die Theologiam patristicam vollkommen ausgeführet, ist Dionysius Petavius, welcher sehr berühmt ist.  
  Die Catholischen theilen ihre Theologie in positivam, das ist, scholasticam, und in dogmaticam, das ist patristicam, da sie die Dogmata aus den patribus herführen. Die Professores Theologiae positivae und dogmaticae liegen einander beständig in Haaren. Jene sagen, daß ihre Theologie ein trefflich Bollwerck gegen die Ketzer sey; und das ist wahr, denn wenn sie ihre subti-  
  {Sp. 458}  
  len Distinctiones nicht hätten, würden sie wenig ausrichten. Diese sagen, ihre sey die beste, und die Scholasticker hätten die Theologie verdorben, man müste daher alles aus denen Patribus herführen; dies hätte Christus und die Apostel gelehret. Es sind auch einige, welche diese beyden Arten haben vereinigen wollen, als Dionysius Petavius etc. aber man hat zu zweiffeln, ob er sich nicht viel mehr über die Scholasticker moquire.  
  Die Mystici sind aber immer neben den Scholastickern in Ansehen geblieben, und weil sie die Hauptlehren der Römischen Kirche nicht umstossen, so hat man sie gröstentheils ziemlich in Ruhe gelassen. Die Scholasticker haben nach wie vor gegen sie als Schwärmer und Phantasten geschmälet; die Mystici haben hinwieder die Scholasticker als Feinde der wahren Gottesfurcht ausgeschrien. Es ist daher hier beym alten geblieben, wie denn auch in Jure canonico und den dahin gehörigen Dingen nichts geändert worden.  
  In der Moral hat man gleichfalls sich wenig geändert. Ihre Casuisten, Moralisten und Canonisten haben zwar etwas deutlicher denn vorher geschrieben, und etwas mehr Methode gebraucht, aber in der Haupt-Sache sind sie bey dem alten geblieben, jedoch aber haben die Jesuiten, so in dem 16 Jahrhunderte entstanden, nach und nach eines und das andere auf einen andern Fuß gesetzet, als es viele nicht wünschen.  
  Gegen das Ende dieses Jahrhunderts fieng der weltberühmte Streit zwischen den Jesuiten und Dominicanern de auxiliis gratiae an. Es ist bekannt, daß vor der Reformation zweyerley Meynungen vom freyen Willen gewesen, die eine folgte dem Thoma, die andere dem Augustino, und liesse dem Menschen gar keinen freyen Willen. Dominicus nun, als er seinen Orden stifftete, pflichtete dieser bey. Die andere Parthey waren die Scotisten, denen viele Scholasticker anhiengen. Diese statuirten, daß der Mensch einen freyen Willen vollkommen hätte.  
  Diese zwey Partheyen stritten sich hefftig auf dem Tridentinischen Concilio. Der Pabst wuste nicht, welcher Parthey er recht geben solte: denn die Scotisten durffte er nicht verdammen, denn ihre Meynung kam mit den Grundsätzen der Römischen Kirche überein, und wenn der Pabst diese Meynung verworffen hätte, hätte er viele Lehren im Pabstthum umstossen müssen, welche sonst grossen Vortheil bringen, z.E. von guten Wercken.  
  Die Thomisten durffte er auch nicht verdammen, denn ob sie schon in diesem Puncte Luthern ziemlich nahe kommen, so durffte er es doch nicht wagen, weil sie Augustino folgten, der bey den Catholischen einer der grösten Heiligen ist. Hätte er also dieser Meynung verworffen, so hätte er den Augustinum verwerffen müssen, welches auch nicht rathsam war: also konnte auf dem Concilio kein gewisser Schluß gefasset werden, sondern man nahm nur Conclusa generaliora, so daß die Thomisten so wohl als Scotisten, sich heraus defendiren können.  
  Diese Streitigkeiten hiessen vor dem die Streitigkeiten de auxiliis gratiae; im 17 Jahrhunderte aber haben sie einen andern Namen bekommen, und sind die Jansenistischen genennet worden. Ob nun schon die Dominicaner eben das lehren, so sind sie doch nach der Zeit von den Jesuiten nicht wieder angegriffen worden, sondern sie haben die Jansenisten nur angefochten. Nachher ist dieser Streit ge-  
  {Sp. 459|S. 243}  
  nennet worden von der Constitution.  
  Nach dem Tridentinischen Concil brachen sie loß: Die Jesuiten solten billig nach der Veranlassung ihres Stiffters des Thomä Theologie in den Schulen lehren, und von der Gnade also reden, daß Gott alles zugeschrieben würde. Die Dominicaner blieben beym Thoma und Augustino; die Jesuiten aber giengen in diesem Stücke ab, und folgten Scoto. Leonhard Leßius hat zuerst auf solche Art gelehret, aber er blieb doch dabey ruhig. Molina aber fieng die Streitigkeiten de auxiliis gratiae recht an, also daß er der Gnade GOttes nichts überließ. Dieß kam nun mit den Lehrsätzen der Catholischen zwar wohl überein, allein weil die Dominicaner den Vorzug hatten auf den Spanischen Universitäten, und über dem die Inquisition in ihren Händen war, so fiengen die Dominicaner an sich zu regen wider diese Meynung, weil sie es aber unter sich nicht schlichten konnten, so brachten die Jesuiten den Streit nach Rom.  
  In eben diesem Jahrhunderte waren zu Löven viel Dominicaner, welche dem Augustino sehr anhiengen, vornehmlich Bojus, welcher die Wercke Augustini wohl 20 bis 30 mahl mit Bedacht durchgelesen. Frantz Hessels, welcher wegen seiner Streitschrifften sehr berühmt, war auch ein eifriger Dominicaner. Diese und andere nun stritten wider Leßium, aber es war doch nicht so hefftig, daß es nach Rom kam, wie es aber Molina zu grob machte, so kam es an den Pabst. Von ihm werden alle die Molinisten genennet, die den Jesuiten beytreten.  
  Die Dominicaner in Spanien verdammten das Buch Molinä, aber die Jesuiten stritten mit aller Gewalt darwider, weil sie die Ehre haben wolten, daß aus ihnen niemahls ein Ketzer aufgekommen, deswegen brachten sie es nach Rom, worüber der Pabst eine Congregation hielte. Hiacinth Serri, sonst Augustin le Blanc genannt, hat historiam congregationis beschrieben, von Seiten der Dominicaner; von Seiten aber der Jesuiten Levin Meyer, sonst Eleutherius betitelt, zu Antwerpen.
  Diese Congregation ist unter drey bis vier Päbsten fortgesetzet. Im Anfang gab man den Dominicanern recht, und man wolte die Jesuiten verdammen, aber die Jesuiten waren immer listiger, und liessen neue Congregationen anstellen.  
  Was die Geschichte der Päbstlichen Kirche im 17 Jahrhunderte anlanget, so sind vor allen Dingen derselben Regenten, oder Päbste, zu mercken. Diese sind nun  
 
  • Clemens VIII,
  • Leo XI,
  • Paul V,
  • Gregorius XV,
  • Urban VIII,
  • Innocentz X,
  • Alexander VII,
  • Clemens IX und X,
  • Innocentz XI,
  • Alexander VIII,
  • Innocentz XII,
  • Clemens XI.
 
  Unter diesen sind sonderlich bekannt  
   
  In der äusserlichen Regimentsverfassung der Römischen Kirche ist nichts geändert worden; aber das Ansehen des Pabsts und der sämtlichen Clerisey ist in unterschiedlichen Ländern nicht wenig gefallen, worzu die Venetianer und Frantzosen das meiste beygetragen, und den andern dadurch den Weg gebahnet haben.  
  Die Venetianer führten einen bitterem Streit mit Paul V, erstlich mit  
  {Sp. 460}  
  Schrifften, die nicht an den Tag gekommen, hernach aber öffentlich, daß die weltliche Regierung nicht an den Pabst gebunden wäre. Die Venetianer aber gebrauchten sich des berühmten Paul Sarpii wider den Pabst, von dem man unterschiedliche Schrifften wider die Gewalt des Pabsts hat. Nach seinem Tode hat sein Mitbruder, Pater Fulgentius, die Rechte der Venetianer mit gleichem Eifer vertheidiget, aber nicht mit so gutem Erfolg.  
  Das andere Volck sind die Frantzosen, welche dem Pabste zu seiner Autorität geholffen, aber auch wieder darum gebracht; denn sie beruffen sich immer auf die Freyheit der Frantzösischen Kirche, worinnen aber diese Freyheiten bestehen, wissen sie selbst nicht, und also beruhen sie nur auf usurpationes und facta. Dennoch aber ist diese Freyheit ein Wort, wodurch sie den Pabst schrecken. Einige gelehrte Männer haben von dieser Freyheit Bücher geschrieben, so wohl unter den Lutheranern, als den Catholischen. Unter den ersten ist Zorn, Professor zu Stettin, Frick, in einer Dissertation, welche er dem Zorn hinten angehänget, die sehr schön ist. Unter den Frantzosen selbst hat der Ertzbischoff von Marea auch von dieser Freyheit geschrieben. Wer in der Kürtze sehen will, worinnen die erwehnte Freyheit bestehe, kan den Fleuri lesen.
  In diesem Jahrhunderte hat man fast eins ums andere hefftig gestritten wider den Pabst, bald ihm nachgegeben. Als Richelieu in Franckreich regierte, so war er eben nicht gut zufrieden mit dem Pabste, und wenn er nicht nach seinem Kopffe wolte, so sprengete er aus, er wolte eine eigene Kirche anfangen, und einen eigenen Patriarchen setzen. Es schrieb aber einer, mit Namen Optatus Gallus, ein Buch, de Concordia utili ecclesiae gallicanae, welchem aber Peter de Marca antwortete. Edmund Richerius griff den Pabst auch hefftig an, und ließ ihm nichts mehr, als das Recht in den Concilien zu präsidiren. Und dieß ist das rechte Systema der Frantzösischen Kirche.  
  Durch den Westphälischen Frieden hat die Macht und Herrlichkeit der Päbstlichen Kirche in Deutschland 1648 vieles erlitten, dieweil derselben unterschiedliche ansehnliche Stiffter sind entzogen worden, doch an der andern Seite haben sie in Orient und America durch die häuffige Mißionarien, sonderlich der Jesuiten, sich nach und nach viel Vortheil wiederum erworben. Allein die alten Orientalischen Christen haben dennoch bisßher die Herrschafft des Pabsts nicht völlig annehmen wollen, und denen Mißionarien zuweilen übel gelohnet. Bes.
  • die Curiösen und erbaulichen Brieffe der ausländischen Mißionarien;
  • Crass. Hist. der Christen in Japan,
  • Ludolphs Hist. Aethiopiae..
  In der Mitte des 17 Jahrhunderts entstund ein Streit, ob der Kayser Recht hätte, die protestantischen Fürsten zu bekriegen, u. den Passauischen Frieden zu brechen? Die Dillingischen Jesuiten gaben sich sonderlich Mühe, dies zu behaupten. Der erste hieß Lorentz Forerius, der andere Andreas Keller, der ebenfalls allerhand Schrifften herausgab, die Protestanten schwartz zu machen. Aber die Würtenbergischen Theologen haben sich verantwortet, und Matthias Hoe verfertigte die Vertheidigung des Evangelischen Augapfels, der gegen die Dillingischen Jesuiten allerhand Schrifften unter ungereimten Titeln herausgaben, z.E. Wer hat das Kalb in  
  {Sp. 461|S. 244}  
  die Augen geschlagen? desgleichen: Ubersetzung über des Kalbes Auge; von Protestantischer Seiten hinwiederum: Der Jesuitische Staarstecher. Bes. Fabritii Centurias Fabritiorum, desgleichen Andreas Caroli in memorabilibus ecclesiasticis.
  Ausser den Jesuiten hat Caspar Scioppius ein Classicum belli sacri geschrieben, wodurch er die Fürsten zum Kriege aufmuntern wollen. Die Jesuiten haben ihn wegen seiner Schrifften wider sie verfolget. Just Meyer hat eine gelehrte Schrifft wider dieses Claßicum verfertiget, desgleichen Matth. Bernegger, unter dem Tittel: Tuba pacis contra Scioppii Classicum belli sacri, er hat sich aber einen andern Namen gegeben. Scioppius hat ihm geantwortet, und er demselben wiederum. Der Cardinal Collonitz hat eine anticonfessionem Augustanam geschrieben, aber der Leipziger Theologus Valentin Alberti hat ihm auf Befehl des Hertzogs von Sachsen geantwortet.  
  Nach diesem Mittel hat man durch Friedens-Vorschläge sich bemühet, die Gewalt des Pabsts wieder empor zu bringen, und mit den Reformirten wieder zu vereinigen. In Franckreich waren sie am meisten darüber eins. Der Cardinal Richelieu hat die Sache am hefftigsten getrieben, und sagt man, daß er die Reformirten Theologen, Doläum, Amyraldum, Bochorum etc. auf seine Seite gebracht. Bes. Bayle Diction. unter diesem Tittel.
  Unter denen Lutherischen hat man auch allerhand Friedens-Vorschläge ausgestreuet. Es ist ein Bischoff, der sich von China genennet, in Deutschland herum gereist, als ein Friedens-Nuntius vom Pabste, welcher mit verschiedenen von denen Lutherischen Theologen disputiret, als mit dem Jenischen Beyer, und Calixto..  
  Sonst haben die Catholischen in unterschiedenen Schrifften ihre Religion so vorgestellet, daß man meynen solte, es wäre kein grosser Unterscheid, als in Franckreich Bossuet. Es ist aber mit allen diesen gedachten Mitteln wenig ausgerichtet worden.  
  Die Gelehrten unter den Catholischen haben eine kürtzere und leichtere Methode erdacht, die Streitigkeiten zu heben, als Ren. Benedictus, ein gelehrter Sorboniste, in einer Schrifft unter dem Tittel: Stromata biblica contra haereticos. Er meynte, die Catholischen hätten nicht nöthig, sich mit den Protestirenden einzulassen, weil sie so lange in Posseßion gewesen, sie dürfften nur denselben das onus probandi aus der Schrifft auflegen. Niehusius hat dieses auch aufbringen wollen, aber Georg Calixtus hat ihn in seiner Dissertation de arte nova widerleget. Man hat diese Methode Augustinianam genennet. Bes. Neumanns Diss. de methodo Augustiniana.
  Sonst wird sie auch Veroniana genennet, von dem Bischoff Veronio. Diese Methode ist hernach weiter excoliret worden.  
  Die Fratres Wahlenburgici, Richelieu, etc. haben auch besondere Wege gefunden, wider die Lutherischen zu streiten. Nicole hat die Praejudicia wider sie zu treiben gesucht, welches die General-Argumente sind. Diesem Nicole hat Claudius ein Buch, Defense de la Reformation, entgegengesetzet, worinnen er auch Luthern wider Bossuet vertheidiget.  
  Im Jahr 1682 hat die Frantzösische Clerisey zu Paris etliche 40 Methoden, die Ketzer zu vereinigen, ersonnen. Gilbert Burnet aber hat diese Methoden sehr vernünfftig in einer netten Schrifft durchgezogen.  
  In der Gelehrsamkeit ha-  
  {Sp. 462}  
  ben die Deutschen, Italiäner, Spanier und Niederländer sich eben nicht verstiegen. Die Furcht vor der Inquisition und andere Ursachen haben sie vermocht, entweder bey der alten Weise zu bleiben, oder auf andere Wissenschafften sich zu legen, die zur Theologie nicht gehören.  
  In Franckreich aber hat man alle Wissenschafften mit mehrerm Eifer untersuchet. Insonderheit haben die Benedictiner-Mönche aus der Congregation St. Mauri die Kirchen-Historie und Alterthümer mit vortrefflichen Schrifften erläutert, die besten Editionen der Kirchenväter gegeben, und viele ungewohnte Schrifften ans Licht gebracht, Bes. Thomas Ittig de catenis et collectionibus Patrum,
  wodurch denn die Deutschen sind bewogen worden, in ihre Fußtapffen nach und nach zu treten.  
  In der Philosophie haben die Frantzosen im Anfange sich zwischen dem Aristotele, Cartesio und Gassendo getheilet. Nachher aber haben sie angefangen freyer zu philosophiren, und insonderheit in der Physic und Mathematic vortreffliche Entdeckungen gemacht, wozu die Academie der Wissenschafften nicht wenig beygetragen. In den letzten Zeiten hat der berühmte Malebranche eine neue Gattung der Philosophie auf die Bahne gebracht, und sehr viel Anhänger gefunden. Die Sorbonne aber bleibet meistentheils beym Aristotele.  
  In den übrigen Catholischen Ländern hat man die Philosophie stets nach dem Fuß der Scholasticker fortgetrieben, und keine Neuerung gemacht.  
  Die vornehmsten Lehrer unter den Catholischen in diesem Jahrhunderte sind,  
  1) unter den Cardinälen:  
 
  • Cäsar Baronius,
  • Robert Bellarminus,
  • Jacob David Petronius,
  • Heinrich Norisius,
  • Armand de Richelieu,
  • Sfortia Pallavicinus,
  • Johann Bona,
  • Joseph a Gvirre,
 
  2) Unter den Jesuiten:  
 
  • Jacon Gretser,
  • Nicolaus Serarius,
  • Anton Possevinus,
  • Martin Becanus,
  • Jacob Bonfret,
  • Dionysius Petavius,
  • Jacob Sirmond,
  • Titus Erbermann,
  • Theophilus Reinaud,
  • Ludewig Mainburg,
  • Johann Detz,
  • Johann Harduin,
  • und andere mehr.
 
  Unter den übrigen Orden haben sich vornemlich bekannt gemacht:  
 
  • Paul Sarpius,
  • Frantz Peuvardentius,
  • Wilhelm Estius,
  • Joh. Morinus,
  • Ludewig Thomasinus,
  • Johann Mabillon,
  • Lucas Dachetius,
  • Christian Lupus,
  • Richard Simon,
  • Natalis Alexander
  • etc.
 
  Im Dogmaticis und Polemicis hat man keine besondere Änderung gemacht, aus Furcht vor dem Bann. Nur muß man die Methoden der Lehren, und einen Anhang von den innerlichen Streitigkeiten betrachten. Die Methode ist fast in allen Ländern die alte, das ist, Scholastische geblieben. Die Frantzosen haben sich etwas geändert. Man kan zwar nicht sagen, daß tüchtige Systemata herausgekommen, doch aber haben sie die Scholastic ziemlich weggeworffen. Man muß sich erinnern, daß Dogmatica und Positiva, oder Theologia et Dogmatibus Patrum confitens, und Scholastica, das ist positiva, bey den Catholischen unterschieden werden. Petavius hat sich schon wider die Scholasticam  
  {Sp. 463|S. 245}  
  geleget, ist aber darüber verstorben. Nach diesen hat niemand ein gantzes Systema geschrieben, wohl aber über einige Artickel. So hat Carl Wirasser über den Artickel vom Abendmahl, Busse etc. geschrieben.  
  In Polemicis sind alle andere Länder bey der alten Weise geblieben, Franckreich allein hat sich auch hierinnen geändert, und seine Controversisten sind behutsamer geworden. Die Ursachen, warum sich Franckreich geändert, ist erstlich das freye Naturell, hernach die Hugonotten, welche gründlich gelehrte Leute hatten, die den Pabst scharff angegriffen; daher musten die Catholischen Frantzosen aus Noth auch die Theologie anders vortragen lernen.  
  Unter den Reformirten ist bekannt Spanheim, und andere.  
  Die Catholischen also liessen die Scholastic liegen, und wählten die Methode aus den Patribus zu demonstriren. Sie fiengen also an besser zu disputiren, und gaben gesetzten Leuten stattliche Besoldungen. Nachdem aber die Hugonotten fort, ist ihr Eifer auch gefallen.  
  Von der Mystic ist nichts zu sagen, denn diese bleibt beständig einerley.  
  In Exegeticis sind einige geschickte Leute unter ihnen gewesen. Bonfret, Estius, Cornelius a Lapide, und etliche andere mehr, sind in ihren Erklärungen zuweilen nicht zu verwerffen.  
  In der Moral sind die meisten bey der Lehrart der Scholasticker geblieben. Die Jesuiten haben eine neue Art der Moral einführen wollen, sind aber von ihren eigenen Glaubensgenossen hefftig abgefertiget worden. Die beste Moral trifft man in den Schrifften der Jansenisten an, die vornemlich sich darauf geleget haben, diß Stück der Theologie in eine bessere Verfassung zu bringen. Ihre grösten Leute haben sich bemühet, Systemata zu schreiben, z.E. Nicole hat Essais du Morale, Flechier ein Buch von der Falschheit der menschlichen Hertzen, desgleichen Arnold, und andere, geschrieben. Der Pater Quesnel hat in seinem Neuen Testamente mit Noten ebenfalls eine gute Moral verstecket, und vielen in die Hände gegeben.  
  Bey diesem Eifer, die Moral zu verbessern, nennete man die Jansenisten, Rigoristen, das ist, rigidi, und dieß zwar, weil sie mehr forderten, als man thun kan. Allein dieser Name bringet ihnen mehr Ehre als Schande. Die Ursachen, warum die Jansenisten so rigide sind in ihrer Moral, sind die Jesuiten. Beyde sind todtfeind mit einander, und die Jansenisten wusten sich nicht besser zu revangiren, und den Jesuiten eins anzuhängen, als durch ihre Moral, welche sie weit besser einrichteten als die Jesuiten, und dadurch selbige verhaßt zu machen suchten.  
  Die Haupt-Streitigkeiten in diesem 17 Jahrhunderte unter den Catholischen sind die so genannten Jansenistischen Streitigkeiten, die gegen 1640 entstanden sind. Es rühren dieselben von dem Bischoff von Ypern her, Cornelio Jansenio, der in seinem Buche, welches er Augustinus nennet, das Systema von der Gnade und dem freyen Willen des Menschen, welches Augustinus gehabt hat, behauptet. Dieses Buch, und die darinnen enthaltene Lehre, bekam viel Freunde und Liebhaber, Aber die Jesuiten, denen diese Lehrsätze nicht anstunden, brachten es durch viele Umwege dahin, daß der Pabst Urban VIII 1643 durch eine Bulle dieses Buch verdammete. Dem ohngeachtet findet Jansenius und seine Lehre in Franckreich unter den grösten Leuten viel Beyfall.  
  Der Hof aber hielte es dazumahl für rathsam,  
  {Sp. 464}  
  die Parthey der Jesuiten zu nehmen, daher ward die Sache dahin gespielet, daß Innocentz X 1655 in der bekannten Bulle die berühmten fünff Propositiones aus dem Jansenio verdammte, die Jansenisten musten damit zufrieden seyn, aber sie erfunden eine Ausflucht, sich zu helffen; Sie sagten: diese fünff Propositiones wären freylich unrichtig in dem Sinne, worinnen sie der Pabst verdammte. Aber sie stünden beym Jansenio in diesem Verstande gar nicht. Allein zu Rom behauptete man das Gegentheil, und setzte feste, daß würcklich die fünff Propositiones in dem Sinne, den Jansenius intendirte, in der Bulle des Pabstes verworffen wären.  
  Alexander VII gab deswegen 1656 eine eigene Bulle heraus, die in Franckreich angenommen ward, und man setzte daselbst eine eigene Eidesformul auf, welche die Jansenisten zu ihrer Reinigkeit abschwören musten. Dieß brachte die Häupter derselbigen in eine völlige Unordnung. Etliche derselben musten das Land räumen, und vertheidigten nachhero in den Niederlanden ihre Sache vortrefflich. Einige hielten sich eine geraume Zeit in dem Kloster Port Royal auf, andere vertheilten sich anders wohin. Nach dieser Zeit brauchet der Hof von Franckreich diese Streitigkeit als ein politisch Mittel, den Pabst in Zaum zu halten. Nach dem Tode des berühmten Arnolds trat der bekannte Peter Quesnel in die Stelle desselben, dessen Neues Testament endlich durch Hülffe der Jesuiten verdammet ward.  
  Sonst sind auch die Streitigkeiten berühmt, die wegen der Mysticorum in der Römischen Kirche entstanden. In Italien ward ein gewisser Spanischer Priester, Michael Molinos, dessen Manuductio spiritualis bekannt ist, als ein Ketzer verdammt, und diejenigen, die es mit ihm hielten, zur Busse angemahnet. Dis geschahe 1685. In Franckreich machte die berühmte Madame Guion gleichfalls wegen ihrer mystischen Lehren viel Händel; Und da der Ertzbischoff Fenelon die Parthey von dieser berühmten Frau annahm, und selbst einige mystische Bücher verfertigte, so gerieth er gleichfalls in Gefahr, verdammt zu werden, wovon er sich aber mit Vernunfft befreyete.  
  Sonst ist auch der Streit zwischen den Dominicanern und Franciscanern wegen der unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria, fortgeführet worden. Bes. Friedr. Ulrich Calixti hist. controvers. de immaculata Mariae conceptione.
  Wir gedencken noch mit wenigen an das ietzige 18 Jahrhundert und berühren nur folgende Hauptpunkte:  
 
1) daß im Jahr 1708 in Dreßden und 1710 in Leipzig den Catholischen ein freyes Religions-Exercitium von Sr. Königl. Majestät in Pohlen August II, Glorw. Gedächtnisses, als Churfürsten zu Sachsen, erstattet worden.
2) Das Verbot des Hertzogs von Savoyen, daß kein Münchs-Orden, unter was Vorwand es sey, einige weltliche Güter an sich kauffen, und sich dadurch in dero Landen weiter ausbreiten solle, im Jahr 1703.
3) Die Publication eines neuen Indicis Expurgatorii librorum von der Inquisition in Spanien, im Jahr 1707, an welchem Wercke über 60 Jahre gearbeitet worden.
4) Die sonderbahre Solennität zu Wien den 18 December 1709, als daselbst die unter dem Schutz der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria angerichtete Societät ein grosses
 
  {Sp. 465|S. 246}  
 
  Fest begieng, dabey die Anwesenden schwören musten, so lange zu glauben, daß die Marie ohne Erbsünde empfangen sey, bis vom Päbstlichen Stuhl ein anders befohlen würde.
5) Daß Franckreich verboten, irgends eine Bulle oder Breve des Pabsts anzunehmen, zu exequiren, zu verkauffen, oder auszugeben, wenn sie nicht mit offenen Briefen des Königs, so im Parlament registriret worden, versehen werden, im Jahre 1717.
6) Das erhaltene Religions-Exercitium in Hamburg, 1715.
7) Des Jesuiten Neuwerdt Oration: Maria vitae ostium tota Trinitate communitum, worinnen die Thesis mit eingelauffen, daß Maria so wohl als der Heyland, ohne Zuthun eines Mannes empfangen sey, im Jahr 1716.
 
  Schlüßlichen mercken wir, daß der Römische-Catholischen Religion zugethan seyn  
 
1) gantz Italien, darinnen der Pabst seinen Stuhl hat,
2) gantz Spanien, dessen König der Catholische genennet wird,
3) Franckreich, worinnen sich doch unterschiedene Hugonotten oder Calvinisten aufhalten,
4) Irland grossen Theils,
5) gantz Böhmen und Mähren,
6) Schlesien grossen Theils,
7) Preussen zum Theil,
8) meistentheils Ungarn und Pohlen, worinnen doch noch Evangelische und Reformirte gefunden werden,
9) die Spanischen Niederlande,
10) zum Theil Schweitz,
11) etliche Länder im Römischen Reiche, als
 
  • Österreich,
  • Bayern,
  • Steyermarck,
  • Kärndten,
  • Krayn,
  • Tyrol,
  • Mayntz,
  • Trier,
  • Cölln,
  • Lüttich,
  • Schwaben,
  • Francken,
  • Westphalen
  • etc. zum Theil.
 
     

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Stand: 24. August 2016 © Hans-Walter Pries